Die europäische Jupitersonde JUICE absolviert am 28. September 2026 ein nahes Erdvorbeiflug-Manöver in 8.640 Kilometern Höhe über dem Indischen Ozean. Das Manöver der Europäischen Weltraumorganisation spart Treibstoff, beschleunigt die Raumsonde um rund 3,5 Kilometer pro Sekunde und testet wissenschaftliche Instrumente für die geplante Ankunft im Jupitersystem im Jahr 2031.
Treibstoffsparender Schwung aus der Erdanziehung
Die Raumsonde JUICE der Europäischen Weltraumorganisation kommt der Erde bei einem Erd-Vorbeiflug extrem nahe. Das am 28. September 2026 durchgeführte Manöver lenkt die Sonde um rund 20 Grad ab und beschleunigt sie um etwa 3,5 Kilometer pro Sekunde. Ohne diese Schwerkraftmanöver im inneren Sonnensystem wäre ein direkter Flug zum Jupiter kaum machbar, da ein solcher Kurs tonnenweise zusätzlichen Treibstoff verschlingen würde.
Die im April 2023 gestartete Mission trägt den vollständigen Namen Jupiter Icy Moons Explorer und soll im Juli 2031 ihr Ziel erreichen. Vor der Erdpassage musste JUICE eine knapp neunstündige Dunkelphase im Erdschatten überstehen, in der die großen Solarflügel kein Sonnenlicht empfingen und die Stromversorgung ausschließlich über die bordeigenen Batterien laufen musste.
Instrumententests im Erdmagnetfeld und Navigation am Mond
Das Manöver dient nicht nur dem Kurswechsel, sondern auch als intensiver Härtetest für die Technik an Bord. Während des Vorbeiflugs taucht die Sonde tief in das Erdmagnetfeld ein, wodurch die Magnetfeldsensoren unter extremen Bedingungen kalibriert werden können. Die dabei gemessenen Intensitäten von mehr als 3.000 Nanotesla übertreffen Standardüberprüfungen um das Tausendfache.
Drei der zehn Messinstrumente wurden vom Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz mitentwickelt. Werner Magnes vom Grazer Institut betont die Bedeutung dieser Testphase für den späteren Einsatz im Jupitersystem.

Die Werte sind um den Faktor tausend größer als bei den Standardüberprüfungen und ermöglichen einen perfekten Test der Magnetfeldsensoren unter Bedingungen, wie wir sie später auch in der Umlaufbahn um den Jupitermond Ganymed vorfinden werden.
Werner Magnes, Institut für Weltraumforschung in Graz
Zusätzlich testet das Kontrollteam die optische Navigation der Raumsonde. Mithilfe der Navigationskamera wird der Horizont des Erdmonds anvisiert, um die Ausrichtung für den späteren Flug um die Jupitermonde zu optimieren. Österreich steuert neben den Messgeräten auch die Thermalisolation bei, die vom Weltraumzulieferer Beyond Gravity im niederösterreichischen Berndorf gefertigt wurde und die Sonde vor extremen Temperaturschwankungen schützt.
Präzise Vorbereitung und der letzte Kurswechsel vor Jupiter
Die Vorbereitungen der Raumfahrtagentur liefen über Wochen hinweg. Operationsleiterin Angela Dietz berichtete, dass von sechs geplanten Zeitpunkten für optionale Kurskorrekturen lediglich ein einziger kleiner Eingriff rund vier Wochen vor dem Vorbeiflug nötig war, um JUICE exakt auf Kurs zu bringen.

Für die weitere Reise sind die Weichen gestellt. Nach dem aktuellen Manöver und einer letzten, für Januar 2029 geplanten Erdpassage nimmt die Raumsonde endgültig Kurs auf den größten Planeten unseres Sonnensystems. Dort wird sie die Eismonde Ganymed, Europa und Kallisto untersuchen, deren unterirdische Ozeane als potenzielle Lebensräume gelten.