Steigende Rohölpreise und anhaltende Sorgen über die US-Geldpolitik dämpften die Stimmung an der Wiener Börse.
ATX verliert nach Rekordhoch
Nach einem rasanten Auftakt zu Wochenbeginn, bei dem der österreichische Leitindex ATX neue Höchststände markierte, hat der Handel an der Wiener Börse eine Kehrtwende vollzogen. Am Mittwoch schloss der Markt im Minus, belastet durch internationale Vorgaben und steigende Energiepreise. Im frühen Handel hatte der ATX noch mit einem Sprung über die psychologisch wichtige Schwelle von 7.000 Punkten ein historisches Rekordhoch erreicht, bevor Gewinnmitnahmen und eine eingetrübte Marktstimmung das Parkett erfassten.
Ölpreise und Zinsängste belasten den Handelsverlauf
Für den Stimmungswechsel an den europäischen Börsen zeichneten vor allem anziehende Rohölnotierungen verantwortlich. Der Preis für die Nordseesorte Brent kletterte erstmals seit Juli wieder über die Marke von 100 US-Dollar. Marktbeobachter verwiesen auf anhaltende Sorgen vor Produktions- und Transportstörungen, nachdem unter anderem das libysche Al-Tahar-Ölfeld infolge der erzwungenen Sperrung der Hamada-Zawiya-Pipeline geschlossen worden war, wie die staatliche Ölgesellschaft National Oil mitteilte. Als Haupttreiber gilt zudem der Iran-Krieg, während eine Öffnung der Straße von Hormuz nicht in Sicht ist.

Die Skepsis nimmt zu, dass die Ölpreise in den kommenden Monaten deutlich zurückgehen.
Jim Reid, Stratege bei der Deutschen Bank
Hinzu kommen geldpolitische Unsicherheiten. Nach Angaben von Marktstrategen blicken die Anleger gebannt auf die anstehenden Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed sowie der Europäischen Zentralbank. Eine Zinserhöhung durch die Fed war an den Märkten bereits zu 90 Prozent eingepreist, gestützt durch jüngste Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten. In Amerika haben die jüngsten Inflationsdaten dazu geführt, dass die Märkte eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed als wahrscheinlicher erachten
, stellte Ann-Katrin Petersen, Kapitalmarktstrategin bei Blackrock, fest. Auch für die EZB rechneten Marktteilnehmer fest mit einer geldpolitischen Straffung.
Unternehmensmeldungen und Branchenentwicklungen in Wien
Agrana und Porr an der Wiener Börse
Abseits des breiten Markttrends prägten spezifische Unternehmensnachrichten und Umschichtungen das Geschehen an der Wiener Börse. Der Zuckerkonzern Agrana gab den Erwerb des Aromaherstellers Esarom bekannt; Agrana-Titel gaben im Anschluss um 0,9 Prozent nach. Der Baukonzern Porr verzeichnete einen deutlichen Kursabschlag von 7,8 Prozent, nachdem Analysten der Erste Group die Emission einer hybriden Wandelanleihe mit einem Volumen von bis zu 150 Millionen Euro kurzfristig als belastend gewertet hatten. Bei vollständiger Wandlung könnte dies eine Verwässerung von rund 8 Prozent zur Folge haben.

Unter den schwergewichteten Bankenwerten zeigte sich ein gemischtes Bild. Während die Raiffeisen Bank International (RBI) ein Plus von 1,5 Prozent verzeichnete, gaben die Papiere der Bawag um 1,5 Prozent nach. Die Erste Group schloss mit einem moderaten Plus von 0,8 Prozent. Im Energiesektor profitierten die Aktien der OMV von den gestiegenen Ölpreisen und legten um 1,1 Prozent zu.
Konjunkturstimmung und die Forderungen des Flughafens Wien
Unicredit Bank Austria und Flughafen Wien
Die wirtschaftliche Grundstimmung in Österreich bleibt indessen verhalten. Der Konjunkturindikator der Unicredit Bank Austria verbesserte sich im August zwar leicht auf minus 0,7 Punkte (nach minus 0,8 Punkten im Vormonat), verharrte jedoch im negativen Bereich. Der Indikator erreiche den höchsten Stand seit Beginn des US-Angriffs auf den Iran und der Blockade der Straße von Hormuz
, erklärt.
Zusätzliche wirtschaftspolitische Debatten lieferte der Flughafen Wien. Vorstand Julian Jäger richtete einen dringenden Appell an die Bundesregierung, die Flugabgabe spürbar zu senken. Die im Bundesbudget reservierten 30 Millionen Euro jährlich seien unzureichend, um das aktuelle Passagierminus abzufangen. Eine Halbierung der Ticketsteuer würde dem Finanzminister nach Berechnungen des Managements unter dem Strich höhere Einnahmen bescheren, als sie kosten würde. Die Aktie des Flughafenbetreibers blieb im Tagesverlauf unbewegt.
Auch interessant