Eine neue Untersuchung zeigt, dass der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel während einer Antibiotikatherapie die schädlichen Auswirkungen auf das Darmmikrobiom massiv verstärkt. Die am 30. September 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie von Forschern des Memorial Sloan Kettering Cancer Center, des City of Hope National Medical Center und der NYU Langone Health belegt einen drastischen Verlust der bakteriellen Vielfalt.
Wie zuckerreiche Ernährung und Antibiotika das Mikrobiom schädigen
Antibiotika retten Leben, indem sie Infektionen bekämpfen, doch sie zerstören dabei ungezielt auch nützliche Mikroorganismen im menschlichen Verdauungstrakt. Eine aktuelle Kohortenstudie an erwachsenen Patienten, die sich zwischen 2017 und 2022 an dem in New York gelegenen Memorial Sloan Kettering Cancer Center einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation unterzogen, verdeutlicht nun, dass der gleichzeitige Konsum von Zucker diesen Schaden erheblich verschlimmert.
Die Forschenden analysierten akribisch die Ernährungsprotokolle von 173 hospitalisierten Patienten und werteten mehr als 9.400 Mahlzeiten sowie über 1.000 Stuhlproben aus. Dabei zeigte sich ein unmissverständliches Muster.
Dr. Marcel van den Brink, City of Hope
Die Ausbreitung gefährlicher Krankheitserreger
Durch die dezimierte Artenvielfalt im Darm entsteht ein gefährliches Vakuum. Nach Angaben der an der Studie beteiligten Wissenschaftler profitieren bestimmte aggressive Bakterienstämme von dem verbleibenden Nahrungsangebot. Insbesondere die explosionsartige Vermehrung von Enterococcus faecium wurde direkt mit der Kombination aus Breitbandantibiotika und zuckerreicher Kost beobachtet.

Bei immungeschwächten Patienten, etwa nach einer Chemotherapie vor einer Stammzelltransplantation, kann eine solche Überwucherung zu lebensgefährlichen Blutstrominfektionen führen. Die Forschenden verglichen den Effekt des Zuckers bildhaft mit einem Brandbeschleuniger. Die durch die Medikamente ohnehin geschwächten Restbakterien erhalten durch den Zucker gewissermaßen Treibstoff, während nützliche Mikroorganismen verdrängt werden.
Jonas Schluter, NYU Langone Health
Ergebnisse aus präklinischen Versuchen und Perspektiven für die Krebstherapie
Um die genauen Kausalzusammenhänge zu überprüfen, führten die Wissenschaftler begleitende Experimente mit Mäusen durch. Nagetiere, die das Antibiotikum Biapenem erhielten und gleichzeitig eine sucrose-reiche Diät bekamen, verzeichneten bis zum dritten Tag einen 16,3-fachen Anstieg der Enterococcus-Population im Darm, der sich bis zum sechsten Tag auf das 33,4-fache steigerte. Tiere auf derselben zuckerreichen Diät ohne Antibiotika behielten dagegen ihre normale bakterielle Vielfalt bei.

Das Forschungsteam weist darauf hin, dass die genauen Mechanismen beim Menschen weiter untersucht werden müssen, um gezielte klinische Studien zu entwerfen. Dennoch legen die Daten nahe, dass eine bewusste Reduktion von Süßigkeiten während und nach einer Antibiotikagabe ein einfacher und wirksamer Ansatz sein könnte, um das Mikrobiom zu schützen.
Das Team umknüpft die Erkenntnisse mit dem Konzept
Das Team umknüpft die Erkenntnisse mit dem Konzept von „Food as Medicine“ während der Krebsbehandlung und der Frage, wie die Ernährung bei der Prävention und Genesung von Erkrankungen helfen kann. Dr. Marcel R.M. van den Brink, MD, PhD, ist Co-Seniorautor der Studie, ebenso wie Knochenmarktransplantationsspezialist und Zelltherapeut Jonathan „TsoniPeled, MD, PhD, vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York sowie Jonas Schluter, PhD, von der NYU Grossman School of Medicine in New York.
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Für erwachsene Allo-HCT-Empfänger am Memorial Sloan Kettering Cancer Center wurde die Nahrungsaufnahme ab 2017 bis April 2023 erfasst, wobei das kommerzielle Computersystem der Krankenhausküche (Computrition) eingesetzt wurde. Patienten gaben nach jeder Mahlzeit an, ob sie 0, 25%, 50%, 75% oder 100% jeder bestellten Speise konsumiert hatten. Die Instrumente wurden dreimal wöchentlich von einer Diätassistentin oder anderen Forschungsteams eingesammelt.
Jonathan Peled sagte dazu: „Wenn sich Menschen einer Krebsbehandlung unterziehen und sich nicht wohlfühlen oder kaum etwas essen, raten wir ihnen oft, Smoothies, Sportlerdrinks oder Nährstoff-Shakes zu trinken, in der Annahme, dass sie auf diese Weise wenigstens etwas Flüssigkeit, Proteine und Elektrolyte zu sich nehmen. Wir haben jedoch festgestellt, dass solche zuckerhaltigen Lebensmittel und Getränke in Kombination mit Antibiotika toxisch für das Mikrobiom wirken können, da sie die Vielfalt der Mikroorganismen drastisch verringern.“
Jonas Schluter betonte, dass es wichtig sei, solche Faktoren zu identifizieren, um unbeabsichtigte gesundheitliche Risiken und Langzeitfolgen durch Antibiotika einzuschränken.
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