Der Drohnenhersteller Stark Defence bereitet die erste Auslieferung von herumlungernder Munition
an die Bundeswehr vor. Die erste Tranche im Wert von 275 Millionen Euro ist für die in Litauen stationierte deutsche Brigade bestimmt. Die unbemannten Systeme sollen dort im November bei einem NATO-Manöver zum Einsatz kommen.
Die Bundeswehr steht vor einer massiven Verstärkung ihrer Drohnenkapazitäten. Wie das Berliner Rüstungsunternehmen Stark Defence bekannt gab, soll demnächst die erste Lieferung von Kampfdrohnen an die deutschen Streitkräfte anlaufen. Das Vorhaben ist Teil eines milliardenschweren Rüstungsprojekts, das den akuten Nachholbedarf der Bundeswehr bei unbemannten Waffensystemen decken soll.
Milliarden-Rahmenvertrag und erste Tranche für Litauen
Insgesamt hat Stark Defence mit der Bundeswehr einen Rahmenvertrag über 2,9 Milliarden Euro vereinbart. Für eine Milliarde Euro davon hat der Deutsche Bundestag bereits grünes Licht gegeben. Die nun bevorstehende erste Charge hat einen Wert von 275 Millionen Euro, wie der Senior Vice President des Unternehmens, Josef Kranawetvogl, bei der Essener Rüstungsmesse Euro Defence Expo (Eudex) mitteilte.
Die ersten unbemannten Fluggeräte gehen direkt an die Bundeswehr-Brigade, die in Litauen stationiert ist. Bereits im November ist eine NATO-Übung in dem baltischen Staat geplant, bei der die Systeme im Einsatz sein werden. Bei solchen Manövern fliegen die Drohnen ohne Sprengstoff und können dank kleiner Propeller an ihren vier Flügeln nach dem Flug regulär wieder landen.
Technische Daten der Virtus-Kampfdrohne
Bei den georderten Systemen handelt es sich um Loitering Munition
, im deutschen Sprachgebrauch auch als herumlungernde Munition
oder Kamikaze-Drohne bezeichnet. Das verwendete Modell trägt den Namen Virtus.

- Reichweite und Flugdauer: Die Drohne kann Herstellersangaben zufolge bis zu 75 Minuten in der Luft bleiben und eine Strecke von bis zu 130 Kilometern zurücklegen.
- Einsatzmodus: Spätestens nach Ablauf der Flugzeit soll sie sich auf ein feindliches Ziel stürzen und explodieren. Wird bis dahin kein Objekt erkannt, stürzt sie an einem unbedrohten Ort ab.
- Gewicht und Start: Das Fluggerät wiegt bis zu 33 Kilogramm und hebt mithilfe kleiner Propeller an vier Flügeln ab.
- Kosten: Der Stückpreis pro Virtus-Drohne liegt nach Unternehmensangaben bei unter 100.000 Euro.
Neben Stark Defence hatten im Zuge dieser Großbestellung auch die Rüstungskonkurrenten Helsing und Rheinmetall milliardenschwere Verträge erhalten, um die Truppe mit moderner Drohnentechnologie auszustatten.
Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Rolle im modernen Gefecht
Angesichts des anhaltenden Personalmangels in westlichen Streitkräften sieht der Rüstungshersteller in unbemannten Systemen eine wichtige Entlastung. Drohnen seien dabei als Ergänzung und nicht als Ersatz für schweres Gerät wie Artillerie und Kampfpanzer gedacht, betonte Manager Kranawetvogl.
Ein Operator kann mit softwareunterstützten KI-Mechanismen mehrere Drohnen steuern.
Josef Kranawetvogl, Senior Vice President bei Stark Defence
Dabei behalte der Mensch jedoch stets die Kontrolle. Die mit zwei Kameras ausgerüstete Virtus-Kampfdrohne ist zudem mit separaten Aufklärungsdrohnen vernetzt, welche die Zielzuweisung übernehmen können. Im Vergleich zu den Kosten für moderne Kampfpanzer, die im Millionenbereich liegen, biete der Einsatz von Drohnen unter 100.000 Euro pro Stück einen erheblichen finanziellen Vorteil.
Taktiken gegen Panzerschutz und ukrainische Kriegserfahrung
Das Unternehmen Stark Defence wurde erst im Jahr 2024 als Start-up gegründet und beschäftigt mittlerweile 750 Mitarbeiter. Neben dem Hauptsitz in Berlin unterhält die Firma Produktionsstandorte in Großbritannien, Schweden und Griechenland sowie zwei geheime Werke im Raum Kiew. Die Virtus-Drohne ist nach Unternehmensangaben bereits im Ukraine-Krieg im praktischen Einsatz.
Die dortigen Kampferfahrungen treiben auch die ständige Weiterentwicklung der Waffensysteme und Schutzmaßnahmen voran.
Und selbst wenn das nicht gelingt: Drohnen sind normalerweise als Schwärme unterwegs, also zwei, drei oder vier Drohnen zusammen – hat eine von ihnen den Käfig zerstört, kann sich die zweite auf den Panzer stürzen.
Josef Kranawetvogl, früherer Bundeswehr-Offizier und Stark-Manager
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