Die Nachtschicht auf dem Court Philippe Chatrier

Es war ein Spiel der Kontraste, das erst um 0:49 Uhr endete. Zverev dominierte die ersten zwei Sätze mit einer Effizienz, die wenig Raum für Spekulationen ließ. Doch als die Uhr Richtung Mitternacht tickte, kippte die Dynamik. In einem dritten Satz, in dem der Hamburger spürbar einen Gang zurückschaltete, übernahm der Lokalmatador Quentin Halys die Initiative.
Unterstützt von einer frenetischen Kulisse, die auf dem Court Philippe Chatrier sogar eine La-Ola-Welle startete, gelang Halys der Satzgewinn zum 2:1. Laut einem Bericht von BILD war dieser Satzverlust für Zverev unnötig, da er die Linie verlor und dem Franzosen eine unnötige Chance einräumte.
„Halys genießt die Party auf dem Platz. Ab Mitte des dritten Satzes war er der bessere Spieler, der aktivere Spieler.“
Boris Becker, Tennis-Idol via WELT
Trotz der schwülen Bedingungen und Temperaturen von fast 30 Grad auf dem Platz konnte Zverev im vierten Satz seine Souveränität zurückgewinnen. Er nutzte die zunehmende körperliche Erschöpfung des Weltrangliste-90 und verwandelte schließlich seinen dritten Matchball.
Zverev zeigte sich nach dem Match erleichtert über das Ende der Partie.
„Ich bin froh über mein Level am Ende und dass ich es um 1 Uhr und nicht um 3 Uhr nachts beendet habe. Auch wenn ich heute einen kleinen Durchhänger hatte, fühle ich mich generell sehr gut.“
Alexander Zverev, via DIE ZEIT
Das Vakuum an der Spitze des Feldes
Die statistische Lage in Paris ist für Zverev so günstig wie selten zuvor. Er ist nicht mehr nur ein Anwärter, sondern faktisch der letzte verbliebene Favorit aus der Weltspitze. Die Liste der Ausfälle in der ersten Woche liest sich wie ein Who-is-Who des Tennis-Olymps.
Wie WELT detailliert beschreibt, ist die Tür zum ersten Grand-Slam-Titel für den Hamburger weit offen, da drei der größten Konkurrenten bereits ausgeschieden sind oder gar nicht erst angetreten sind:
Damit ist Zverev der einzige Top-5-Spieler, der noch im Wettbewerb ist. Für den 29-Jährigen, der bereits neunmal in Serie das Achtelfinale der French Open erreicht hat, bedeutet dies einen massiven psychologischen Vorteil, aber auch einen enormen Erwartungsdruck. Es ist die erste Situation in einem Major, in der ein Spieler den Titel gewinnen könnte, ohne dass ein einziger bisheriger Grand-Slam-Sieger im Feld der letzten 32 verbliebene ist.
Die Herausforderung durch Jesper de Jong
Im Achtelfinale wartet auf Zverev ein Gegner, der in diesem Turnier die Rolle des „Giant-Killer“ übernommen hat. Der Niederländer Jesper de Jong, Weltranglistener 106, ist eine der größten Überraschungen der aktuellen French Open.
De Jong startete als sogenannter Lucky Loser, nachdem er in der Qualifikation zunächst gescheitert war. Doch seit seinem Einzug ins Hauptfeld hat er für Aufsehen gesorgt. Laut sportschau.de schickte er den Schweizer Stan Wawrinka in die Tennis-Rente und besiegte zudem den deutlich höher eingestuften Russen Karen Khachanov.
Zwar gilt Zverev aufgrund seiner Form und Sandplatz-Qualitäten als haushoher Favorit, doch die Partie gegen de Jong wird ein Test seiner mentalen Stabilität sein. Der Niederländer hat bewiesen, dass er in der Lage ist, etablierte Profis aus dem Konzept zu bringen.
Analyse: Der Weg zur Krönung
Zverevs Spiel ist in diesem Turnier effektiv, wenn auch – wie gegen Halys – phasenweise glanzlos. Seine Stärke liegt in der Fähigkeit, auch bei einem „kleinen Durchhänger“ das Niveau am Ende wieder anzuheben. Dass er bisher nur einen einzigen Satz abgegeben hat, unterstreicht seine physische Dominanz auf dem Sand von Roland Garros.
Die zentrale Frage für die kommenden Tage wird sein, ob Zverev die Lücke füllen kann, die Djokovic und Sinner hinterlassen haben. Historisch gesehen ist der Moment, in dem das Feld „offen“ ist, oft die größte Chance für einen Spieler ohne Major-Titel. Zverev muss nun vier weitere Siege einfahren, um den Coupe des Mousquetaires in den Himmel zu heben.
Sollte er seine Konzentration beibehalten und die Passivität, die kurzzeitig gegen Halys auftrat, abstellen, steht seinem ersten Grand-Slam-Triumph nichts im Wege. Die Kombination aus einem geschwächten Konkurrenzfeld und seiner eigenen Konstanz macht diesen Moment zum wahrscheinlich besten Zeitpunkt seiner Karriere.