Wissenschaftler haben untersucht, ob sich die Parkinson-Krankheit über chemische Stoffe im menschlichen Körpergeruch erkennen lässt. Eine Analyse von Hautproben aus dem Bauchnabel zeigte bei einer kleinen Gruppe von Patienten auffällige Muster, wobei Experten weitere Studien fordern, um einen verlässlichen Frühtest zu entwickeln.
Chemische Fingerabdrücke und flüchtige organische Verbindungen
Der menschliche Körper gibt permanent winzige Moleküle über Schweiß und Hautfett ab. Diese flüchtigen organischen Verbindungen entstehen im Zuge normaler Stoffwechselprozesse. Da sich im Bauchnabel Talg, Schuppen, Schweiß und Bakterien anreichern, dient die Region in der aktuellen Forschung als eine Art chemischer Fingerabdruck des Organismus.
Ein Team um Thorsten Graunke vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) untersuchte diese Hautausdünstungen, um herauszufinden, ob sich bestimmte Erkrankungen anhand des Geruchsmusters identifizieren lassen. Die beteiligten Forscher sehen in solchen spezifischen Körpergerüchen mögliche frühe diagnostische Warnzeichen für neurologische und kognitive Veränderungen.
Ergebnisse der Probenanalyse bei gesunden und erkrankten Teilnehmern
Für die Untersuchung entnahmen Forscher mit Wattestäbchen Proben aus dem Ohr, der Nase und dem Bauchnabel von insgesamt 24 Personen. Die Testgruppe setzte sich aus sechs Parkinson-Patienten, sechs Probanden mit leichter kognitiver Beeinträchtigung, sechs Covid-19-Patienten sowie sechs gesunden Vergleichspersonen zusammen.
Mithilfe eines laserbasierten Messverfahrens analysierten die Wissenschaftler die enthaltenen flüchtigen Stoffe. Die Auswertung ergab, dass sich die Proben aus der Nase und dem Bauchnabel besonders deutlich zwischen den Gruppen unterschieden. Bei den Bauchnabelproben wichen gesunde Teilnehmer und Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen am stärksten voneinander ab. Die Werte der Parkinson-Proben lagen im Mittelfeld und wiesen teilweise Überschneidungen mit anderen Gruppen auf. Zusätzliche, zwei Wochen später genommene Proben von drei Parkinson-Patienten bestätigten das zuvor festgestellte Muster.
Einordnung durch die Universitätsmedizin Essen
Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz leitet als Direktor die Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen und ist Professor für Neurologie an der Universität Duisburg-Essen. Er hält den Ansatz trotz des ungewöhnlichen Ausgangspunkts für wissenschaftlich begründet.
Dass unser Bauchnabel einmal bei der Früherkennung von Parkinson helfen könnte, klingt kurios – ist wissenschaftlich aber durchaus plausibel.
Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen
Er verweist darauf, dass die Parkinson-Erkrankung nicht nur Bewegungszentren im Gehirn beeinträchtigt, sondern auch das vegetative Nervensystem sowie den Stoffwechsel. Zudem sind bei Betroffenen eine veränderte Talgproduktion der Haut und Auffälligkeiten im Fettstoffwechsel bekannt, was den spezifischen Geruch erklären könnte.
Dennoch mahnt der Experte zur Vorsicht bei der Interpretation der Daten. Mit lediglich sechs untersuchten Parkinson-Patienten sei man von einem echten und marktreifen Test noch weit entfernt. Auch die Autoren der Studie betonen, dass umfangreichere Untersuchungen erforderlich sind, um Einflüsse wie das Alter, den genauen Krankheitsverlauf oder alltägliche Umwelteinflüsse wie Seifen und Parfüms eindeutig von den krankheitsbedingten Geruchsmustern zu trennen.
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