Südkorea hat von der Ukraine eine offizielle Erklärung sowie eine Entschuldigung gefordert, nachdem Präsident Wolodymyr Selenskyj die Verlegung von zwei nordkoreanischen Kriegsgefangenen einseitig öffentlich gemacht hatte. Seoul wirft Kiew vor, damit ein zuvor vereinbartes Vertraulichkeitsabkommen gebrochen zu haben.
Die Enthüllung vor der UNO und Seouls heftige Reaktion
Der diplomatische Streit entbrannte, nachdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj während der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York die Verlegung zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener an Südkorea öffentlich ansprengte.
Die Reaktion aus Seoul folgte prompt und scharf. Der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung machte seinem Ärger über die Durchdringung der Absprachen öffentlich Luft. In einem Beitrag auf der Plattform X erklärte er, dass es in jeder Hinsicht angemessen gewesen sei, die Angelegenheit nicht öffentlich zu machen. Angesichts der potenziellen Folgen sei das Vorgehen der Ukraine eine schwere Enttäuschung.
Ich weiß nicht, warum die ukrainische Seite das Abkommen gebrochen und die Sache öffentlich gemacht hat, aber das ist sehr enttäuschend.
Konflikt über die Geheimhaltungsvereinbarung und Kiews Argumentation
Im Zentrum des Streits steht die Frage, ob eine offizielle Vertraulichkeitsvereinbarung existierte. Während Seoul vehement darauf beharrt, dass die Modalitäten des Gefangenentransports im Voraus auf Vertraulichkeit ausgelegt waren, widerspricht die ukrainische Seite dieser Darstellung. Seong Ghi-hong, der leitende Sekretär des Präsidenten für Öffentlichkeitsarbeit, erklärte in einer Erklärung, dass das anschließende Bestreiten einer Geheimhaltungsvereinbarung durch Kiew das Vertrauen zwischen den beiden Regierungen schwer beschädigt habe.

Dagegen hielt Dmytro Lytvyn, ein Kommunikationsberater des ukrainischen Präsidenten, fest, dass die Ukraine ein offenes Land sei und es als ungewöhnlich empfunden werde, Soldaten heimlich zu übergeben. Lytvyn betonte laut Berichten, dass man lediglich die Tatsache selbst kommuniziert habe, dass die Personen in die Republik Korea geschickt worden seien.
Hintergrund der Gefangennahme und geostrategische Risiken
Die betroffenen nordkoreanischen Soldaten waren im Januar 2025 von ukrainischen Streitkräften in der russischen Region Kursk festgenommen worden. Sie gehörten zu den ersten Einheiten, die Pjöngjang zur Unterstützung der russischen Truppen entsandt hatte. Nach südkoreanischen Geheimdienstinformationen hat Nordkorea seit 2024 schätzungsweise 14.000 bis 15.000 Soldaten an die Front geschickt, wobei erhebliche Verluste zu verzeichnen sind.

Experten wie Professor Park Won-gon von der Ewha Womans University weisen darauf hin, dass das Bekanntwerden der Rückkehr in den Süden die Feindseligkeiten gegenüber Seoul weiter anheizen könnte, da Pjöngjang die eingesetzten Soldaten für die eigene Regierungs- und Heldenpropaganda nutzt.
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