Über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Demenz. Zwei Neurologen erklären, welche Rolle Gehirngesundheit, Präventivmedizin und der Lebensstil spielen, ab wann Vergesslichkeit ärztlich abgeklärt werden sollte und wie sich das Risiko weltweit unterscheidet.
Gehirngesundheit prägt die moderne Medizin
Der Begriff Brain Health, auf Deutsch Gehirngesundheit, ist als Teil der Longevity-Medizin entstanden. Im Zentrum stehen dabei neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, vor denen viele Menschen im Alter Angst haben. In der Präventivmedizin rückt das Gehirn zunehmend in den Vordergrund, während der Fokus früher vor allem auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskelerkrankungen oder Orthopädie lag. Durch die intensivere Erforschung des Magen-Darm-Trakts und der sogenannten Gut-Brain-Achse hat sich dieser Schwerpunkt nochmals verstärkt.
Ziel der modernen Medizin ist es, die Häufigkeit solcher Erkrankungen zu verringern, ihren Ausbruch möglichst zu verhindern und sie zu bekämpfen. Georg Haber befassen sich intensiv mit diesen neurologischen und neurodegenerative Krankheitsbildern laut den Angaben des medizinischen Netzwerks. Dr. Georg Haber ist als Facharzt für Neurologie und Spezielle Schmerztherapie in Bad Wiessee tätig, während Prof. Dr. Stefan Lorenzl im Krankenhaus Agatharied in Hausham praktiziert. Im Interview erklären sie, was heute unter Brain Health verstanden wird, welche Faktoren für die Demenzprävention wichtig sein können und was sie selbst tun, um ihr Gehirn möglichst lange gesund zu halten. Bewegung, Schlaf, Stoffwechsel und soziale Kontakte gehören zu den Faktoren, die dabei eine Rolle spielen können.
Alzheimer-Fallzahlen steigen weltweit unterschiedlich stark an
In Deutschland sind gegenwärtig mehr als 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen, wobei die Mehrheit an Alzheimer erkrankt ist. Prognosen gehen von weiter steigenden Fallzahlen aus. Als wesentlicher Treiber gilt die alternde Bevölkerung. Dank besserer medizinischer Versorgung und steigender Lebenserwartung erreichen mehr Menschen ein höheres Alter, wodurch die senile Form der Alzheimer-Erkrankung jenseits des 65. Lebensjahres statistisch häufiger auftritt.
Dennoch zeigen sich bei den weltweiten Entwicklungen deutliche Kontraste. Während in Europa eine Verlangsamung oder Abflachung dieses Trends zu beobachten ist – was auf ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein bei Ernährung, Bewegung und Sport zurückgeführt wird – sieht die Situation andernorts anders aus. In asiatischen Staaten steigt das Demenzrisiko durch den zunehmenden Konsum ungesunder Nahrungsmittel und Bewegungsmangel nach Angaben der beteiligten Neurologen deutlich an.
Vergesslichkeit vom Alltag abgrenzen und untersuchen lassen
Dass im Alltag ein Name entfällt oder ein Termin in Vergessenheit gerät, ist ein normales Phänomen. Den Abgrenzungspunkt zu einer ernsthaften Erkrankung markieren jedoch die alltäglichen Verrichtungen. Im Endeffekt geht es um Alltagstätigkeiten, die man normalerweise durchführt. Treten bei routinierten Handlungen im beruflichen oder privaten Umfeld Probleme auf oder weist das soziale Umfeld wiederholt darauf hin, sollte ärztlicher Rat gesucht werden.
Oft schieben Betroffene Konzentrationsprobleme oder Gedächtnislücken zunächst auf psychischen Stress. Wenn jedoch Angehörige oder Kollegen nachfragen, ob alles in Ordnung sei, stellt dies einen konkreten Zeitpunkt für eine medizinische Vorstellung dar. In einer Demenzsprechstunde lassen sich ambulante Vor- und Screening-Untersuchungen durchführen. Mithilfe neurologischer Untersuchungen, kleiner Gedächtnistests und gezielter Aufgaben können Mediziner zuverlässig feststellen, ob eine Depression, eine Demenzerkrankung wie Alzheimer, eine andere neurologische Störung wie Parkinson oder eine gänzlich andere Ursache vorliegt. Prof. Dr. Stefan Lorenzl ist zudem spezialisiert auf Akute und chronische Schmerzerkrankungen, Bewegungsstörungen, Demenzen, Epilepsie, Motoneuronenerkrankungen, Muskelerkrankungen, Neuroimmunologische Erkrankungen, Neurovaskuläre Erkrankungen und Polyneuropathien.
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