Das Robert Koch-Institut (RKI) stellt fest, dass eine Erkrankung an Multipler Sklerose keine Kontraindikation für Impfungen darstellt. Da Infektionen wie Influenza das Risiko für Krankheitsschübe erhöhen können, ist ein umfassender Impfschutz für MS-Patienten essenziell, um die Krankheitsstabilität zu fördern und das Risiko für Infektionserkrankungen unter immunmodulierenden Therapien zu senken.
Die medizinische Strategie im Umgang mit Multipler Sklerose (MS) hat in den letzten Jahren eine klare Priorisierung erfahren: Der Schutz vor Infektionskrankheiten ist nicht mehr nur eine allgemeine Gesundheitsvorsorge, sondern ein integraler Bestandteil des Krankheitsmanagements. Die wissenschaftliche Evidenz verdeutlicht, dass Impfungen eine indirekte Schutzfunktion ausüben, indem sie die Auslöser für neurologische Verschlechterungen minimieren.
Infektionsrisiko und die Dynamik von MS-Schüben
Der Zusammenhang zwischen Infektionen und der Aktivität der Multiplen Sklerose ist ein zentraler Punkt der aktuellen neurologischen Betreuung. Laut dem Robert Koch-Institut können Infektionen, beispielsweise durch Influenza, das Risiko für einen Schub erhöhen. In diesem Kontext fungiert die Impfung als präventives Instrument: Indem sie die Wahrscheinlichkeit einer schweren Infektion senkt, reduziert sie indirekt die Gefahr eines dadurch induzierten Krankheitsschubs.
Besonders kritisch ist die Situation für Patientinnen und Patienten, die immunmodulierende Medikamente erhalten. Diese Therapien sind zwar notwendig, um die Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem zu kontrollieren, schwächen jedoch gleichzeitig die allgemeine Immunantwort des Körpers. Dies führt dazu, dass das Risiko für Infektionserkrankungen steigt. Die Impfstrategie zielt daher darauf ab, eine Lücke in der Immunabwehr zu schließen, die durch die medikamentöse Behandlung entsteht.
Eine Erkrankung an Multipler Sklerose (MS) stellt keine Kontraindikation für Impfungen dar. Vielmehr ist ein umfassender Impfschutz besonders wichtig, da Infektionen (z. B. Influenza) das Risiko für einen Schub erhöhen können.
Robert Koch-Institut (RKI), Stand 15.09.2025
Sicherheitsprofile von Routineimpfungen
Die Sorge, dass Impfungen selbst einen Schub auslösen oder die MS-Symptomatik verschlimmern könnten, wird durch die aktuelle Datenlage widerlegt. Für eine Reihe von Standardimpfungen liegt eine belastbare wissenschaftliche Evidenz vor, die zeigt, dass diese weder das Auftreten einer MS begünstigen noch bei bereits bestehender Erkrankung einen Schub provozieren.
For more on this story, see Unabhängige Studie belegt: KI-Modelle umgehen Vorgaben – und verwischen dabei ihre Spuren.
- Influenza (Grippe)
- Pneumokokken
- Tetanus
- Diphtherie
- COVID-19
Ein wesentlicher Faktor für die Sicherheit ist die Art des Impfstoffs. Totimpfstoffe können laut RKI jederzeit verabreicht werden, da sie keine lebenden Erreger enthalten und somit kein Risiko einer unkontrollierten Replikation im Körper bergen, was insbesondere unter immunsuppressiver Therapie von Bedeutung ist.
Sonderfälle: FSME- und Gelbfieber-Impfungen
Während Routineimpfungen als unbedenklich gelten, erfordern bestimmte Impfungen eine differenziertere Betrachtung. Hier steht die Risiko-Nutzen-Abwägung im Vordergrund, die individuell durch den behandelnden Arzt erfolgen muss.
Bei der FSME-Impfung (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist die Situation komplexer. Zwar ist sie bei MS nicht generell kontraindiziert, doch weisen die Fachinformationen auf seltene, schwere Nebenwirkungen hin. In einer Häufigkeit von ≥ 1/10.000 bis < 1/1000
kann es zum Auftreten oder zur Verschlimmerung einer MS kommen. Aufgrund dieses spezifischen Risikoprofils ist eine sorgfältige Prüfung der Medikamentenanamnese und eine Abwägung der Expositionsgefahr (z. B. Aufenthalt in Risikogebieten) zwingend erforderlich.
Anders bewertet wird die Gelbfieber-Impfung. Zwar existieren Berichte über mögliche Schuberlebnisse nach dieser Impfung, diese basieren jedoch auf kleinen Fallserien mit methodischen Schwächen
. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Gelbfieber-Impfung und der Auslösung von MS-Schüben konnte bisher nicht belegt werden.
Strategische Zeitplanung der Immunisierung
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Impfungen hängen nicht nur vom Präparat, sondern auch vom Zeitpunkt der Verabreichung ab. Die Koordination zwischen der Impfplanung und dem Beginn einer immunmodulierenden Therapie ist entscheidend für den Erfolg der Immunisierung.
This follows our earlier report, Apple Watch Series 11 gewinnen: Exklusiv bei BILDplus – 24h Akku & Bluthochdruck-Check!.
Aktuelle Empfehlungen, wie sie unter anderem vom IDW-Online im Januar 2026 veröffentlicht wurden, legen nahe, notwendige Impfungen frühzeitig abzuschließen. Idealerweise sollten diese Maßnahmen erfolgen, bevor eine neue Immuntherapie begonnen wird. Der Grund hierfür liegt in der potenziell verminderten Impfantwort unter dem Einfluss immunmodulierender Medikamente. Wenn der Körper bereits vor Beginn der Therapie einen entsprechenden Schutz aufbaut, ist die präventive Wirkung langfristig gesichert.
Die Erstellung eines individuellen Impfplans ist daher ein zentraler Bestandteil der Therapieentscheidung. Ärzte werden dazu angehalten, den aktuellen Impfstatus systematisch zu prüfen, um eine Lücke im Schutz zu vermeiden, bevor die immunsuppressive Wirkung der MS-Medikamente einsetzt.
Ausblick auf das Krankheitsmanagement
Die Integration der Impfstrategie in die MS-Therapie markiert einen Wechsel hin zu einem proaktiven Gesundheitsmanagement. Anstatt Impfungen lediglich als optionale Maßnahme zu betrachten, werden sie als Werkzeug zur Stabilisierung des Krankheitsverlaufs eingesetzt. Die Vermeidung von Infektionen wird damit zu einer primären Strategie, um die neurologische Stabilität zu wahren.
Unklarheiten bestehen weiterhin bei sehr seltenen Nebenwirkungsmustern, wie sie bei der FSME-Impfung beobachtet wurden. Hier wird die Forschung weiterhin darauf abzielen, die präzisen Trigger für solche Reaktionen zu identifizieren, um die Risiko-Nutzen-Abwägung noch präziser gestalten zu können. Bis dahin bleibt die engmaschige Abstimmung zwischen Neurologie und Infektiologie der Goldstandard in der Patientenversorgung.