Tom Cruise übernimmt in der grotesken Satire «Digger» unter der Regie von Alejandro González Iñárritu die Hauptrolle als exzentrischer Ölbaron. Der für den 1. Oktober angekündigte Warner-Bros.-Kinostart bricht mit den Erwartungen des Publikums, spaltet erste Kritiker und sorgt im Vorfeld für spürbare Verschiebungen in den Oscar-Prognosen.
Wenn Tom Cruise besorgt mit seiner kranken, halb tot wirkenden Katze spricht und versucht, ihr mit dem Finger Katzenfutter einzuflößen, ist er kaum zu erkennen. Dass der Schauspieler mit 64 Jahren in Hollywood als Perfektionist gilt und vor schrägen Auftritten nicht zurückschreckt, bewies er bereits 2008 in der Actionkomödie «Tropic Thunder» als glatzköpfiger Studioboss im Fettanzug. In der neuen Produktion von Oscar-Preisträger Alejandro González Iñárritu zeigt er sich nun gänzlich abseits des gewohnten Action-Kosmos.
Handlungswandel und Meta-Kommentar nach dem Kinostart
In dem Film schlüpft Cruise in die Rolle von Digger Rockwell, einem mächtigen und skrupellosen Ölbaron. Durch seine Bohrungen löst er eine globale Katastrophe aus, als eine massive Eisplatte auf Europa rast und Tsunamis auszulösen droht, die Hunderttausende Menschen gefährden könnten. Der von John Goodman cholerisch und herausragend gespielte US-President verlangt von Rockwell, das Desaster zu bereinigen. Nach ungefähr 30 Minuten nimmt der Film jedoch eine unerwartete Wendung, die das Geschehen in ein völlig neues Licht rückt. Statt einer reinen Katastrophenkomödie entwickelt sich der Streifen zu einem grotesken Meta-Kommentar auf die Weltlage, den politischen Größenwahn und die menschliche Anmaßung, die Natur beherrschen zu wollen.
Im Zentrum der Krisenbesprechungen zwischen Rockwell, dem US-Präsidenten und weiteren Offiziellen steht vor allem die Frage, wie sich das öffentliche Narrativ kontrollieren lässt. Die Figuren überlegen gemeinsam, welche Wörter wie etwa Explosion
aus der Kommunikation getilgt werden sollten, um die Erzählung zu den eigenen Gunsten zu formen.

Hochkarätiges Ensemble und visuelle Umsetzung im VistaVision-Format
Neben dem Hauptdarsteller setzt der Film auf eine markante Besetzung. Sandra Hüller spielt Rockwells impulsive Halbschwester und Geschäftspartnerin, die ihn wegen der Krise heftig zusammenstaucht. Regisseur Iñárritu hat das Werk gemeinsam mit dem dreifach mit dem Oscar ausgezeichneten Kameramann Emmanuel Lubezki realisiert. Gedreht wurde der Film vollständig im horizontal laufenden VistaVision-Format auf 35-mm-Film, das Paramount Pictures im Jahr 1954 einführte und das eine doppelt so große Bildfläche wie herkömmliches Filmmaterial bietet.
Gegensätzliche Reaktionen und veränderte Oscar-Chancen
Die ersten Reaktionen auf das ambitionierte Werk fallen stark gespalten aus. Nach einer Pressevorführung im Steven J. Ross Theater auf dem Studiogelände von Warner Bros. in Burbank gerieten die Oscar-Aussichten des Hauptdarstellers ins Wanken.
„His odds on GoldDerby.com have tumbled since the embargo [for social media movie reviews] lifted, leaving him a big hole to dig himself out of — he’s dropped among our experts and overall, including users, too.“
Debra Birnbaum, editor of Gold Derby
Für Iñárritu, dessen letzter englischsprachiger Film das mit Oscars ausgezeichnete Rachedrama The Revenant – Der Rückkehrer
aus dem Jahr 2015 war, markiert Digger
einen massiven kreativen Schritt, der die Kinobesucher am Premierentag herausfordern wird.
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