Der deutsche Leitindex geht nach starker Vormendynamik in den traditionell schwachen Börsenmonat September. Rückenwind lieferte zuletzt US-Notenbankchef Kevin Warsh mit einer Rede in Jackson Hole, die an den Märkten als glaubwürdig eingestuft wurde, wie Experten des Analysehauses Capital Economics anmerkten. Anleger hatten zuletzt eine Zinserhöhung der Fed im Dezember eingepreist, manche Börsianer glauben aber auch an steigende Zinsen bereits im September. Nach der Rede von Fed-Chef Warsh richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf den am kommenden Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht. Anlagestratege Mark Dowding von RBC BlueBay Asset Management sieht kaum Anzeichen für eine Abschwächung des Jobmarkts und rechnet daher nach den überraschend schwachen Juli-Daten nicht mit erneut schlechteren Zahlen für August. Neben der Inflation hat die Fed auch die Entwicklung des Arbeitsmarkts genau im Blick; am Mittwoch wird sie mit dem „Beige Book“ ihren aktuellen Konjunkturbericht vorlegen, und außerdem steht im Wochenverlauf der Einkaufsmanagerindex ISM für Industrie und Dienstleister an.
Geldpolitik im Euroraum und Zinserwartungen der EZB
Im Euroraum gilt eine Zinserhöhung im September bereits als weitgehend sicher. Frische Verbraucherpreisdaten könnten das am Dienstag untermuntern, am Donnerstag folgen die Erzeugerpreise. Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, rechnet mit einer Inflationsrate von drei Prozent ohne Anzeichen einer Entspannung. Vor diesem Hintergrund erwartet Greil, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im kommenden Monat zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen anheben wird.
Konjunkturoptimismus und Tech-Euphorie an den Märkten
Bei den Unternehmen flachte die von Nvidia US67066G1040 neu entfachte Euphorie rund um Künstliche Intelligenz (KI) schon am Freitag wieder etwas ab. KI-Profiteur Broadcom US11135F1012 könnte die Stimmung mit Quartalszahlen am Mittwoch jedoch abermals verändern. Aus Sicht der Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) blieb die Tech-Euphorie in Europa allerdings gedämpft und erfasste nicht die Breite der Anleger.
„Das signalisiert, dass die KI-Story zwar die US-Technologiebörsen trägt, aber nicht ausreicht, um die Belastungen durch geopolitische Risiken, Handelskonflikte sowie Konjunktur- und Inflationssorgen am europäischen Markt zu decken.“
Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
Insgesamt haben sich die Perspektiven für den deutschen Aktienmarkt aufgehoben, schrieb Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg & Co.
„Trotz anhaltender struktureller Probleme sprechen die robuste Gewinnentwicklung der Unternehmen, bessere Konjunkturdaten und positive Frühindikatoren für weiteres Potenzial.“
Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg & Co
Dazu passt, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex jüngst stark ausfiel.
Geopolitische Risiken und Entlastung am Ölmarkt
So schwebt der Iran-Krieg weiterhin wie ein Damoklesschwert über den Anlegern. Immerhin sind die Ölpreise zuletzt weiter gesunken, und nehmen damit zumindest ein wenig Inflationsdruck aus dem Kessel
, kommentierte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. Die Gespräche zwischen Iran und Oman machten Hoffnung auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Unterdessen sicherten sich die USA nach Angaben von Präsident Donald Trump am Wochenende riesige Ölvorkommen in Venezuela. Damit brächten die USA mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven unter ihre Kontrolle, teilte Trump auf der Plattform Truth Social mit, was rund einem Fünftel der Vorkommen entspricht, die sich Schätzungen zufolge in Venezuela befinden.
Politische Lage vor den Landtagswahlen
Inmitten von steigendem Konjunkturoptimismus, höheren Staatsausgaben und bedeutsamen Reformen verwiesen die Experten der Schweizer Großbank UBS aber auch auf die fragile politische Situation
vor den anstehenden Landtagswahlen unter anderem in Sachsen-Anhalt, wo die AfD antritt.
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