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Welt

Albanien: Weltpremiere geplatzt: Chair fliegt Vlora doch nicht an

Die Schweizer Fluggesellschaft Chair Airlines streicht ihre für den Sommer 2026 geplanten Flüge von Zürich nach Vlora in Albanien. Grund ist die fehlende Betriebsbewilligung des neuen internationalen Flughafens, wodurch die geplante Weltpremiere Ende Juni ausfällt. Betroffene Reiseveranstalter müssen bereits getätigte Buchungen kurzfristig umstellen.

Die geplatzte Weltpremiere in Vlora

Ende Juni sollte Chair Airlines Luftfahrtgeschichte schreiben. Als erste Fluggesellschaft der Welt wollte der Schweizer Anbieter den neuen internationalen Flughafen von Vlora im Südwesten Albaniens anfliegen. Geplant waren sogenannte Dreiecksflüge, die Zürich über Patras in Griechenland mit der albanischen Hafenstadt verbanden. Wie 20min.ch berichtet, fallen diese Verbindungen nun ersatzlos aus. Das Problem liegt nicht an der Airline, sondern an der Infrastruktur. Der Flughafen hat den Betrieb schlichtweg noch nicht aufgenommen, da die notwendigen Zulassungen nicht rechtzeitig vorlagen.

Nach aktuellem Stand konnte der Flughafen die erforderlichen Zulassungen für diesen Sommer nicht rechtzeitig erhalten. Eine Eröffnung für den Sommer ist daher nicht mehr zu erwarten.

Die geplatzte Weltpremiere in Vlora
cluster (priority): Blick
Steven Eichenberger, Marketing- und PR-Manager von Chair Airlines Während die Vlora-Verbindung gestrichen wurde, bleibt die Anbindung an Patras im Flugplan. Zudem erweitert Chair sein Angebot ab Juli um Flüge nach Tuzla in Bosnien-Herzegowina.

Investorenstreit und behördliche Blockaden

Investorenstreit und behördliche Blockaden
cluster (priority): aeroTELEGRAPH
Hinter der fehlenden Betriebsbewilligung verbirgt sich ein tiefgreifender Konflikt zwischen den Projektbeteiligten. Laut aeroTELEGRAPH tobt seit Monaten ein heftiger Streit zwischen zwei Investoren. Die Schweizer Firma Mabco Constructions, geführt vom Exil-Albaner Behgjet Pacolli, gibt an, 98 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft zu halten und damit der Hauptfinanzierer des Projekts zu sein. Mabco wirft der 2A Group, die lediglich zwei Prozent der Anteile hält, vor, die Kontrolle über das Projekt an sich reißen zu wollen. Besonders brisant: Mabco berichtet, dass ihren Mitarbeitern und Subunternehmern bereits seit dem 18. Mai der Zugang zur Baustelle verweigert wurde. Zudem wird kritisiert, dass wichtige Ausrüstung für die Zertifizierung des Flughafens seit über sieben Monaten beim Zoll blockiert sei. Obwohl Mabco in mehreren Gerichtsverfahren zunächst unterlag, gab es kürzlich eine Wende. Albaniens Oberster Gerichtshof hob frühere Urteile auf, welche die Stimmrechte der Schweizer Investoren suspendiert hatten. Dennoch bleibt die Situation so instabil, dass eine Eröffnung in der aktuellen Saison unrealistisch ist.

Ökologische Bedenken an der Narta-Lagune

Swiss Airline Chair Schedules Weekly Flights to Albania’s New Vlora Airport Amid Expansion
Der Flughafen ist nicht nur rechtlich, sondern auch ökologisch hoch umstritten. Das Projekt, das auf einem stillgelegten Luftwaffenstützpunkt etwa 20 Kilometer nördlich von Vlora errichtet wird, steht unmittelbar neben der geschützten Narta-Lagune. Wie Blick schreibt, ist dies ein bedeutendes Vogelschutzgebiet, das insbesondere für Flamingos und bedrohte Pelikane sowie Zugvögel essenziell ist. Die Kritik kommt aus verschiedenen Richtungen. Neben lokalen Umweltschützern haben auch die Europäische Kommission, das Europäische Parlament sowie internationale Organisationen wie die Berner Konvention Bedenken geäußert. Sie befürchten massive Schäden für das empfindliche Ökosystem der Lagune. Demgegenüber steht die Strategie der Regierung unter Premier Edi Rama. Der Flughafen, dessen Kosten sich auf etwa 190 Millionen Dollar belaufen, gilt als Prestigeobjekt. Zusammen mit dem neuen Llogara-Tunnel soll er die Erreichbarkeit der Albanischen Riviera – inklusive Orten wie Himara, Dhërmi oder Ksamil – drastisch verbessern und den Tourismus im Süden des Landes ankurbeln.

Der Balkan-Boom und die Strategie von Chair Airlines

Der Balkan-Boom und die Strategie von Chair Airlines
cluster (priority): news.google.com
Die Absage nach Vlora trifft Chair Airlines in einer Phase starken Wachstums. Die vor sieben Jahren gegründete Gesellschaft hat sich auf den Balkanmarkt spezialisiert und transportiert im laufenden Jahr bereits über 900.000 Passagiere. Laut SRF profitiert die Airline massiv von einem Trend, bei dem Schweizer Urlauber klassische Ziele wie Mallorca oder Sardinien zunehmend zugunsten des Balkans verlassen. Die Zahlen belegen diesen Aufschwung deutlich:
  • Albanien: Die Buchungen stiegen im Vorjahresvergleich um 55 Prozent.
  • Montenegro: Hier verzeichnete der Reiseveranstalter Dertour nahezu eine Verdopplung der Buchungen.
  • Kroatien: Auch hier wird für 2026 ein Anstieg der Touristen um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet.
  • Bulgarien: Ebenfalls eine Verdopplung der Reisenden laut Dertour-Daten.
Für Chair Airlines ist die Spezialisierung auf diese Region ein Alleinstellungsmerkmal. Mit rund 200 Mitarbeitern und einer wachsenden Flotte, die bald ein fünftes Flugzeug erhält, besetzt das Unternehmen eine Nische, die von der steigenden Attraktivität erschwinglicher Destinationen am Meer profitiert.

Auswirkungen auf Reiseveranstalter und Passagiere

Für spezialisierte Reisebüros ist das Aus der Vlora-Verbindung ein herber Schlag. Saimir Shala, Gründer von Albanien Reisen, berichtet gegenüber Travelnews, dass bereits getätigte Buchungen umgestellt werden mussten. Besonders attraktiv wäre ein Konzept namens Open-Jaw-Rundreise gewesen. Dabei hätten Reisende den Hinflug nach Tirana angetreten und den Rückflug ab Vlora genutzt. Dies hätte die langen und mühsamen Transferwege im Süden Albaniens erheblich verkürzt und den Zugang zur Albanischen Riviera komfortabler gemacht.

Dass die Vlora-Flüge diesen Sommer nicht stattfinden, ist sehr schade. Wir mussten bereits getätigte Buchungen wieder umstellen.

Saimir Shala, Gründer und Geschäftsführer von Albanien Reisen Trotz des aktuellen Chaos bleibt die Hoffnung auf eine mittelfristige Lösung. Die Nachfrage der Kunden war laut Shala durchwegs positiv, was das Potenzial des Standorts unterstreicht. Solange der Flughafen jedoch in einem Geflecht aus Investorenstreitigkeiten und Umweltauflagen gefangen ist, bleibt die Verbindung zwischen Zürich und der Hafenstadt Vlora ein theoretisches Konstrukt.
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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