Am ersten Juniwochenende 2026 hat der Horrorfilm „Backrooms“ mit 81 Millionen Dollar an den nordamerikanischen Kinokassen Geschichte geschrieben – und damit nicht nur einen neuen Rekord für das Filmstudio A24 aufgestellt, sondern auch gezeigt, dass junge Zuschauer:innen die Blockbuster-Ära neu definieren.
Ein Phänomen namens Gen Z – wie „Backrooms“ die Box Office-Landschaft auf den Kopf stellt
„Backrooms“, ein Film, der auf einer gleichnamigen YouTube-Serie basiert und vom 20-jährigen Regisseur Kane Parsons inszeniert wurde, hat nicht nur die Box Office-Charts dominiert, sondern auch bewiesen, dass Low-Budget-Filme mit jungem Publikum und viraler Vorarbeit heute mehr einbringen können als teure Franchise-Produktionen. Mit einem Budget von nur etwa 10 Millionen Dollar hat der Streifen bereits 118 Millionen Dollar weltweit eingespielt – und das, obwohl er in einer Zeit startet, in der große Studios wie Disney mit „The Mandalorian and Grogu“ gegen eine wachsende Desinteresse bei jüngeren Zielgruppen kämpfen. Laut Variety war „Backrooms“ nicht nur der erfolgreichste Start eines Independent-Horrors, sondern auch der beste Debütfilm eines Erstlingsregisseurs ohne Franchise-Hintergrund. Parsons ist damit der jüngste Regisseur, der jemals einen Nummer-eins-Film an die Spitze der Charts brachte – ein Rekord, der zuvor Josh Trank mit „Chronicle“ (2012) innehatte.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 85 % der Zuschauer:innen waren jünger als 35 Jahre, mehr als die Hälfte sogar unter 25. „Backrooms“ hat damit nicht nur eine neue Zielgruppe erschlossen, sondern auch bewiesen, dass Horror heute nicht mehr nur ein Nischengenre ist, sondern ein Massenphänomen. „This should empower the industry. There’s a new audience, and they’re waiting for this kind of content“, sagte Jeff Bock, Analyst bei Exhibitor Relations, gegenüber Variety. „We knew indie horror was hot, but we didn’t know how hot.
„This should empower the industry.
— Jeff Bock, Analyst bei Exhibitor Relations
Doch nicht nur „Backrooms“ hat die Charts geprägt: Auch „Obsession“, ein weiterer Independent-Horrorfilm, der auf einer YouTube-Serie basiert, konnte in seiner dritten Woche mit 26,4 Millionen Dollar an den nordamerikanischen Kassen punkten und damit die 100-Millionen-Dollar-Marke überschreiten. Beide Filme zeigen, dass die Ära der YouTube-Regisseure und Creator-gesteuerten Produktionen längst in Hollywood angekommen ist. Während „The Mandalorian and Grogu“ – ein Projekt, das auf einer der erfolgreichsten TV-Serien basiert – einen katastrophalen Einbruch von 70 % in der zweiten Woche verzeichnete, beweisen „Backrooms“ und „Obsession“, dass die Zukunft des Kinos nicht bei teuren Franchises liegt, sondern bei Geschichten, die direkt aus dem Internet kommen.
Die Macht der YouTuber – wie eine neue Generation von Filmemacher:innen Hollywood verändert
Die Erfolgsgeschichte von „Backrooms“ ist auch eine Erfolgsgeschichte des digitalen Zeitalters. Kane Parsons, der Regisseur des Films, begann seine Karriere nicht in einer Filmhochschule, sondern auf YouTube. Dort hatte er mit der „Backrooms“-Serie bereits eine treue Fangemeinde aufgebaut, die nun massenhaft ins Kino strömte. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern spiegelt einen grundlegenden Wandel in der Filmindustrie wider: Immer mehr Creator:innen nutzen ihre Online-Präsenz, um direkt mit Studios zusammenzuarbeiten und ihre Geschichten auf die große Leinwand zu bringen. „We all have our loops, our habits, behaviors that keep us walking in circles“, heißt es in „Backrooms“ – und genau diese zirkulären Muster prägen heute auch die Filmbranche: Was online funktioniert, landet im Kino.
