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Deutschland scheitert im Elfmeter-Schießen gegen Paraguay – Tah trifft entscheidend

Die deutsche Nationalmannschaft ist am 30. Juni 2026 nach einer 3:4-Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft in Boston ausgeschieden. Trotz eines durch den VAR annullierten Treffers von Jonathan Tah fehlte dem Team die notwendige Qualität, um den vermeintlich leichtesten Gegner des Turniers über 120 Minuten zu besiegen.

Die Flucht vom Punkt: Warum Jonathan Tah schießen musste

Das Aus der Nationalmannschaft wurde in einem dramatischen Sudden-Death-Modus besiegelt. Nachdem beide Teams nach fünf Schüssen 3:3 gestanden hatten, trat Jonathan Tah an und schoss den Ball über den linken Winkel. Es war der erste Elfmeter in der gesamten Profikarriere des 30-jährigen Verteidigers.Hinter den Kulissen kam es laut Informationen von BILD zu internen Schwierigkeiten bei der Festlegung des sechsten Schützen. Während Tah die Verantwortung übernahm, zögerten andere Spieler auf dem Platz. Zum Zeitpunkt des entscheidenden Schusses befanden sich Leon Goretzka, Waldemar Anton, Nathaniel Brown, Malick Thiaw und Torwart Manuel Neuer noch im Spiel, doch keiner von ihnen wollte den Druck des Sudden-Death-Modus übernehmen. Zuvor hatten bereits Kai Havertz, Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Nick Woltemade und Nadiem Amiri geschossen.Dieses Verhalten erinnert an das Champions-League-Finale 2012, als sich ebenfalls zahlreiche Bayern-Profis weggeduckten und Manuel Neuer übernehmen musste. Die aktuelle Situation unterstreicht den Vorwurf einer fehlenden Sieger-Mentalität innerhalb des Kaders.

Vollskandal gegen Eigenkritik: Der Streit um den VAR

Bundestrainer Julian Nagelsmann suchte nach der Partie laut BILD sofort nach Ausreden und konzentrierte sich auf eine Szene in der 102. Minute. Ein wuchtiger Kopfball von Tah zum vermeintlichen 2:1 wurde vom Schiedsrichter Jalal Jayed nach VAR-Prüfung zurückgenommen, da Waldemar Anton zuvor den paraguayischen Torwart Orlando Gill im Fünfmeterraum touchiert hatte.„Das ist ein Vollskandal! Das ist nicht mal ansatzweise ein Foulspiel.“ Julian Nagelsmann, BundestrainerInteressanterweise distanzierten sich die eigenen Spieler von dieser Darstellung. Joshua Kimmich betonte explizit, dass weder der Schiedsrichter noch das Elfmeterschießen für das Aus verantwortlich gemacht werden dürften. Wenn ein Team es über 120 Minuten nicht schafft zu gewinnen, sei das Ausscheiden verdient. Auch Tah und Nadiem Amiri stimmten zu, dass die eigene Qualität ausgereicht hätte, um Paraguay ohne Glück oder Pech zu schlagen.

Finanzieller Aderlass und die tiefschwarze Serie

Das frühe Ausscheiden hat für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) massive finanzielle Folgen. Laut einem Liveblog der Sportschau entgehen dem Verband durch das Sechzehntelfinal-Aus beträchtliche Summen:
  • 11 Millionen US-Dollar für das Erreichen der ersten K.-o.-Runde (bereits gesichert).
  • 4 Millionen US-Dollar entgangene Prämie für das Achtelfinale.
  • 4 Millionen US-Dollar entgangene Prämie für das Viertelfinale.
Insgesamt werden bei der WM 2026 871 Millionen US-Dollar an die 48 teilnehmenden Teams ausgeschüttet. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hatte bereits vor dem Turnier gewarnt, dass es ohne einen Halbfinaleinzug schwierig werde, wirtschaftlich schwarze Zahlen zu schreiben.Sportlich setzt sich eine negative Tendenz fort. Wie der Tagesspiegel analysiert, ist Deutschland zum ersten Mal seit dem EM-Finale 1976 in einem Turnier-Elfmeterschießen gescheitert. Zudem ist es das dritte Mal in Folge – nach 2018 in Russland und 2022 in Katar –, dass die Mannschaft nicht unter die besten 16 der Welt kommt. Das Erreichen des Sechzehntelfinals in Nordamerika ist primär auf die Aufstockung des Teilnehmerfeldes zurückzuführen, nicht auf eine sportliche Steigerung.

Experten-Urteil: Vom Weltklasse-Anspruch zum Mittelmaß

Die Reaktionen ehemaliger Nationalspieler fallen vernichtend aus. Bastian Schweinsteiger kritisierte ein fehlendes fußballerisches Element, mangelnde Kreativität und unsauberes Passspiel. Jürgen Klinsmann bezeichnete die Art des Ausscheidens als niederschmetternd und eine Peinlichkeit, die er mit den Debakeln von 2018 und 2022 verglich. Er forderte zudem klare Konsequenzen.„Im Durchschnitt waren die Auftritte enttäuschend. Es war so bei der EM, es war so bei der Qualifikation und es war so bei der Weltmeisterschaft. Offensichtlich ist es der Trainer.“ Dietmar Hamann, Experte bei RTÉ SportHamann schoss dabei direkt gegen Julian Nagelsmann und warf ihm vor, selten Spiele zu schauen. Auch Weltmeister Andreas Möller sieht Deutschland derzeit nicht mehr an der Weltspitze.„Wir gehören aktuell nicht zur Weltspitze, sondern zum Mittelmaß. Jetzt muss man sich wieder nach vorne kämpfen.“ Andreas Möller, WeltmeisterMöller sieht die Lösung nicht allein im Trainerwechsel, sondern in einer grundlegenden Reform der Ausbildung. Er fordert, den Wettbewerb in Drucksituationen im Jugendbereich wieder stärker zu fördern, anstatt junge Talente zu schnell in den Herren-Fußball zu drängen. Nur so könne die verlorene Siegermentalität zurückgewonnen werden.Während Julian Nagelsmann einen Rücktritt trotz des frühen Ausscheidens vorerst ausgeschlossen hat, bleibt die Situation im DFB angespannt. Die Mannschaft ist nach dem Flug aus Boston zurück in ihrem Quartier in Winston-Salem gelandet, doch die Fragen nach der sportlichen Ausrichtung und der Führung des Teams sind präsenter denn je.
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Felix Neumann

Über den Autor

Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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