Die irische Fußballnationalmannschaft hat am Sonntag in Debrecen ein von Boykottdiskussionen und scharfen Kontroversen begleitetes UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel mit 3:0 gewonnen. Die Spieler liefen mit schwarzen Armbinden auf, senkten während der israelischen Nationalhymne die Köpfe und verweigerten den traditionellen Handshake.
Das sportliche Geschehen trat bei dem Duell in Ungarn spürbar in den Hintergrund, nachdem die Vorbereitung der irischen Auswahl von tagelangen Debatten, heftigem Druck von Fandachverbänden und teaminternen Krisensitzungen geprägt war. Während die Begegnung auf neutralem Boden ohne größere Probleme über die Bühne ging, lieferten die äußeren Umstände und die demonstrativen Gesten der irischen Spieler reichlich Gesprächsstoff. Die „Irish Times“ sprach von einer trostlosen Farce
, die bei Beobachtern ein Gefühl der Bitterkeit hinterlassen habe.
Proteste auf dem Platz und Gavin Bazunus Alleingang
Bereits beim Betreten des Platzes im fast leeren Stadion in Debrecen war die sportliche Normalität aus dem Spiel genommen. Die irischen Spieler verzichteten im Rahmen des 3:0-Sieges auf den obligatorischen Handschlag mit den israelischen Gegenspielern, hielten während der gegnerischen Hymne die Blicke starr auf den Rasen gerichtet und trugen schwarze Armbinden. Nach dem dritten Treffer zog Torschütze Jack Moylan seine Binde ab und küsste sie vor laufenden Kameras.

Der Boykottdruck im Vorfeld hatte tiefe Spuren hinterlassen. Mehr als 160 irische Athleten hatten in einem offenen Brief der Gruppe „Irish Sport for Palestine ein Fernbleiben gefordert. Letztlich trat die Mannschaft nach einer intensiven Abstimmung zwar an, verzeichnete jedoch einen prominenten Ausfall. Ersatztorwart Gavin Bazunu zog sich kurz vor der Partie zurück und begründete seinen Schritt öffentlich über Instagram.
Meine Entscheidung beruht einzig auf meiner persönlichen Überzeugung, dass die Tötung unschuldiger Menschen falsch ist. Es ist wichtig festzustellen, dass sich meine Haltung nicht gegen das israelische Volk oder die jüdische Gemeinschaft richtet, sondern gegen die Gräueltaten in der Region.
Gavin Bazunu, Torwart der Republik Irland, via Instagram und Balls
Im Kader selbst war Bazunu damit der einzige Spieler, der die Konsequenzen zog.
Harte Worte in den Medien und hitzige Duelle auf dem Rasen
Die sportliche Entscheidung auf dem Feld fiel bereits im ersten Durchgang. Troy Parrott brach in der 13. Minute den Bann, Adam Idah erhöhte nur drei Minuten später auf 2:0, ehe Jack Moylan in der 25. Minute den Endstand herstellte. Doch die sportliche Dominanz der Iren trat hinter den emotionalen Begleiterscheinungen zurück. Nach der Pause benötigte Torhüter Caoimhín Kelleher sein gesamtes Können, um israelische Angriffe abzuwehren, während die Stimmung auf dem Platz spürbar abkühlte.

Auch verbal saß die Enttäuschung tief.
Das alles beruht auf Unwissenheit.
Daniel Peretz, israelischer Nationaltorhüter, via RTL
Israels Kapitän Manor Solomon hielt sich mit Blick auf mögliche Sperren zwar zurück, ließ jedoch durchblicken, dass die Atmosphäre von gegenseitiger Ablehnung geprägt war: Offensichtlich hassen sie uns.
Interne Abstimmungen und das bevorstehende Rückspiel in Serbien
Hinter den Kulissen der Football Association of Ireland (FAI) stand die Austragung des Spiels auf der Kippe. Der FAI-Vorsitzende David Courell bestätigte schließlich, dass ein Votum der Spieler mit einer deutlichen Mehrheit für die Austragung ausfiel – wenngleich die Rahmenbedingungen extrem belastend waren.
Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson sprach gegenüber Medienvertretern von der wahrscheinlich schlechtesten Vorbereitung, die man sich vorstellen kann
. Hallgrimsson selbst war in den Tagen zuvor ins Visier der Kritik geraten, nachdem er in einem Interview äußerte, sein Team spiele gegen Völkermord
– eine Wortwahl, die vom israelischen Verband scharf als Ignoranz, Heuchelei und Dummheit
verurteilt worden war.
Die UEFA hatte den Antrag der FAI, beide Mannschaften in künftigen Auslosungen getrennt zu halten, zuvor abgelehnt. Nach dem Auftaktspiel in Ungarn blickt der Verband nun auf das Rückspiel am 4. Oktober, das als Heimspiel für die Republik Irland ebenfalls auf neutralem Boden in Backa Topola, Serbia, ausgetragen werden muss – dort allerdings gänzlich hinter verschlossenen Türen.
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