Curry Barker, ein weiterer Vertreter dieser neuen Welle, hatte bereits mit 18 Jahren seinen ersten Kurzfilm gedreht und sich seitdem als Regisseur einen Namen gemacht. Seine Karriere zeigt, dass der klassische Weg über Filmhochschulen und große Studios nicht mehr der einzige ist. „The Chair“, sein erster Film, wurde 2022 auf Festivals gezeigt und markierte den Beginn einer Bewegung, die heute mit „Backrooms“ und „Obsession“ ihren Höhepunkt erreicht. Laut The Washington Post ist diese Entwicklung kein kurzfristiger Trend, sondern ein struktureller Wandel: Die nächste Generation von Filmemacher:innen wächst mit YouTube auf und bringt ihre Geschichten direkt ins Kino – ohne Umwege über Hollywoods klassische Pfade.
„Backrooms“ als kulturelles Phänomen – was der Film über die Ängste einer Generation aussagt
Doch „Backrooms“ ist mehr als nur ein kommerzieller Erfolg – der Film ist auch ein kulturelles Statement. Die Geschichte dreht sich um einen Mann, der in einem Labyrinth aus leeren Räumen gefangen ist, das seine eigenen Ängste und psychischen Abgründe widerspiegelt. Chiwetel Ejiofor spielt den Protagonisten, der in diese surrealen Räume eindringt, während Renate Reinsve als seine Therapeutin fungiert, die ihn retten muss. Die Filmkritik in The New Yorker hebt hervor, dass der Film besonders stark ist, wenn er die Rätselhaftigkeit der Backrooms bewahrt: „The eerie conceptual power of the Backrooms hinges on these ideas and associations remaining just beneath the surface.“ Erst wenn der Film zu viele Erklärungen liefert, verliert er an Spannung.


— Zitat aus „Backrooms“
Die Backrooms werden im Film zu einem Metaphernfeld für die Ängste und Zwänge der modernen Gesellschaft – ein Ort, an dem man in endlosen Schleifen gefangen ist, ohne Ausweg. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der psychischen Abgründe des Protagonisten, der sich in seiner eigenen Verzweiflung verliert. Die Kritik bemängelt zwar, dass der Film in späteren Teilen zu sehr auf psychologische Erklärungen setzt und damit seine eigene Rätselhaftigkeit opfert, doch bleibt „Backrooms“ ein faszinierendes Porträt einer Generation, die mit digitalen Ängsten und existenziellen Fragen kämpft.
Was kommt als Nächstes? Die Zukunft des Kinos zwischen Independent-Horror und Franchise-Flops
Der Erfolg von „Backrooms“ und „Obsession“ stellt die Frage: Was bedeutet das für die Zukunft des Kinos? Während große Studios weiterhin auf teure Franchises setzen, zeigen diese beiden Filme, dass es auch anders geht. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: „Backrooms“ hat mit einem Budget von 10 Millionen Dollar bereits 118 Millionen Dollar eingespielt – ein ROI, von dem viele Blockbuster nur träumen können. Kane Parsons, der Regisseur, hat bereits angedeutet, dass eine Fortsetzung oder ein Franchise möglich sein könnte, doch bleibt abzuwarten, ob die Studios diesem Trend folgen oder weiter auf bewährte, aber zunehmend weniger lukrative Modelle setzen.
Ein Blick auf die aktuellen Box Office-Zahlen zeigt: Die Ära der Franchise-Blockbuster ist nicht vorbei, aber sie wird herausgefordert. „The Mandalorian and Grogu“ mag zwar weiterhin auf älteren Fans setzen, doch die jungen Zuschauer:innen haben längst gezeigt, wo ihre Interessen liegen – und das sind Geschichten, die sie aus dem Internet kennen. Die Frage ist nicht mehr, ob diese Entwicklung anhält, sondern wie schnell die Studios umdenken werden. Denn eines ist klar: Wer heute nicht auf die Bedürfnisse der Gen Z eingeht, riskiert, am Box Office abgehängt zu werden.
Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob „Backrooms“ und „Obsession“ nur ein kurzfristiger Trend sind oder den Beginn einer neuen Ära markieren. Eines ist sicher: Das Kino wird nie wieder dasselbe sein.