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Gesundheit

Beth Israel Deaconess Medical Center setzt Vagusnerv-Stimulator ein

Am Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston wurde erstmals ein FDA-zugelassenes Vagusnerv-Stimulationssystem zur Behandlung von mittelschwer bis schwer aktiver rheumatoider Arthritis eingesetzt. Der Eingriff markiert den Auftakt für die Ausweitung dieser bioelektronischen Neuroimmunmodulation in der gesamten Region Neuengland.

Die Anwendung des sogenannten SetPoint-Systems durch Joshua P. Aronson verknüpft technische Innovation direkt mit der klinischen Routine. Das Verfahren richtet sich an erwachsene Patienten, bei denen herkömmliche Therapien mit mindestens einem Biologikum oder einem zielgerichteten synthetischen DMARD versagt haben oder deren Nebenwirkungen nicht toleriert wurden. Laut Daten aus einem Bericht von Ende Oktober 2026 leben in den USA mehr als 1,5 Millionen Menschen mit rheumatoider Arthritis. Viele von ihnen erfahren trotz moderner Medikamente keine dauerhafte Linderung. Unabhängig davon haben Neurochirurgen an der Oregon Health & Science University im Sommer ebenfalls kleine Geräte am Vagusnerv implantiert, um Patienten bei der Arm- und Handrehabilitation nach Schlaganfällen zu unterstützen oder Symptome von rheumatoider Arthritis zu lindern.

Das SetPoint-System und die wissenschaftlichen Grundlagen der Vagusnerv-Stimulation

Die implantierbare Technologie setzt an der physiologischen Schnittstelle zwischen Nervensystem und Immunabwehr an. Ein winziger Neurostimulator gibt elektrische Impulse an den linken Vagusnerv ab. Cong-Qiu Chu, Professor für Medizin (Arthritis und rheumatische Erkrankungen) an der OHSU School of Medicine, erklärte hierzu, dass der Vagusnerv normalerweise eine Überreaktion des Immunsystems wahrnimmt und ein Signal dorthin sendet, um es zu beruhigen.

Klinische Studien und die Erprobung des Verfahrens in den USA

Die breitere klinische Absicherung erfolgt unter anderem über strukturierte Studienprogramme wie die RESET-RA-Untersuchung. Dabei handelt es sich um eine nahtlos ineinandergreifende, zweistufige, randomisierte, doppelblinde und sham-kontrollierte multizentrische Pivotalstudie, die bis zu 250 Probanden an bis zu 45 Studienzentren in den USA umfasst. Die Untersuchung bewertet die Sicherheit und Wirksamkeit des SetPoint-Systems zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit aktiver, mittelschwer bis schwer aktiver rheumatoider Arthritis, bei denen eine unzureichende Ansprechrate, ein Wirkungsverlust oder eine Intoleranz gegenüber Biologika oder zielgerichteten synthetischen antirheumatischen Medikamenten vorliegt.

Das Gerät liefert eine geringe Menge Strom als Stimulation an den Nerv. Nach Abschluss der primären Endpunktbewertungen in Woche 12 erfolgt ein einseitiger Wechsel der Kontrollpersonen zur aktiven Stimulation sowie eine 252 Wochen andauernde offene Langzeitnachbeobachtung, bei der alle Studienteilnehmer der Behandlungs- und Kontrollgruppe die aktive Stimulation zur Auswertung der langfristigen Sicherheit erhalten.

Grenzen herkömmlicher Medikamente und die Einordnung der Leitlinien

Der Bedarf an alternativen Behandlungsformen ergibt sich aus den bekannten Defiziten konventioneller Medikationen. In einer im Jahr 2026 im Fachjournal The Lancet Rheumatology veröffentlichten Übersichtsarbeit wiesen Buttgereit und Tam nach, dass im Jahr 2023 in Deutschland noch 27 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis eine dauerhafte Glukokortikoidtherapie erhielten. Diese Praxis steht im direkten Widerspruch zu den Empfehlungen der europäischen Fachgesellschaft EULAR, die Glukokortikoide ausschließlich zur kurzzeitigen Überbrückung vorsieht und anstrebt, dass eine Beendigung möglichst innerhalb von drei Monaten erfolgt.

Während niedrig dosierte Erhaltungstherapien unter fünf Milligramm Prednisonäquivalent pro Tag ein begrenztes Risiko schwerer Nebenwirkungen aufweisen, bleibt das Infektionsrisiko bestehen. Bioelektronische Verfahren wie die Neuroimmunmodulation fügen der herkömmlichen Pharmakotherapie einen physikalischen Steuerungsmechanismus hinzu, der neue Perspektiven für therapierefraktäre Patienten eröffnet.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

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