Volkswagen, Audi und Seat rufen weltweit Millionen Fahrzeuge wegen einer fehleranfälligen Lenkungsverschraubung zurück. In der Schweiz sind rund 66’000 Autos von dem Sicherheitsmangel betroffen, der im schlimmsten Fall zum Ausfall der Lenkung führen kann. Der Austausch der betroffenen Schraube in einer Markenwerkstatt ist für Fahrzeughalter kostenlos.
Wegen einer potenziell korrosionsanfälligen Flanschschraube am Lenkgetriebe müssen weltweit mehr als 2,8 Millionen Fahrzeuge überprüft werden. In der Schweiz summieren sich die betroffenen Wagen nach Angaben verschiedener Hersteller und Importeure auf etwa 66’000 Einheiten.
Das technische Problem: Wenn Feuchtigkeit die Lenkung gefährdet
Im Zentrum des Rückrufs steht eine Befestigungsschraube, die das Lenkgetriebe mit dem Vorderachsträger verbindet. Konkret geht es um die Flanschschraube M12 × 1,5 × 70 mit der Teilenummer N10552402, wie die «Bild» berichtet. Ihr Verkaufspreis liegt zwar bei umgerechnet nur 5,76 Franken. Die Funktion der Schraube ist jedoch sicherheitsrelevant, hält sie doch Teile der Lenkung zusammen. Unter Umwelteinflüssen wie Nässe und Streusalz kann über die Jahre Feuchtigkeit in den Bereich eindringen. Die Beschichtung einzelner Schrauben kann dadurch Schaden nehmen, was zu Rostbildung führt.
Schreitet diese Korrosion über einen langen Betriebszeitraum unbemerkt fort, kann der Schraubenkopf unter hoher Belastung abbrechen. In einem solchen Extremfall ist das Lenkgetriebe nur noch an einem verbleibenden Befestigungspunkt fixiert, was zu Beschädigungen am Gehäuse und im schlimmsten Fall zum Verlust der Lenkfähigkeit führen kann. Der Volkswagen-Konzern hat die Auffälligkeit nach eigenen Angaben bei internen Qualitätsprüfungen entdeckt.
Marken und betroffene Modelle in der Schweiz
Die Aktion erstreckt sich über mehrere Marken des VW-Konzerns. Weltweit ruft VW fast 2,16 Millionen Fahrzeuge zurück und Audi fast 700.000. Bei Volkswagen sind es mehr als 2,1 Millionen Fahrzeuge, bei der VW-Tochter Audi sind es weltweit mehr als 696’000 Autos. In der Schweiz sind die Fahrzeuge über den Generalimporteur Amag sowie weitere Vertriebswege organisiert. Der Autoimporteur Amag bestätigt auf Anfrage von Nau.ch: Der Rückruf betrifft auch die Schweiz! Die Amag führt einen Rückruf in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) durch. Betroffen sind Produktionszeiträume, die zum Teil mehrere Jahre zurückreichen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) erwartet die offizielle Rückrufmeldung des Importeurs in den kommenden Tagen, während die Marken die Halter bereits informieren.

| Marke | Modelle | Produktionszeitraum | Schweizer Bestand |
|---|---|---|---|
| Volkswagen | Tiguan, Touran, Golf, Golf Variant, Caddy | 24. September 2013 – 1. Juli 2024 | 40’073 Autos |
| Audi | Q3 | 31. Oktober 2017 – 23. Mai 2024 | 8’619 Autos |
| Skoda | Unbekannt | Unbekannt | rund 13’700 Autos |
| Seat | Ateca, Tarraco | April 2016 – September 2024 | 3’651 Autos |
Kostenlose Reparatur und Ersatzteilverfügbarkeit in den Werkstätten
Betroffene Fahrzeughalter erhalten in den kommenden Wochen ein Informationsschreiben mit der Bitte, umgehend ihren Volkswagen-Partner aufzusuchen und diese Schraube ersetzen zu lassen. Die vorhandene Verschraubung wird vor Ort kontrolliert und durch eine korrosionsbeständigere Ausführung ersetzt. Für die Kundschaft ist dieser Eingriff vollständig kostenlos.

Die eigentliche Arbeitszeit in der Werkstatt ist überschaubar. Der Austausch der Schraube erfolgt kostenlos in der Markenwerkstatt und dauert rund eine halbe Stunde. Da jedoch der Unterfahrschutz demontiert, die Verschraubung geprüft und die Massnahme im System dokumentiert werden muss, nimmt der Termin etwa eine halbe Stunde in Anspruch. Unklar bleibt zunächst, ob die korrosionsresistenteren Ersatzschrauben in ausreichender Stückzahl sofort verfügbar sind. Sollte es zu Engpässen kommen, könnte in Einzelfällen vorübergehend nochmals eine Schraube der bisherigen Bauart eingesetzt werden, was später einen zweiten Werkstatttermin erforderlich machen würde.
Bislang sind weder in der Schweiz noch international Personenschäden oder grössere Sachschäden im Zusammenhang mit der defekten Lenkungsverschraubung bekannt geworden. Bislang sind keine Sach- oder Personenschäden im Zusammenhang mit dem Mangel bekannt, heißt es beim KBA. Das Amt spricht von weltweit 2.159.054 und deutschlandweit: 895.832 „potenziell betroffenen“ Fahrzeugen.”
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