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Technik und Wissenschaft

AMOC-Kollaps: Klimaforscher Frölicher warnt die Schweiz – Tages-Anzeiger

Die Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation (AMOC) transportiert etwa 1,2 Petawatt Wärme in den Nordatlantik und stabilisiert so das Klima Nordeuropas. Aktuelle wissenschaftliche Debatten konzentrieren sich auf einen mysteriösen „Kaltfleck“ südöstlich von Grönland, der auf eine Schwächung dieses globalen Förderbandes hindeutet, was weitreichende Folgen für den globalen Meeresspiegel und regionale Niederschläge hätte.

Die Mechanik des globalen Förderbandes

Die AMOC funktioniert wie ein gigantisches thermohalines Förderband. Warmes Oberflächenwasser, darunter der Golfstrom, fließt in Richtung Arktis. Dort kühlt das Wasser ab, und es bildet sich Meereis. Da beim Gefrieren des Wassers Salz zurückbleibt, erhöht sich die Dichte des verbleibenden Meerwassers. Dieses kalte, salzhaltige Wasser sinkt in die Tiefe und fließt entlang des Ozeanbodens zurück nach Süden. Dieser Prozess ist für die Temperaturregulierung der Erde essenziell. Laut ScienceInsights ist die AMOC für etwa 60 % der gesamten Wärme verantwortlich, die durch die Weltmeere nach Norden transportiert wird. Dies erklärt, warum Städte wie London deutlich mildere Winter erleben als Orte auf derselben geografischen Breite, wie etwa Calgary in Kanada. Die schiere Dimension der Energie ist massiv: An einem Punkt bei 26,5° N transportiert die Strömung etwa 1,2 Petawatt Wärme. Ein einzelnes Wassermolekül benötigt schätzungsweise 1.000 Jahre, um den gesamten Zyklus des globalen Förderbandes zu durchlaufen.

Der Streit um den „Kaltfleck“ im Nordatlantik

Der Streit um den „Kaltfleck“ im Nordatlantik
cluster (priority): newscientist.com
Während sich die Erdoberfläche in den letzten 150 Jahren fast überall erwärmt hat, gibt es eine Ausnahme: ein Gebiet südöstlich von Grönland, das als „Warming Hole“ oder „Kaltfleck“ bekannt ist. In dieser Region sind die Temperaturen um bis zu 1 °C gesunken. Die Ursache hierfür ist Gegenstand einer intensiven wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Ein Teil der Forschung sieht die Ursache in der Atmosphäre. Chengfei He von der Northeastern University und seine Kollegen stellten 2022 fest, dass die schnelle Erwärmung der Arktik den Temperaturunterschied zwischen Pol und Tropen verringert hat. Dies verschob den Jetstream nach Norden in die Region des Kaltflecks. Die daraus resultierenden starken Westwinde steigerten die Verdunstung und wühlten das Wasser auf, wodurch Wärme aus dem Ozean entzogen wurde. Dem widersprechen Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Wie New Scientist berichtet, zeigen Daten aus Satelliten, Bojen und Schiffen, dass die Abkühlung nicht nur an der Oberfläche, sondern bis in 1.000 Meter Tiefe reicht. Dies deutet darauf hin, dass die AMOC schlicht weniger Wärme transportiert. „Winde und Wolken erklären nur einen bescheidenen Teil des Warming Hole“, so Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut. „Selbst wenn es in einigen Modellansätzen so scheint, als ob der Kaltfleck durch die Atmosphäre verursacht wird, zeigen die Daten in Wirklichkeit, dass er durch den Ozean verursacht wird.“

Widersprüchliche Daten zur Stabilität der Strömung

Bekanntester Klimaforscher warnt: Hitze, Flucht und 50/50, dass wir die Kipppunkte überschreiten.
Die Frage, ob die AMOC bereits messbar geschwächt ist, bleibt komplex, da direkte Beobachtungen erst seit 2004 vorliegen. Diese kurzen Zeitreihen machen es schwierig, einen statistisch signifikanten Trend von natürlichen Schwankungen zu trennen. Einige Studien, die auf indirekten Daten wie Oberflächentemperaturänderungen basieren, suggerieren eine Schwächung über die letzten Jahrhunderte. Demgegenüber steht eine Untersuchung, die in LSE erwähnt wird: Forscher des Woods Hole Oceanographic Institution analysierten den Luft-Meer-Wärmefluss von 1963 bis 2017 und kamen zu dem Schluss, dass eine Schwächung in diesem Zeitraum sehr unwahrscheinlich sei. Trotz dieser Diskrepanzen gibt es Hinweise auf kurzfristige Instabilitäten. Zwischen 2009 und 2010 führte ein temporärer Rückgang des Wärmetransports zum stärksten Abfall des Wärmegehalts im nördlichen Subtropen seit 60 Jahren, was sich unmittelbar auf das Winterwetter in Westeuropa auswirkte.

Die Gefahr eines Kipppunkts und globale Folgen

Die Gefahr eines Kipppunkts und globale Folgen
cluster (priority): lse.ac.uk
Die größte Sorge der Klimaforscher ist ein sogenannter Kipppunkt. Durch die Erwärmung des Planeten gelangt vermehrt Süßwasser aus schmelzenden polaren Eisschilden und dem grönländischen Inlandeis in den Nordatlantik. Süßwasser ist weniger dicht als Salzwasser und sinkt daher langsamer ab, was den Motor der AMOC schwächt. Dies könnte einen gefährlichen Rückkopplungseffekt auslösen: Eine schwächere AMOC transportiert weniger salzhaltiges Wasser nach Norden, was das Absinken des Wassers weiter erschwert und die Strömung noch mehr schwächt. Ein solcher Prozess könnte die AMOC in einen neuen, stabilen, aber wesentlich schwächeren Zustand überführen – selbst wenn die globale Erwärmung stoppen würde. Die Auswirkungen eines Kollapses oder einer starken Verlangsamung wären global spürbar:
  • Europa: Massive Abkühlung, die weite Teile des Kontinents einfrieren könnte.
  • Nordamerika: Ein Anstieg des Meeresspiegels an der US-Ostküste, wie NOAA warnt.
  • Afrika und Asien: Eine Verschiebung der Regengürtel, die in Südafrika zu Dürren für Millionen von Menschen und die Störung lebenswichtiger Monsunregen in Asien führen könnte.
Während einige Computermodelle eine relative Stabilität mit nur 10 bis 20 % Rückgang vorhersagen, warnen andere vor einem vollständigen Stopp des Absinkens des dichten Wassers. In jedem Fall würden sich diese Veränderungen über Jahrzehnte hinweg entfalten und die globale Landwirtschaft sowie die Küstenstabilität grundlegend verändern.
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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