Der Nasdaq 100 verliert am Dienstag laut Berechnungen von Reuters über eine Billion Dollar an Börsenwert und startet mit einem Minus von rund 3 Prozent in den Handel. Auslöser ist ein massiver Ausverkauf von KI-Aktien sowie neue Sorgen über Zinserhöhungen der US-Notenbank, während eine geopolitische Entspannung zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise drückt.
Billionen-Verlust am Nasdaq: KI-Sektor unter Druck
Photo: Nau
Die Tech-Euphorie erfährt derzeit eine heftige Korrektur. Wie FOCUS online berichtet, verlieren Schwergewichte wie Alphabet, Amazon, Nvidia, Apple und Tesla massiv an Wert. Besonders hart trifft es die Halbleiterbranche: Intel, AMD, Micron, SanDisk und Western Digital notieren vorbörslich deutlich im Minus.
Der Auslöser für die Panik liegt in Asien. Der südkoreanische Kospi stürzte um fast zehn Prozent ab, wobei Samsung Electronics um 12,5 Prozent und der Chip-Riese SK Hynix um fast 13 Prozent einbrachen. Lokale Medien berichten, dass Hynix die Expansion seiner KI-Speicherchips verlangsamt.
Ein besonders deutliches Warnsignal sendet SpaceX. Das Unternehmen verlor innerhalb von drei Handelstagen mehr als 600 Milliarden Dollar an Börsenwert. Sollten die Verluste anhalten, sinkt die Bewertung von SpaceX erstmals seit dem Börsengang wieder unter die Marke von zwei Billionen Dollar.
Die Marktstimmung ist extrem nervös. Für den gesamten Sektor werden nun die am Mittwoch anstehenden Quartalszahlen von Micron als entscheidend angesehen. Da die Aktie in den letzten sechs Monaten um über 300 Prozent gestiegen ist, könnten enttäuschende Daten die Abverkäufe verschärfen.
Zinsangst 2026: Bank of America prognostiziert neue Erhöhungen
Photo: FOCUS online
Neben den fundamentalen Zweifeln an der KI-Nachfrage belastet eine Trendwende bei den Zinsdessus die Wachstumswerte. Die Bank of America erwartet für das Jahr 2026 drei Zinserhöhungen der US-Notenbank, die sich in der Summe auf 0,75 Prozentpunkte belaufen. Auch die Deutsche Bank rechnet laut Reuters mit weiteren Erhöhungen.
Steigende Zinsen mindern den heutigen Barwert künftiger Gewinne, was insbesondere teure Hoffnungstitel im Tech-Bereich unter Druck setzt. Nau weist in diesem Zusammenhang auf die erhöhte Volatilität und die Sorgen über kreditfinanzierte KI-Investitionen hin.
Die psychologische Komponente verstärkt den Abwärtstrend. In turbulenten Phasen führen Verlustangst und emotionale Reaktionen oft zu vorschnellen Verkäufen, was die rationalen Bewertungen in den Hintergrund rückt.
US-Iran-Deal: Sanktionspause und die Straße von Hormus
‼️RTV AKTUELL vom Dienstag dem 23. Juni 2026
Während die Tech-Märkte einbrechen, gibt es diplomatische Bewegung im Nahen Osten. Die USA und der Iran haben sich auf eine Kommunikationslinie geeinigt, um den Transit durch die strategisch wichtige Straße von Hormus zu sichern.
Wie MarketScreener Schweiz berichtet, wurden vier Arbeitsgruppen eingerichtet. Diese befassen sich mit:
Der Aufhebung von Sanktionen
Dem Nuklearprogramm
Dem Wiederaufbau und der wirtschaftlichen Entwicklung des Iran
Einer Follow-up-Gruppe zur Überwachung der Fortschritte
Donald Trump erklärte am Dienstag via Truth Social, dass der Iran der Rückkehr von Nuklearinspektoren vollumfänglich zugestimmt habe. Dennoch bleibt die Kernfrage strittig. Joseph V. Amato von Neuberger Berman weist darauf hin, dass der Iran laut der Internationalen Atomenergie-Organisation noch rund 440 kg hoch angereichertes Uran besitze – ein Bestand, der etwa das Dreißigfache dessen beträgt, was im Abkommen von 2015 erlaubt war.
Trotz der Annäherung betont der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf, dass die Bedingungen in der Straße von Hormus nicht auf das Vorkriegsniveau zurückkehren werden und die Route weiterhin vom Iran verwaltet werde.
Ölpreis-Rutsch und Rüstungsaufträge
Die geopolitische Entspannung wirkt sich unmittelbar auf die Rohstoffmärkte aus. Die USA haben ihre Sanktionen gegen iranisches Öl im Rahmen eines Memorandum of Understanding bis zum 21. August ausgesetzt. Das US-Finanzministerium erlaubt damit vorübergehend alle Transaktionen im Zusammenhang mit der Produktion und dem Transport von Kohlenwasserstoffen iranischen Ursprungs.
Infolgedessen fallen die Ölpreise unter die 80-Dollar-Marke. Laut Daten von Cash stellt sich die Lage wie folgt dar:
Rohstoff
Preis
Veränderung
Brent
77,28 USD
-1,11 %
WTI
73,31 USD
-0,93 %
Parallel dazu reist US-Außenminister Marco Rubio von Dienstag bis Donnerstag in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Kuwait und nach Bahrain, um den Krieg im Nahen Osten endgültig zu beenden. Die Logistik in der Region zeigt bereits erste Anzeichen einer Normalisierung: Laut der Plattform Kpler passierten gestern 36 Rohstoffschiffe die Straße von Hormus, ein Rekordwert seit Beginn des Nahost-Konflikts.
Im Rüstungssektor gibt es positive Nachrichten für Northrop Grumman. Das Unternehmen sicherte sich einen fünfjährigen Vertrag der US-Armee zur Produktion der 120-mm-Granate M1147 Advanced Multi-Purpose (AMP) für die Kampfpanzer M1 Abrams.
David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.
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