Das Theater begründet den Zeitpunkt der Premiere damit, dass die politische Mitte verstumme und ein Rechtsruck im Gange sei. Als „Zeitzeugin, Engel und Mahnerin besetzte Regisseur und Volkstheaterdirektor Jan-Philipp Gloger die 88-jährige Schauspielerin und ehemalige Volkstheaterdirektorin Emmy Werner. Sie tritt als schwarzer Engel auf, ehe sie in der Inszenierung durch einen Schornstein entsorgt wird.
Kritik an der Textkürzung und Dekontextualisierung bei Jelinek
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Laut dem Bericht der FAZ leidet die Inszenierung stellenweise darunter, dass zu viel von Jelinek gestrichen wurde. Die überlangen Kompositionen der Sätze und die offenen Enden der Autorin gingen durch die Kürzungen verloren. So bleibe von „Wolken. Heim. eine pointenlose Dekontextualisierung übrig, bei der Heidegger als Gamsbarthutträger, Hegel als Totalitarismus-Vordenker und Hölderlin als wirrer Irrer dargestellt werden. Die Verknappung mache diese historischen Denker zu bloßen Vorboten, anstatt Jelineks Verweis auf die völkische Instrumentalisierung der Romantik offenzulegen.
Anders verhalte es sich beim Teil über „Rechnitz – Der Würgeengel, Jelineks Stück über das Massaker an 200 jüdischen Zwangsarbeitern durch eine NS-Gesellschaft im Jahr 2008. Dort gelinge es den Darstellern Katharina Kurschat und Maximilian Pulst als Bedienstete, erbarmungslos zu zeigen, wie sich der Blutrausch aus der Sprache entwickelt.
Dokumentartheater und inszenatorische Gegensätze im Volkstheater
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Im zweiten Teil der Aufführung schlägt die Inszenierung eine andere Richtung ein. „Das schweigende Mädchen wird zunächst dokumentartheatralisch reenactet und wechselt dann in einen überillustrierten Slapstick. Darin singt Tjark Bernau als oberbayerisch sprechender Richter seine Selbstrechtfertigung, während Maximilian Pulst als Ermittler Männerwitze auf Thüringisch reißt. Josef Mohamed tritt als Anwalt auf, der sich auf Tirolerisch von sich selbst distanziert, und auch Beate Zschäpes Katzen haben einen Auftritt.
Die FAZ kritisiert, dass Glogers Inszenierung eher auf Autosuggestion als auf Decodierung setze und die Kontinuitäten so unmissverständlich ausstelle, dass das Zuschauergehirn kaum noch reagiere. Das Stück urteile unzweifelhaft, dass eine große Verschwörung hinter den Taten stecke.
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