Bis spätestens 2030 soll am Wiener Hauptbahnhof ein Denkmal zur Erinnerung an die Generation der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter entstehen. Finanziert wird das auf 150.000 bis 250.000 Euro veranschlagte Projekt maßgeblich durch Spenden als lebendiger Ort der Begegnung im öffentlichen Raum.
Zehntausende Arbeitskräfte aus dem damaligen Jugoslawien kamen ab den 1960er-Jahren nach Wien. Weitere Arbeitskräfte aus der Türkei kamen hinzu, um Straßen zu bauen, Schienen zu verlegen und in Fabriken oder im Gesundheitswesen zu arbeiten.
Die Stadt Wien, die Volkshilfe Wien und der Wiener Arbeitnehmer*Innen Förderungsfonds (waff) konkretisieren zum 60. Jahrestag des ersten Anwerbeabkommens die Pläne für eine dauerhafte Erinnerungsstätte, wie ORF berichtete.
Standort am Bahnhof und wissenschaftliche Begleitung
Das Denkmal ist in der Nähe des Wiener Hauptbahnhofs geplant. Dieser befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Südbahnhofs und damit an jenem historischen Ankunftsort, an dem viele der damaligen Arbeitskräfte ankamen.
Die Kulturabteilung der Stadt (MA 7) übernimmt laut Heute die Finanzierung des anstehenden Wettbewerbsverfahrens.

Die tatsächliche Errichtung soll über Spenden und Kooperationen mit der Zivilgesellschaft, den Sozialpartnern sowie Unternehmen realisiert werden. Die Stadt stellt maximal 30.000 Euro für die wissenschaftliche Erforschung der Migrationsgeschichte bereit.
In Favoriten entsteht zudem ein Bildungsraum. Dieser wird von der Volkshilfe Wien betrieben.
Es wird einen Bildungsraum geben, der von der Volkshilfe Wien betrieben wird
, erklärte Tanja Wehsely, Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien, laut dem Bericht von ORF. Wo man sich mit den Inhalten der österreichischen Migrationsgeschichte auseinandersetzen kann
.
Dialog im öffentlichen Raum und Kunst
Savo Ristić und Senol Grasl-Akkilic von VHW Community Work initiierten das Projekt und betonen den Wunsch nach einem Dialog im öffentlichen Raum. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hob bei einem Hintergrundgespräch hervor, wie stark die Zuwanderung die österreichische Metropole geprägt hat.

Wer die Geschichte Wiens erzählt, muss auch jene Menschen sichtbar machen, die über Jahrzehnte hinweg zu ihrer Entwicklung beigetragen haben, ohne dass ihre Erfahrungen immer die entsprechende Anerkennung gefunden haben.
Veronica Kaup-Hasler, Kulturstadträtin
Die Organisation Kunst im öffentlichen Raum (KÖR) wickelt den künstlerischen Wettbewerb zur genauen Gestaltung des Denkmals ab. Die Fertigstellung ist spätestens bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode im Jahr 2030 vorgesehen, wie Heute und ORF übereinstimmend berichten.
Parallelen zum heutigen Arbeitsmarkt
Vertreter der Stadt verwiesen bei der Vorstellung des Projekts auf Parallelen zur heutigen Situation. waff-Geschäftsführer Marko Miloradović wies darauf hin, dass in den 1960er-Jahren angesichts geburtenstarker Jahrgänge ebenfalls Arbeitskräfte fehlten.
Heute weisen nach Angaben des waff rund die Hälfte aller mehr als 946.000 Beschäftigten in Wien einen Migrationshintergrund auf, wie Heute berichtete.
SPÖ-Klubvorsitzender Josef Taucher und Integrationssprecherin Şafak Akçay äußerten sich in einer Aussendung über OTS zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Die Menschen, die damals nach Wien gekommen sind, waren niemals nur Arbeitskräfte
, erklärte Akçay.