Eine im Fachmagazin The BMJ veröffentlichte Untersuchung stellt den Nutzen von Calcium- und Vitamin-D-Präparaten zur Vorbeugung von Knochenbrüchen und Stürzen infrage. Ein kanadisches Forschungsteam hat dafür 69 kontrollierte Studien mit insgesamt rund 154.000 Erwachsenen ausgewertet.
Neue BMJ-Analyse bezweifelt Schutzwirkung von Calcium und Vitamin D
Das Fazit der Forschenden: Die Präparate bieten insgesamt wenig bis keinen klinisch bedeutsamen Nutzen bei der Prävention. Die Analyse stellt damit die routinemäßige Einnahme zur Vorsorge infrage. Stürze stellen weltweit ein großes gesundheitliches Problem dar, wobei fast jeder dritte Mensch ab 65 Jahren jährlich stürzt und solche Vorfälle häufig zu Brüchen, Schmerzen und verringerter Unabhängigkeit führen.
Ergebnisse der Untersuchung im Detail
Für die Analyse werteten die Forschenden Daten aus 69 randomisierten kontrollierten Studien mit 153,902 Erwachsenen aus. Dabei wurde die Einnahme von Calcium, Vitamin D oder einer Kombination aus beiden mit einem Placebo oder keiner Behandlung verglichen.
Nach Angaben der Forschenden ergab sich bei einzelnen Supplementen kein nennenswerter Effekt. Konkret zeigte sich:
- Keine nennenswerte Reduktion des Gesamtrisikos für Brüche durch Calcium-Präparate, gestützt auf moderate Evidenz aus 11 Studien mit 9.067 Teilnehmern.
- Kein wesentlicher Nutzen durch Vitamin-D-Präparate, belegt durch hohe Evidenz aus 36 Studien mit 92.045 Teilnehmern.
- Kein signifikanter Gesamtschutz bei kombinierter Einnahme, basierend auf hoher Evidenz aus 15 Studien mit 51.126 Teilnehmern.
Auch bei der Vorbeugung spezifischer Brüche wie Hüftfrakturen oder der Vermeidung von Stürzen zeigte sich den Angaben zufolge wenig bis kein klinisch relevanter Nutzen. Die Forschenden betonen jedoch, dass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Personen mit bestimmten Knochenerkrankungen oder auf Patienten in osteologischer Behandlung übertragbar sind.
Statistischer Vorteil bei Hüftfrakturen und Expertenkritik
Bei der Kombination von Calcium und Vitamin D stellte das Forschungsteam einen statistisch nachweisbaren Vorteil fest: Das relative Risiko für Hüftfrakturen war um 16 Prozent geringer. In absoluten Zahlen fiel dieser Unterschied laut Aponet jedoch mit rund drei vermiedenen Hüftfrakturen je 1.000 behandelte Personen über die Beobachtungszeiträume klein aus.

Die Forschenden bewerteten diesen Effekt als gering und gaben an, dass der Vorteil stark von einer einzelnen Studie mit besonders gefährdeten älteren Frauen abhing. Dennoch stößt die Interpretation auf Widerspruch. Die Osteoporose-Expertin Dr. Friederike Thomasius verweist darauf, dass die aktuelle Osteoporose-Leitlinie eine Kombination aus Calcium und Vitamin D empfiehlt, sofern eine Supplementierung erforderlich ist. Effekte in dieser Höhe könnten auf Bevölkerungsebene viele Brüche verhindern.
Empfehlungen für die Zukunft
Die Autoren der Studie fordern, dass Leitliniengremien und Regulierungsbehörden ihre allgemeinen Empfehlungen zur Einnahme überdenken. In einem begleitenden Leitartikel wird angeregt, Ressourcen vermehrt auf bewährte Strategien zur Sturzvorbeugung zu lenken, wie etwa Gleichgewichtstraining, Kraftübungen sowie individuelle Sturzvermeidungsprogramme.

Für starke Knochen empfiehlt Expertin Thomasius unter anderem folgende Maßnahmen:
- Eine calciumreiche Ernährung mit Milchprodukten, grünem Blattgemüse oder calciumreichem Mineralwasser
- Regelmäßige körperliche Bewegung
- Ausreichend Sonnenlicht für die natürliche Vitamin-D-Bildung
- Die ärztliche Abklärung von Risikofaktoren und gegebenenfalls eine Knochendichtemessung
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