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Unterhaltung

Comic-Oscar“ in Erlangen: Erstmals Hamburgerin in der Jury

Catherine Bazabas ist erstmals als Hamburgerin Mitglied der Jury des Max-und-Moritz-Preises, der diesen Freitag im Rahmen des 22. Internationalen Comic-Salons in Erlangen verliehen wird. Die Betreiberin des Hamburger Comicladens „Petit Kami“ tritt damit die Nachfolge des Journalisten Andreas C. Knigge an und markiert eine geografische Erweiterung der prestigeträchtigsten deutschen Comic-Auszeichnung.

Catherine Bazabas und der Einzug Hamburgs in die Jury

Die Besetzung der Jury des Max-und-Moritz-Preises, der in Fachkreisen oft als der Comic-Oscar bezeichnet wird, gilt als eine der einflussreichsten Weichenstellungen der deutschen Szene. Dass nun erstmals eine Hamburgerin in diesem Gremium sitzt, ist mehr als eine bloße geografische Randnotiz. Wie NDR berichtet, folgt Catherine Bazabas auf Andreas C. Knigge, einen der bedeutendsten deutschen Comic-Journalisten. Dieser Wechsel signalisiert eine Öffnung der Jury gegenüber Akteuren, die direkt an der Schnittstelle zwischen Handel und Community agieren.

Catherine Bazabas und der Einzug Hamburgs in die Jury
cluster (priority): Fränkischer Tag
Catherine Bazabas und der Einzug Hamburgs in die Jury
cluster (priority): BR

Bazabas bringt eine internationale Perspektive mit. Geboren und aufgewachsen in Cherbourg an der Normandie-Küste, mit Eltern aus Martinique, verbindet sie eine tiefe Naturleidenschaft mit der Liebe zum sequenziellen Erzählen. Bevor sie in die Welt der Comics eintauchte, führte sie ein Biologiestudium durch, das sie erst nach Süddeutschland und schließlich nach Hamburg brachte.

Seit August 2024 betreibt Bazabas in Hamburg-Ottensen den Comicladen „Petit Kami“, was übersetzt etwa Kleine Gottheiten bedeutet. Der Laden ist strategisch zwischen einem Gemüseladen und einem Supermarkt platziert und fungiert weniger als klassisches Geschäft, sondern vielmehr als ein „Salon“. Mit einem Sofa in der Ecke und einem Schaufenster, das wie eine Comicseite gestaltet ist, schafft sie einen Raum, der die Hemmschwelle für neue Leser senken soll.

Der Internationale Comic-Salon und die Ankunft von Walter Moers

Das Zentrum des Geschehens ist dieser Freitag in Erlangen. Der 22. Internationale Comic-Salon ist das bedeutendste Treffen der deutschen Szene und dient als Plattform für die Vergabe des Max-und-Moritz-Preises. Die Veranstaltung zieht nicht nur Fachleute, sondern auch globale Bestsellerautoren an.

Der Internationale Comic-Salon und die Ankunft von Walter Moers
cluster (priority): FAZ

Ein besonderes Highlight ist laut dem Fränkischen Tag die angekündigte Teilnahme von Walter Moers. Der Autor, bekannt für seine komplexen Welten und seine Vorliebe für Geheimnisse, wird traditionell verkleidet erscheinen, was die Event-Kultur des Salons unterstreicht. Die Präsenz solcher Größen neben der Fachjury zeigt die Dualität des Events: Es ist gleichzeitig ein akademisch-kritischer Ort der Würdigung und ein Popkultur-Festival.

Die Bedeutung Erlanger Salons reicht über die bloße Preisverleihung hinaus. Er ist ein Gradmesser für die aktuelle Entwicklung von Graphic Novels und Comics in Deutschland, wobei die Integration von regionalen Perspektiven – wie nun durch Bazabas aus Hamburg – die nationale Vernetzung der Szene stärkt.

Die strategische Rolle von Comics in der deutschen Leseförderung

Während in Erlangen die künstlerische Exzellenz gefeiert wird, findet auf institutioneller Ebene eine Debatte über die pädagogische Nutzung des Mediums statt. Comics werden zunehmend nicht mehr als „leichte Kost“, sondern als strategisches Werkzeug gegen die sinkende Lesekompetenz in Deutschland betrachtet.

Die strategische Rolle von Comics in der deutschen Leseförderung
cluster (priority): SWR

Die Zahlen sind alarmierend: Laut aktuellen Studien, auf die SWR verweist, erreichen rund 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht die Mindestkompetenz im Lesen. Als Reaktion darauf wird das Medium Comic immer stärker in den Unterricht integriert.

Ein konkretes Beispiel für diese Entwicklung ist das Fortbildungsprogramm des Berliner Senats für Lehrkräfte, das am 28. Mai 2026 im Rahmen des „Salon der grafischen Literatur“ präsentiert wurde. Ziel ist es, Lehrkräften die methodische Einbindung von Comics zu ermöglichen, um den Leseeinstieg zu erleichtern.

Die FAZ analysiert in diesem Zusammenhang die Reizüberflutung durch digitale Medien, welche viele Kinder vom klassischen Lesen ablenkt. Comics dienen hier als Brücke: Sie bieten einen visuellen Anker, der die Angst vor großen Textwüsten nimmt und die Chance erhöht, dass Kinder überhaupt eine Begeisterung für das Lesen entwickeln.

Zwischen Kunstpreis und Bildungstool: Die neue Relevanz

Die parallelen Entwicklungen – die Professionalisierung der Jury in Erlangen und die staatliche Förderung von Comic-Fortbildungen in Berlin – zeichnen das Bild eines Mediums im Aufstieg. Comics haben den Sprung vom Nischenprodukt im spezialisierten Laden wie dem „Petit Kami“ in die staatlichen Lehrpläne und in die höchsten Ränge der kulturellen Anerkennung geschafft.

Die Ernennung von Catherine Bazabas ist in diesem Kontext symbolträchtig. Sie repräsentiert den modernen Comic-Unternehmer: international geprägt, akademisch gebildet (Biologie) und tief in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt. Ihr Ansatz, den Comicladen als sozialen Raum und Bibliothek zu gestalten, spiegelt genau jene Niedrigschwelligkeit wider, die nun auch in den Schulen gesucht wird, um die 25 Prozent der Leseschwachen zu erreichen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Grenze zwischen „hoher Literatur“ und grafischen Erzählungen endgültig erodiert ist. Ob durch die Vergabe des Max-und-Moritz-Preises oder durch die gezielte Leseförderung in Berliner Klassenzimmern: Das Medium wird als essenzieller Bestandteil der kulturellen und bildungspolitischen Landschaft Deutschlands anerkannt.

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Sophie Krueger

Über den Autor

Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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