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Wissenschaftler der Rockefeller University und des Memorial Sloan Kettering Cancer Center haben in einer am 14. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie an mehr als 100.000 Patienten gezeigt, dass aktives braunes Fett vor Typ-2-Diabetes, Angststörungen und Depressionen schützt. Zudem regt der Blutdrucksenker Losartan die Wärmeproduktion an.
Wenn Menschen an Körperfett denken, haben sie meist das weiche Gewebe um den Bauch vor Augen, das überschüssige Kalorien speichert. Dieses weiße Fett hat jedoch ein Gegenstück. Rund um den Hals, im Brustbereich und unter den Achseln sitzt braunes Fett, das genau das Gegenteil tut: Es verbrennt Kalorien, um Wärme zu erzeugen.
Eine groß angelegte Auswertung von Patientendaten erweitert nun die Liste der gesundheitlichen Pluspunkte dieses Gewebes drastisch. Menschen mit nachweisbarem und aktivem braunem Fett sind demnach weniger stark von verschiedenen Erkrankungen betroffen als Personen ohne dieses Gewebe. Die Ergebnisse basieren auf einer Studie von mehr als 100.000 Menschen, der bislang größten ihrer Art.
Künstliche Intelligenz analysiert 100.000 Krebspatienten-Scans
Um braunes Fett im menschlichen Körper zu kartografieren, nutzen Mediziner spezielle bildgebende Verfahren. Dabei spritzen sie radioaktive Glukose und setzen auf eine Kombination aus Positronen-Emissions-Tomografie und Computertomografie, kurz PET-CT. Diese Scans zeigen, welche Gewebe den Zucker besonders stark aufnehmen und wo das braune Fett aktiv ist.
Da diese Untersuchungsmethoden routinemäßig in der Krebsdiagnostik und -überwachung zum Einsatz kommen, schloss sich ein Forschungsteam der Rockefeller University mit Kollegen des Memorial Sloan Kettering Cancer Center zusammen. Gemeinsam werteten sie die medizinischen Daten von mehr als 100.000 Erwachsenen aus, die dort solche Scans erhalten hatten.

Unter Verwendung Künstlicher Intelligenz quantifizierten die Wissenschaftler das aktive braune Fett der Teilnehmer. Während in früheren Untersuchungen vor allem auf klassische kardiovaskuläre Diagnosen geachtet wurde, ging die aktuelle Arbeit weit darüber hinaus.
Cohen sagte, dass sie zuvor nur nach wenigen Diagnosecodes gesucht und sich hauptsächlich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen konzentriert hätten, da dieses Gewebe historisch damit in Verbindung gebracht worden sei. Die Reichweite dieser neuen Analyse sei weitaus umfassender. Sie hätten die Anzahl der Patienten verdoppelt und mehr als 500 Codes berücksichtigt, was ihnen ermögliche, viele neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes und psychische Erkrankungen
Die Auswertung ergab, dass die schützende Wirkung mit der Aktivität des Gewebes steigt. Je aktiver das braune Fett war, desto seltener dokumentierten die Ärzte Herzinsuffizienz, bestimmte Herzrhythmusstörungen und Stoffwechselleiden. Besonders deutlich zeigte sich der Effekt bei Typ-2-Diabetes: Von den Patienten mit nachweisbarem braunem Fett litten lediglich 2,1 Prozent an der Erkrankung, während es in der Vergleichsgruppe ohne dieses Gewebe 5,1 Prozent waren.
Zudem zeigte ein genauer Blick auf die Blutwerte von Patienten mit braunem Fett vorteilhafte Merkmale. Sie wiesen im Durchschnitt geringere Blutzuckerwerte, weniger Triglyceride, niedrigere Entzündungswerte und weniger schädliches Rest-Cholesterin auf. Auch die Ultraschalluntersuchungen des Herzens offenbarten günstigere Strukturen der Herzwand.
Überraschend waren vor allem die Verbindungen zu psychischen Indikatoren. Forscher registrierten bei Personen mit mehr aktivem braunem Fett eine geringere Häufigkeit von Angststörungen, depressiven Episoden und Schlafstörungen.
Nicht alle gemessenen Parameter fielen jedoch positiv aus. So zeigten sich bei den Betroffenen niedrigere Werte bei bestimmten Messungen der Knochendichte an der Lendenwirbelsäule, und auch die Gesamtmengen an Cholesterin und LDL-Cholesterin lagen höher.
Blutdrucksenker Losartan steigert Stoffwechselaktivität
Neben der reinen Bestandsaufnahme untersuchte das Team, ob sich das Fettgewebe medikamentös stimulieren lässt. Dabei fiel auf, dass Patienten, die den Blutdrucksenker Losartan einnahmen, häufiger über nachweisbares braunes Fett verfügten. Losartan gehört zur Wirkstoffklasse der Angiotensin-Rezeptor-Blocker.
In anschließenden Tests an Zellkulturen und Mäusen bewiesen die Wissenschaftler, dass der Wirkstoff die metabolische Aktivität von braunen Fettzellen direkt steigert. Gesunde Tiere, die mit Losartan behandelt wurden, verbrauchten mehr Energie, nahmen mehr Sauerstoff auf und produzierten mehr Kohlendioxid, ohne dabei an Gewicht zuzulegen.
Interessanterweise entkoppeln sich diese stoffwechselanregenden Effekte von den Mechanismen, die für die blutdrucksenkende Eigenschaft des Medikaments verantwortlich sind.
Gómez-Banoy erklärte, dass die Tatsache, dass seine unterschiedlichen Wirkungen durch verschiedene molekulare Wege vermittelt werden, von Vorteil sei, da sie bedeutete, dass sie in zukünftigen Therapien möglicherweise isoliert werden könnten. Auf diese Weise könnte man braunes Fett bei Menschen mit normalem Blutdruck stimulieren.
Datenbasis und methodische Einschränkungen der Auswertung
Trotz der großen Datenbasis weisen Fachleute auf Grenzen hin. Da es sich um eine retrospektive Studie handelt, lassen sich statistische Zusammenhänge ablesen, aber keine unmittelbaren Ursache-Wirkungs-Beziehungen belegen. Zudem stammten alle untersuchten Patienten aus einem Krebszentrum, weshalb offenbleibt, inwieweit die Beobachtungen für die gesamte Bevölkerung gelten.
Unabhängige Experten betonen den Wert der Veröffentlichung. Shingo Kajimura, Molekularbiologe an der Harvard Medical School, bezeichnete die Arbeit als eine der umfassendsten und bedeutendsten auf diesem Gebiet. Irfan Lodhi von der Washington University nannte es eine überraschende Studie, merkte jedoch an, dass weitere Untersuchungen zur Kausalität nötig seien.
Das Team um Paul Cohen sieht in den Ergebnissen erst den Anfang. In der großen Kohorte fanden sich noch zahlreiche weitere Medikamente, die mit einer Aktivität des braunen Fetts korrelierten. Die Studie im Fachjournal Nature markiert damit einen neuen Ausgangspunkt für die Erforschung therapeutischer Ansätze.
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