Ein Traum vom süßen Leben endet oft mit einem bitteren Nachgeschmack. Für die Gründer von „House of Sweets“ ist die Euphorie der letzten Jahre einem harten wirtschaftlichen Erwachen gewichen. Dass ausgerechnet die größte Filiale in Hannover – ein Flagship-Store, der erst im August 2024 mit großem Aufwand eröffnet wurde – nun bereits die Regale leert, ist mehr als nur ein geschäftlicher Rückschlag. Es ist ein Warnsignal für ein Geschäftsmodell, das auf dem Hype sozialer Medien aufbaute, aber an der Realität des stationären Einzelhandels und unvorhersehbaren Katastrophen scheiterte.
Vom TikTok-Hype in die Insolvenzmasse
Den Aufstieg von House of Sweets kann man fast wie ein modernes Marketing-Lehrbuch lesen. Tahir und Sahin Gülsahin sowie Deniz Karadag setzten auf Import-Süßwaren aus aller Welt und nutzten die Hebelwirkung von Social Media. Prominente Kooperationen mit Künstlern wie Sido oder Senna Gammour katapultierten die Kette in die Sichtbarkeit einer jungen, digital affinen Zielgruppe. Während der Pandemie 2020 erlebte das Unternehmen einen regelrechten Boom. Die Idee, exotische Leckereien in einem Erlebnis-Shop zu verkaufen, funktionierte. Die Expansion folgte schnell: Bis zu elf Standorte, teils in Eigenregie, teils über Franchisenehmer, prägten das Bild der Kette.
Doch die digitale Sichtbarkeit schützt nicht vor physischen Problemen. Anfang April eröffnete das Amtsgericht Hannover das Insolvenzverfahren über die House of Sweets Hannover GmbH. Der Fall ist besonders schmerzhaft, weil die Hannoveraner Filiale nahe dem Hauptbahnhof mit 350 Quadratmetern das Aushängeschild der Kette sein sollte. Dass ein Laden nur wenige Monate nach Eröffnung schließen muss, deutet auf eine tiefe finanzielle Instabilität hin, die weit über eine einzelne missglückte Standortwahl hinausgeht.
Feuer im Lager und leere Innenstädte
Hinter den Kulissen der Insolvenz stehen zwei Faktoren, die das Unternehmen in die Zange genommen haben. Da ist zunächst das Pech: Im August 2024 brannte es im Warenlager in Thiede (Salzgitter). Der Schaden ging in die Millionen. Ein solches Ereignis kann die Liquidität eines expandierenden Unternehmens massiv untergraben, besonders wenn Versicherungsleistungen Zeit benötigen oder die Logistikkette unterbrochen wird.
Tahir Gülsahin sieht jedoch eine tiefere Ursache in der strukturellen Krise der deutschen Innenstädte. Er beschreibt eine sinkende Käuferfrequenz, die zu einer Flut von Leerständen führt. Wenn die Menschen nicht mehr in die Zentren kommen, nützt auch die beste Social-Media-Strategie nichts. Der stationäre Handel kämpft gegen einen Trend, den House of Sweets offenbar nicht mehr abfedern konnte.
Die Strategie der Hoffnung: Online-Shop und Restfilialen
Trotz der Insolvenz in Hannover und Braunschweig bleibt die Geschäftsführung optimistisch. Gülsahin betont, dass die aktuelle Insolvenz nur die Hannover GmbH betrifft. Die Hauptfirma und der Online-Shop existieren weiterhin, auch wenn Letzterer derzeit keine Bestellungen annimmt. Offiziell wird ein Umzug in eine größere Lagerhalle als Grund genannt – eine Erklärung, die in der aktuellen Situation skeptisch betrachtet werden muss, da sie zeitlich mit den Insolvenzmeldungen korrespondiert.
Die Strategie der Gründer scheint nun auf eine Konsolidierung zu setzen. Mit sieben verbliebenen Filialen in Großstädten wie Berlin und Hamburg versucht das Unternehmen, den Kern zu retten. Ob die Geschäftsidee der importierten Süßwaren langfristig tragfähig ist, bleibt abzuwarten. Die Phase des ungebremsten Wachstums ist vorbei; nun beginnt die Phase des Überlebenskampfes.
Was bedeutet die Insolvenz konkret für die Kunden?
Für Kunden bedeutet das vor allem, dass viele bekannte Standorte, wie in Hannover und Braunschweig, dauerhaft geschlossen sind. Wer online bestellen möchte, stößt derzeit auf eine gesperrte Bestellfunktion, während die Firma einen Lagerhaus-Umzug als Grund angibt.
Welche Filialen sind noch geöffnet?
Nach Angaben des Unternehmens gibt es noch sieben aktive Standorte. Dazu zählen unter anderem Geschäfte in Berlin, Hamburg, Bremen und Leipzig. Es empfiehlt sich, vor einem Besuch die aktuellen Statusmeldungen online zu prüfen.
Könnte die Kette durch den Online-Handel wieder aufsteigen?
Das ist theoretisch möglich, da die Hauptfirma weiterhin besteht. Allerdings ist der Online-Handel stark von einer funktionierenden Logistik abhängig. Nach dem Millionenbrand im Lager und den aktuellen Lieferstopps muss das Unternehmen erst beweisen, dass die Lieferketten wieder stabil laufen, bevor ein echtes Comeback gelingen kann.