Nach der Halloween-Nacht ermittelt das Bundeskriminalamt in Österreich zu mehreren Funden von Metallteilen in gesammelten Süßigkeiten. Betroffen sind Oberösterreich, die Steiermark und Niederösterreich, wo Unbekannte Schokoriegel und Kaubonbons mit Nägeln, Nadeln und Büroklammern präparierten. Die Behörden raten dringend dazu, die Naschereien vor dem Verzehr zu kontrollieren.
Gefährliche Funde in Oberösterreich
In Linz-Oed machte ein 28-jähriger Vater am Tag nach Halloween eine beunruhigende Entdeckung. In Schokoriegeln und Kaubonbons, die seine Kinder gesammelt hatten, steckten etwa einen Zentimeter lange Nägel berichten die Behörden.
Teilweise waren die metallischen Fremdkörper von außen gut sichtbar hineingedrückt, teils jedoch tief im Inneren der Süßigkeiten versenkt und mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Naschereien händisch manipuliert wurden.

Das Entsetzen in der Nachbarschaft ist groß, wie ein Lokalaugenschein im Linzer Stadtteil Oed zeigt. Kimberly Pernegger, die Mutter jener Kinder, in deren Süßigkeiten die Nägel gefunden wurden, äußerte sich tief bestürzt: „Ich war sehr geschockt. Wenn mein Kind jetzt da hineingebissen hätte und es wäre etwas gewesen, hätte ich mein Leben lang Schuldgefühle gehabt. Mein Jüngster ist fünf Jahre alt, mein Ältester neun Jahre alt, und ja, natürlich habe ich Angst.“ Auch der Nachbar Dragan Vulic war in der Halloween-Nacht mit einer Gruppe von Kindern in der Nachbarschaft unterwegs und sammelte in den Hausobjekten Süßigkeiten, während vor einigen Türen Schüsseln zur freien Entnahme bereitstanden. Eine weitere Bewohnerin der Wohnanlage, Christine Sutrich, zeigte sich ebenfalls entsetzt und bezeichnete die Tat als einen Mordanschlag, der letal ausgehen kann, und äußerte Unverständnis darüber, wer Kindern so etwas antun wolle.”
Eine 40-jährige Mutter erstattete Anzeige, nachdem ihre elfjährige Tochter am Samstagabend zwischen 18:00 und 20:00 Uhr Süßigkeiten gesammelt hatte. Das Mädchen biss am Montag um die Mittagszeit in einen Schokoriegel und ein Kaubonbon, in denen sich jeweils eine dickere Nadel befunden haben soll, und erkannte den Fremdkörper noch rechtzeitig, sodass sie den Vorfall glücklicherweise unverletzt überstand.
Ausweitung auf weitere Bundesländer
Neben Oberösterreich weiteten sich die Funde auf die Steiermark und Niederösterreich aus. In der Steiermark bestätigte die Polizei vier bekannte Fälle in den Bezirken Weiz und Leibnitz, wobei zu den gefundenen metallischen Gegenständen unter anderem Büroklammern zählen sollen. Sie erstattete noch am selben Nachmittag Anzeige und appellierte an andere Eltern, die gesammelten Naschereien genau zu untersuchen, woraufhin eine weitere Nutzerin einen ähnlichen Fall in Wildon meldete. Auch aus dem niederösterreichischen Bezirk Amstetten wurden am Montagabend präparierte Naschsachen gemeldet.
Die Polizei nimmt diese Vorfälle sehr ernst. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren und werden hinsichtlich möglicher Zusammenhänge durch das Bundeskriminalamt geprüft und koordiniert.
Bundeskriminalamt (BK)
Nach aktuellem Ermittlungsstand liegen allerdings noch keine konkreten Hinweise auf einen direkten Zusammenhang zwischen den verschiedenen Anzeigen vor. Die steirische Landespolizeidirektion sowie das Bundeskriminalamt betonten, dass die Öffentlichkeit informiert werde, sobald neue, gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
Ähnliche Fälle in Deutschland
Die Häufung der Taten wirft Fragen über mögliche Nachahmungseffekte auf. Ermittler prüfen, ob soziale Netzwerke oder ähnliche Fälle in Deutschland die Taten befeuert haben könnten. Im bayerischen Landshut steckten Schrauben in Kaubonbons und Schokoriegeln, während in Regensburg eine Mutter mehrere Nähnadeln in den Süßigkeiten ihres Sohnes fand. In Schwarzenbach im Kreis Neustadt an der Waldnaab nordöstlich von Nürnberg entdeckte ein zehn Jahre altes Mädchen eine etwa vier Zentimeter lange Nadel in einem Schokoriegel und blieb unverletzt.

Der Diskonter Lidl teilte auf Anfrage der dpa zu dem Fund in Deutschland mit, den Hinweis sehr ernst zu nehmen. Ob ein Aufruf in sozialen Medien hinter den Taten in Österreich und Deutschland steckt, ist bislang völlig unklar, und das Bundeskriminalamt machte bisher keine Angaben zu weiteren Details. Die Exekutive rät Eltern und Erziehungsberechtigten eindringlich, die gesammelten Vorräte vor dem Verzehr genau zu überprüfen, insbesondere darauf zu achten, ob Verpackungen beschädigt oder manipuliert wurden, und bei verdächtigen Feststellungen sofort die Polizei zu verständigen.
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