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Buckelwal in der Ostsee liegt im Sterben

Ein Riese liegt im Schlick der Kirchsee, und die Zeit läuft ihm endgültig davon. Der Buckelwal Timmy kämpft vor der Insel Poel einen aussichtslosen Kampf gegen die Erschöpfung und seine eigenen Verletzungen. Was als Hoffnungsschimmer begann, als Helfer ihn im März noch aus einer Sandbank befreien konnten, ist in ein trauriges Schauspiel übergegangen. Jetzt beobachten Experten nur noch das langsame Verlöschen eines Tieres, während im Hintergrund ein heftiger Streit darüber tobt, ob man ihm in seinen letzten Stunden hätte mehr Hilfe bieten können.

Das langsame Verlöschen eines Meeresriesen

Die Lage in der Wismarbucht ist kritisch. Timmy treibt nahezu reglos im flachen Wasser, seine Bewegungen sind minimal. Ein besonders düsteres Signal senden die Atemzüge des Wals: Innerhalb von nur 24 Stunden verlängerten sich die Abstände zwischen den Atemzügen von vier auf fünf Minuten. Fachleute wissen, dass dies ein deutliches Zeichen für den Sterbeprozess ist. Wenn ein Wal eine Stunde lang nicht mehr auftaucht, ist das Ende meist gekommen.

Die Reaktionen auf menschliche Annäherung sind inzwischen quasi null. Das Tier reagiert nicht mehr auf Boote. Für die beteiligten Experten ist dies das Worst-Case-Szenario. Dennoch gibt es kleine, speedy schon grausame Hoffnungsschimmer. Das Schweriner Umweltministerium meldete am 10. April, dass Timmy eine weitere Nacht überlebt hat und sogar leichte Aktivitäten zeigte. Doch diese Lebenszeichen ändern nichts an der grundlegenden Entscheidung: Eine Rettung ist nicht mehr möglich.

Timmys Dimensionen Der gestrandete Buckelwal misst 12,35 Meter in der Länge, 3,20 Meter in der Breite und hat eine Höhe von 1,60 Metern.

Das Geisternetz: Hoffnung oder unnötiges Leid?

Inmitten dieser Tragödie entbrennt ein fachlicher Konflikt. Der Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann sieht ein Detail, das ihn extrem stört: ein Fischernetz im Maul des Wals. Lehmann drängte vehement darauf, dieses Geisternetz zu entfernen. Er kritisiert die bisherigen Rettungsbemühungen scharf und beklagt, dass die Verantwortlichen ihn von den entscheidenden Gesprächen ausgeschlossen hätten.

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Die Behörden und andere Experten sehen das anders. Minister Till Backhaus (SPD) entschied auf Basis eines wissenschaftlichen Gutachtens, den Wal in Ruhe sterben zu lassen. Auch das International Whaling Commission Strandings Expert Panel (IWC SEP) unterstützt diesen Schritt. Ihr Argument ist ebenso simpel wie schmerzhaft: Jeder weitere Rettungsversuch würde dem ohnehin geschwächten Tier nur noch mehr Leid zufügen. Lehmann schätzt die Überlebenschancen mittlerweile im Promillebereich ein, fordert aber dennoch, bei der späteren Obduktion anwesend zu sein, um die Rolle des Netzes endgültig zu klären.

Eine Odyssee durch die Ostsee

Timmys Weg in die Ostsee war von Anfang an ein Irrweg. Beobachter sichteten ihn erstmals am 3. März im Hafen von Wismar, wo er sich in einem Netz verfangen hatte. Zunächst identifizierten ihn Helfer fälschlicherweise als Finnwal. Experten von Sea Shepherd vermuten, dass Timmy einem Heringsschwarm folgte und so in die Lübecker Bucht gelangte. Eine Theorie besagt, dass Sonneneruptionen seinen Orientierungssinn, der auf Magnetfeldern basiert, gestört haben könnten.

Sein Weg war geprägt von einem ständigen Wechsel aus Hoffnung und Verzweiflung. Am 23. März strandete er zunächst vor Timmendorfer Strand. Dort schafften es Helfer mit Baggern, eine Rinne auszuheben, die es dem Wal ermöglichte, am 27. März wieder tieferes Wasser zu erreichen. Es war ein kurzer Triumph, bevor Timmy am 31. März erneut strandete – diesmal in der Kirchsee vor Poel, wo er nun seinen letzten Ruheplatz gefunden hat.

Strenge Regeln für die letzten Stunden

Um den sterbenden Wal vor unnötigem Stress zu schützen, hat die Regierung harte Maßnahmen ergriffen. Minister Backhaus richtete eine polizeilich bewachte Sperrzone ein. Drohnenüberflüge sind streng verboten. Die Behörden verfolgen Verstöße konsequent, da jeder Störfaktor den Sterbeprozess quälend verlängern oder das Tier unnötig stressen könnte.

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Sobald der Tod eintritt, beginnt die nächste Phase. Ein Vermessungsboot erkundet bereits das Gewässer, um die Bergung vorzubereiten. Experten werden den Kadaver anschließend im Deutschen Meeresmuseum in Stralsund obduzieren. Nur dort wird sich zeigen, ob das Netz im Maul tatsächlich die Ursache für das Drama war oder ob andere Faktoren den Riesen in die tödliche Falle der Ostsee lockten.

Wie ist der aktuelle Zustand von Timmy?

Der Wal befindet sich im Sterbeprozess. Er atmet noch, allerdings haben sich die Atemintervalle auf fünf Minuten verlängert. Er zeigt kaum noch Bewegungen und reagiert nicht mehr auf Boote.

Warum heißt der Wal überhaupt „Timmy“?

Der Name entstand aufgrund seiner ersten Strandung nahe Timmendorfer Strand. Die Bild-Zeitung und Hape Kerkeling (durch seine Figur Horst Schlämmer) etablierten den Namen in der öffentlichen Wahrnehmung.

Welche Folgen hat der Tod des Wals für die Forschung?

Der Kadaver wird im Deutschen Meeresmuseum in Stralsund obduziert. Diese Untersuchung soll klären, ob Geisternetze oder Umweltphänomene wie Sonneneruptionen für die Strandung verantwortlich waren, was wichtige Erkenntnisse für den Meeresschutz liefern könnte.

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Johann Falk

Über den Autor

Johann Falk ist Chief Editor von Germanic Nachrichten und verantwortet die redaktionelle Linie, Themenauswahl und finale Qualitaetssicherung der Veroeffentlichung. Sein Schwerpunkt liegt auf klarer, verifizierter und schnell einordenbarer Berichterstattung fuer ein deutschsprachiges Publikum.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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