Die Aktie von Bloom Energy stieg am Donnerstag um 8.41% auf 235,55 $, da Händler auf eine mögliche Aufnahme in den S&P 500 spekulieren. Das Unternehmen erfüllt die Kriterien für Größe und Rentabilität; eine Entscheidung über die quartalsweise Neugewichtung des Index wird für Freitag erwartet, laut Berichten von TIKR.
Es ist ein Spiel mit den Index-Mechaniken. Während Bloom Energy fundamental stark aufgestellt ist, wird die aktuelle Kursbewegung primär durch die Erwartung getrieben, dass passive Fonds gezwungen sein werden, Aktien zu kaufen, sollte eine Aufnahme in den S&P 500 erfolgen. Der Vorhersagemarkt Kalshi gab Bloom eine implizite Chance von etwa 46% für diesen Schritt, wie Barron’s berichtet.
Die S&P 500-Wette: Zwischen Fundamentaldaten und Kapitalflüssen
Die Spekulationen werden durch Analysten befeuert. Melissa Roberts von Stephens nannte Bloom Energy und Cheniere Energy als zwei der wahrscheinlichsten Kandidaten für die aktuelle Umstrukturierung. Sollte dies geschehen, wären dies die ersten Ergänzungen aus dem Energiesektor seit 2022, berichtet TIKR unter Berufung auf Barron’s.
Mit einer Marktkapitalisierung von nahezu 69 Milliarden Dollar erfüllt Bloom die notwendigen Tests für Liquidität und Rentabilität der letzten vier Quartale. Doch die Historie mahnt zur Vorsicht: Im Juni stieg die Aktie bereits um mehr als 10% aufgrund einer ähnlichen These, verlor diese Gewinne jedoch am selben Nachmittag wieder, als die Aufnahme ausblieb.
Zusätzlich stützten sinkende Treasury-Renditen den Kurs. Da Bloom ein kapitalintensives Wachstumsunternehmen mit einem fünfjährigen Beta von 3,74 ist, reagiert die Aktie besonders empfindlich auf Signale des Federal Reserve Governor Christopher Waller, dass eine kühlende Inflation weitere Straffungen stoppen könnte.
Das Energie-Problem der KI: Warum Bloom als Engpass-Löser gilt
Hinter dem Index-Hype steht eine strategische Verschiebung im Tech-Sektor. Während der Markt oft auf die Monetarisierung von KI starrt, identifiziert der Io Fund die Verfügbarkeit von Strom als den eigentlichen Engpass. Hyperscaler wie Microsoft, Google und Meta investieren hunderte Milliarden in KI, riskieren jedoch Verzögerungen, wenn die physische Infrastruktur die Stromlast nicht tragen kann.

Die Anforderungen steigen drastisch. Für die kommenden zwei Jahre wird erwartet, dass Nvidia-GPU-Systeme eine fünffache Steigerung des Strombedarfs pro Rack benötigen, beim Übergang von der Blackwell- zur Rubin-Ultra-Generation. Hier bietet Bloom einen Zeitvorteil: Während Anschlussangebote an das Stromnetz oft Jahre dauern, kann Bloom vor Ort in wenigen Monaten Energie liefern.
„Dies ist kein schnelleres Pferd. Dies ist ein Auto. KR Sridhar, CEO von Bloom Energy, via TIKR
Rekordzahlen und operative Hebelwirkung
Die fundamentalen Daten stützen den Aufstieg. Am 28. Juli meldete Bloom das beste Quartal seiner Geschichte mit einem Umsatz von $1.065 billion, was einem Anstieg von 166% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Produktumsätze stiegen um 215% und machten fast 90% des Gesamtumsatzes aus.

- Non-GAAP-Bruttomarge: 34.3%
- Non-GAAP-Betriebsergebnis: 240 Millionen Dollar (gegenüber etwa Break-even im Vorjahr)
- Non-GAAP-EPS: 0,78 Dollar (Konsens lag bei 0,41 Dollar)
- Umsatzprognose für das Gesamtjahr: Angehoben auf 3,9 bis 4,2 Milliarden Dollar
- Betriebsergebnis-Ausblick: Fast verdoppelt auf 800 bis 900 Millionen Dollar
CEO KR Sridhar gab an, dass alle großen US-Hyperscaler sowie über ein Dutzend Neocloud- und Colocation-Betreiber die Technologie von Bloom validiert haben. August Power Connect ein, ein System, das die Installationszeit vor Ort laut Angaben des Unternehmens um mehr als 40% verkürzt.
Bewertungsrisiken und die Scandium-Kontroverse
Trotz des Wachstums ist die Bewertung steil. Mit einem Kurs von 235,55 $ handelt Bloom zum 13,5-fachen des erwarteten Umsatzes für die nächsten zwölf Monate (NTM) und einem NTM EV/EBITDA von 56,9. Im Vergleich dazu handelt GE Vernova bei etwa dem 4,9-fachen des Forward-Umsatzes.
Ein ernstzunehmender Schatten ist eine Sammelklage, deren Frist für den Lead-Kläger auf den 28. September festgelegt wurde. Diese basiert auf einem Bericht des Short-Sellers Hunterbrook Media vom 8. Juli. Der Bericht behauptet, es gebe vier China-bezogene Routen für die Scandium-Lieferkette von Bloom über Thailand, Japan und Südkorea, und stellt infrage, ob die Versorgung die Ambitionen von 5 Gigawatt unterstützen kann.
Bloom weist diese Schlussfolgerungen kategorisch zurück und erklärt, dass die Lieferkette nicht von China abhängig sei. Dennoch belastet die Kontroverse den Kurs; am Tag der Veröffentlichung des Berichts fiel die Aktie um 5.7%.
Für Anleger bleibt die Situation binär: Einerseits die fundamentale Rolle als Energie-Enabler für die KI-Industrie, andererseits die kurzfristige Volatilität, die mit der S&P 500-Entscheidung und den Vorwürfen zur Lieferkette einhergeht.
Verwandte Artikel