Das Leben in Deutschland hat sich im August weiter verteuert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in einer ersten Schätzung lagen die Verbraucherpreise im August um 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Juli hatte der Anstieg noch bei 2,8 Prozent gelegen, im Juni bei 2,3 Prozent. Stärker gestiegen waren die Verbraucherpreise in Europas größter Volkswirtschaft zuletzt im Dezember 2023 mit damals 3,7 Prozent, wie die Zeit berichtet. Von Juli auf August zogen die Verbraucherpreise den vorläufigen Angaben zufolge um 0,2 Prozent an.
Inflation steigt im August auf 2,9 Prozent
Hauptverantwortlich für die Entwicklung bleiben die Energiepreise. Wie Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, erklärte, ist die höhere Inflation auf stärker gestiegene Preise für Kraftstoffe und Heizöl zurückzuführen laut der Berliner Morgenpost. Nach dem Auslaufen des von der Bundesregierung im Mai und Juni gewährten Tankrabatts, bei dem die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vorübergehend um knapp 17 Cent gesenkt worden war, war die Inflationsrate bereits im Juli um 0,5 Punkte nach oben gesprungen.
Energiepreise und Rheinniedrigwasser als Preistreiber
Fürs Tanken und Heizen mussten Verbraucher im August bundesweit 10,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor, nach 8,3 Prozent im Juli. Zu den Preistreibern gehören neben den anhaltenden Folgen des Ende Februar begonnenen Konflikts der USA und Israels gegen den Iran auch geografische Sondereffekte. So wird der internationale Energiehandel durch die faktisch blockierte Straße von Hormus belastet, was die Ölpreise antreibt. Ein Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent kostete laut Tagesschau 90,77 Dollar.

Zusätzlich sorgte ein Rekord-Niedrigwasser des Rheins für erhebliche Beeinträchtigungen der Binnenschifffahrt. Da Raffinerien häufig per Binnenschiff beliefert werden, wie das Bundeskartellamt erklärte, wirkte sich dies besonders in Bundesländern entlang der Wasserstraße wie Nordrhein-Westfalen aus. In NRW verteuerten sich Heizöl um 33,6 Prozent, Diesel um 35,6 Prozent und Benzin um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allein von Juli auf August zogen die Kraftstoffpreise in NRW um 2,6 Prozent an, wie das Statistische Landesamt mitteilte laut der Süddeutschen Zeitung. Der ADAC errechnete für den bundesweiten Durchschnitt am Sonntag einen Preis von 2,153 Euro pro Liter für Super E10 und 2,202 Euro für Diesel.
Geringere Kaufkraft und mögliche Zinsschritte der EZB
Während Energie und Kraftstoffe stark anzogen, verhalten sich andere Bereiche ruhiger. Nahrungsmittel verteuerten sich bundesweit im August im Durchschnitt lediglich um 0,1 Prozent, nachdem sie in den drei Vormonaten jeweils um 0,4 Prozent gestiegen waren. Dienstleistungen wie Versicherungen oder Reisen verteuerten sich um 2,8 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli. Die Kerninflation, die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie erfasst, lag stabil bei 2,4 Prozent.

Die sinkende Kaufkraft dämpft den privaten Konsum, der seit Monaten schwächelt. Zudem könnte nach Einschätzung des ADAC das Jahr 2026 das bislang teuerste Tankjahr überhaupt werden, und höhere Transportkosten bergen die Gefahr weiterer Preissteigerungen bei Lebensmitteln, die zudem durch Hitze und Trockenheit belastet werden. Angesichts der Teuerung in großen Euro-Ländern wie Frankreich und Spanien, die über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank liegt, wird eine Zinserhöhung der EZB bei der nächsten Sitzung im September von 2,25 auf 2,50 Prozent wahrscheinlicher.
Auch interessant