Eine vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) beteiligte Analyse zeigt, dass der SGLT2-Hemmer Dapagliflozin das Risiko für Krankenhauseinweisungen wegen Herzschwäche bei Trägern bestimmter Kardiomyopathie-Gene um 82 Prozent senkt. Die in Nature Medicine veröffentlichte Auswertung der DECLARE-TIMI 58-Studie belegt einen signifikant höheren Nutzen für genetisch Vorbelastete im Vergleich zu Nichtträgern.
Die genetische Komponente: 82 Prozent Risikoreduktion bei Kardiomyopathie-Trägern
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Die Auswertung klinischer Daten offenbart eine massive Diskrepanz im therapeutischen Nutzen von Dapagliflozin, je nachdem, welches genetische Profil ein Patient aufweist. Forscher analysierten die Exom-Sequenzierungsdaten von 12.685 Teilnehmenden der DECLARE-TIMI 58-Studie, um den Einfluss spezifischer Genvarianten auf den Erfolg der Therapie zu bestimmen.
Dabei identifizierten die Wissenschaftler 121 Personen, die krankheitsverursachende genetische Varianten für Kardiomyopathien trugen. Die Ergebnisse zeigen, dass Dapagliflozin bei dieser Hochrisikogruppe das Risiko für eine herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierung um 82 Prozent senkte. Im Vergleich dazu betrug die Risikoreduktion bei Patienten ohne diese genetische Veranlagung 30 Prozent.
Besonders deutlich wird der Effekt bei der Betrachtung der absoluten Raten. In der Placebo-Gruppe mussten innerhalb von gut vier Jahren 16 Prozent der Genträger stationär behandelt werden, während es bei den Nichtträgern lediglich 3,5 Prozent waren. Das Grundrisiko war bei genetischer Vorbelastung somit mehr als achtfach erhöht. Unter der Behandlung mit Dapagliflozin sank die Rate der Einweisungen bei den Genträgern auf 3,1 Prozent und glich sich damit nahezu dem Niveau der Kontrollgruppe an.
Präventionsstrategien für asymptomatische Patienten
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Ein zentraler Aspekt der Studie ist die Wirkung des Medikaments, bevor klinische Symptome einer Herzschwäche überhaupt auftreten. 82 Prozent der identifizierten Genträger wiesen zu Beginn der Beobachtungszeit noch keine Anzeichen einer Herzinsuffizienz auf. In dieser spezifischen, asymptomatischen Untergruppe traten unter der Gabe von Dapagliflozin im gesamten Beobachtungszeitraum überhaupt keine Krankenhauseinweisungen auf.
Genetische Untersuchungen werden zunehmend eingesetzt, um Menschen mit einem erhöhten Risiko für Herzmuskelerkrankungen zu identifizieren. Bisher war allerdings oft unklar, welche konkreten therapeutischen Konsequenzen daraus ergeben. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass genetische Informationen künftig helfen könnten, Personen zu identifizieren, die besonders von einer frühen vorbeugenden Behandlung profitieren.Dr. Shinwan Kany, Universitäres Herz- und Gefäßzentrum Hamburg und DZHK
Dieser Befund verschiebt die therapeutische Logik: Anstatt bei symptomfreien Patienten abzuwarten, könnten Gentests den Weg für eine proaktive Behandlung ebnen, um dauerhafte Schäden am Herzmuskel zu verhindern oder hinauszuzögern.
Vergleich der SGLT2-Hemmer: Dapagliflozin, Empagliflozin und Canagliflozin
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Während die DZHK-Studie die genetische Präzision betont, untersuchten Forscher des Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School die relative Wirksamkeit verschiedener SGLT2-Inhibitoren. Laut einer in JAMA Intern Med 2025 veröffentlichten Analyse, die Biermann Medizin detailliert beschreibt, ist die kardiovaskuläre Wirksamkeit bei klinisch wirksamen Dosen insgesamt vergleichbar.
Es gibt jedoch wichtige Nuancen bei der Dosierung und den Nebenwirkungen. Die Daten aus US-Abrechnungsdatenbanken (August 2014 bis Juni 2020) zeigen:
Herzinsuffizienz-Risiko: Dapagliflozin-Initiatoren hatten ein höheres Risiko für eine Hospitalisierung (HR 1,19), insbesondere bei einer niedrigen Dosierung von 5 mg (HR 1,30), verglichen mit Empagliflozin.
Infektionsrisiken: Dapagliflozin-Patienten wiesen ein geringeres Risiko für Genitalinfektionen (HR 0,92) und diabetische Ketoazidose (HR 0,78) auf als Patienten unter Empagliflozin.
Canagliflozin-Profil: Diese Gruppe zeigte ein geringeres Risiko für Genitalinfektionen, aber ein höheres Risiko für schwere Harnwegsinfektionen (HR 1,13).
Die Autoren folgern daraus, dass für Patienten mit einem hohen Risiko für Herzinsuffizienz die Dosierungen gewählt werden müssen, die spezifisch für kardiovaskuläre Effekte empfohlen werden.
Erweiterte therapeutische Horizonte in der Kardiologie und Diabetologie
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Die Entdeckung des genetischen Nutzens von Dapagliflozin ist Teil eines breiteren Trends zur Präzisionsmedizin. SGLT2-Hemmer entwickeln sich zu Multitalenten der Präventivmedizin. Aktuelle Daten, die AD HOC NEWS berichtet, deuten darauf hin, dass SGLT2-Inhibitoren das Demenzrisiko bei Typ-2-Diabetes um etwa 43 Prozent reduzieren könnten.
Parallel dazu gibt es Fortschritte bei anderen Wirkstoffklassen und Diagnoseverfahren:
Bereich
Neuerung / Wirkstoff
Effekt / Status
Bluthochdruck
Baxdrostat
Zugelassen in den USA; senkt resistenten Blutdruck signifikant.
Gewichtsmanagement
Petrelintide
Phase-2-Studie ZUPREME-1: Gewichtsverlust bis zu 10,7 % nach 42 Wochen.
Früherkennung
Fr1da-Studie
Screening auf Typ-1-Diabetes-Antikörper für Kinder (2-10 J.) in Berlin/Brandenburg seit Mai 2026.
Monitoring
Libre Duo
Simultane Erfassung von Glukose- und Ketonwerten.
Auch die genetische Variabilität beeinflusst andere Medikamente. So reduzieren genetische Varianten des Enzyms PAM bei etwa jedem zehnten Menschen die Wirkung von Semaglutid, was das Erreichen der Blutzuckerziele erschwert.
Die Kombination aus hochpräziser Bildgebung – wie dem Herz-CT, das nun in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wurde – und genetischen Profilen ermöglicht eine Therapie, die nicht mehr auf dem Durchschnittspatienten, sondern auf der individuellen DNA basiert. Für Träger von Kardiomyopathie-Genen bedeutet dies eine Chance, eine schwere Herzschwäche zu verhindern, bevor sie überhaupt diagnostizierbar wäre.
Hinweis: Diese Informationen dienen der medizinischen Berichterstattung und ersetzen keine ärztliche Diagnose. Bitte konsultieren Sie Ihren behandelnden Arzt oder Gesundheitsdienstleister für individuelle Therapieentscheidungen.
Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.
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