Zum Inhalt springen
Gesundheit

ASCO Guideline Update zum gastroösophagealen Karzinom

Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) hat die Leitlinien zur Behandlung des gastroösophagealen Karzinoms aktualisiert, um den Einsatz von Immuntherapeutika in der Erstlinie zu präzisieren. Die Empfehlungen betonen die Kombination von Chemotherapie und PD-1-Inhibitoren bei Patienten mit spezifischen Biomarkern, um das Gesamtüberleben bei fortgeschrittenen Stadien zu steigern.

Immuntherapie als Standard in der Erstlinie

Die aktuellen ASCO-Leitlinien stufen die Kombination aus Chemotherapie und dem Checkpoint-Inhibitor Nivolumab als Standard für Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs ein. Diese Empfehlung stützt sich primär auf die Daten der CheckMate-649-Studie.

Die Wirksamkeit der Therapie ist laut den Richtlinien eng an den Combined Positive Score (CPS) der PD-L1-Expression gebunden. Ein CPS von 5 oder höher gilt als Indikator für einen signifikanten Nutzen der Immuntherapie in Kombination mit einer Platin-basierten Chemotherapie. Bei Patienten mit einem CPS unter 5 ist der Zusatznutzen geringer, weshalb die Leitlinien hier eine differenzierte Abwägung zwischen Toxizität und Überlebensvorteil fordern.

Die ASCO weist darauf hin, dass die Immuntherapie nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur Chemotherapie fungiert. Die Kombination zielt darauf ab, die immunologische Antwort des Körpers gegen den Tumor zu verstärken, während die Chemotherapie die Tumormasse reduziert.

Anforderungen an die HER2-Diagnostik und Therapie

Anforderungen an die HER2-Diagnostik und Therapie

Für Patienten mit gastroösophagealen Karzinomen schreibt die ASCO eine obligatorische Testung auf den HER2-Status vor. Diese Diagnose ist die Voraussetzung für den Einsatz von Trastuzumab, einem monoklonalen Antikörper, der gezielt HER2-positive Tumorzellen angreift.

Die Leitlinien legen fest, dass eine positive HER2-Bewertung entweder durch eine starke membranöse Färbung in der Immunhistochemie (IHC 3+) oder durch eine positive In-situ-Hybridisierung (FISH) nachgewiesen werden muss. Bei einer unklaren IHC-Bewertung (2+) ist die FISH-Analyse zwingend erforderlich.

In der Erstlinie wird Trastuzumab in Kombination mit einem Platin-basierten Doublett empfohlen. Die ASCO betont, dass die präzise molekulare Profilierung des Tumors entscheidend ist, da eine falsche Zuordnung zur Therapiegruppe entweder wirksame Medikamente vorenthält oder Patienten unnötigen Nebenwirkungen aussetzt.

Strategien zur perioperativen Behandlung

ASCO Immunotherapy and Targeted Therapy for Advanced Gastroesophageal Cancer Update – Key Changes

Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren empfiehlt die ASCO weiterhin den perioperativen Ansatz, bei dem eine Therapie sowohl vor als auch nach dem chirurgischen Eingriff erfolgt.

Die Integration einer neoadjuvanten Chemoradiotherapie verbessert die Rate der kompletten pathologischen Remission und steigert die Chancen auf eine erfolgreiche chirurgische Resektion.ASCO Clinical Practice Guidelines

Die CROSS-Studie dient hierbei als wesentliche Referenz. Die Leitlinien empfehlen eine Kombination aus Capecitabin und Oxaliplatin zusammen mit einer gleichzeitigen Radiotherapie vor der Operation. Nach dem Eingriff wird die Fortführung der Chemotherapie empfohlen, sofern der Patient physisch stabil ist.

Ein kritischer Punkt in den aktualisierten Richtlinien ist der Zeitpunkt der Operation. Die ASCO rät dazu, die chirurgische Intervention zeitnah nach Abschluss der neoadjuvanten Phase durchzuführen, um ein Rezidivrisiko zu minimieren.

Integration der palliativen Versorgung

Ein wesentlicher Bestandteil der aktualisierten Empfehlungen ist die frühe Einbindung der palliativen Versorgung. Die ASCO fordert, dass palliative Maßnahmen nicht erst in der Endphase der Erkrankung, sondern parallel zur kurativen oder lebensverlängernden Therapie beginnen.

Die Leitlinien führen aus, dass eine frühzeitige symptomatische Behandlung – insbesondere bei Schmerzen, Schluckbeschwerden und Cachexie – die Lebensqualität messbar steigert. Dies schließt die frühzeitige Platzierung von Ernährungssonden oder die Anwendung von Stents ein, um die Nahrungsaufnahme zu sichern.

Die ASCO stellt klar, dass palliative Betreuung nicht mit dem Abbruch der onkologischen Therapie gleichzusetzen ist. Vielmehr soll ein multidisziplinärer Ansatz gewählt werden, der Onkologen, Chirurgen und Palliativmediziner vereint.

Trotz der Fortschritte bei Immun- und Zieltherapien bleiben Lücken in der Behandlung. Die ASCO weist darauf hin, dass die Resistenzmechanismen gegenüber PD-1-Inhibitoren noch nicht vollständig verstanden sind. Es bleibt unklar, warum einige Patienten mit einem hohen CPS-Wert nicht auf die Therapie ansprechen.

Zudem gibt es Diskussionen über die optimale Sequenz der Medikamente in der zweiten und dritten Therapielinie. Während die Erstlinie durch die Kombinationstherapien klarer definiert ist, variieren die Empfehlungen für die Folgetherapie je nach Ansprechen und Nebenwirkungsprofil des Patienten.

Die Leitlinien betonen, dass die individuelle Patientencharakteristik – insbesondere der allgemeine Gesundheitszustand und Komorbiditäten – immer Vorrang vor einem strikten Protokoll haben muss.

Bitte konsultieren Sie Ihren behandelnden Arzt oder einen qualifizierten Gesundheitsdienstleister, um die für Ihre spezifische Situation geeignete Behandlungsstrategie festzulegen.

Find more reporting in our Gesundheit section.

Integration der palliativen Versorgung
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.