Die Regierung der Vereinigten Staaten stand nach Medienberichten kurz vor einer umfassenden Angriffswelle gegen die Huthi-Miliz im Jemen. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtete, hatte US-Präsident Donald Trump seine anfängliche Ablehnung neuer Militärschläge in der Region kurzzeitig aufgegeben. Grund für das Einlenken war ein Hilferuf aus Saudi-Arabien, das das Weiße Haus zuvor um Unterstützung gebeten hatte.
Drohende US-Militärschläge in letzter Sekunde abgewendet
Den Angaben zufolge hatten US-Kommandeure die entsprechenden Ziellisten bereits genehmigt, und die Angriffswelle stand unmittelbar vor dem Start. Am Sonntag nahm Trump jedoch wieder Abstand von dem Vorhaben und entschied sich gegen eine Beteiligung an den Angriffen. Großteile aus dem engsten Kreis des US-Präsidenten hatten einer Intervention zuvor skeptisch gegenübergestanden oder diese gänzlich abgelehnt, was unter anderem mit den Belastungen begründet wurde, denen das US-Militär im Krieg mit dem Iran bereits ausgesetzt ist.
Zusicherung der Huthis und politisches Dilemma für Trump
Parallel dazu gab es Verhandlungen und direkte Signale zwischen den Konfliktparteien. Laut einem Bericht des Fernsehsenders Fox News hat die jemenitische Huthi-Miliz den USA zugesichert, keine US-Ziele anzugreifen. Reporter Trey Yingst berief sich dabei auf Aussagen von Präsident Trump, wonach die US-Regierung in ständigem Dialog mit den Huthis stehe und diese zugestimmt hätten, nicht gegen die Vereinigten Staaten zu kämpfen.

Für die US-Regierung spiegelt sich in den Vorgängen ein schweres Dilemma wider. Zwar sprach gegen einen US-Militäreinsatz, dass die Huthi-Miliz keine US-Ziele ins Visier nahm. Andererseits gab es Argumente, wonach eine Unterstützung Saudi-Arabiens im Kampf gegen die Miliz die Hoffnung auf Hilfe des Königreichs im Iran-Krieg stärken könnte. Mit Blick auf die im November bevorstehenden Midterms gilt der Konflikt in den USA jedoch als unpopulär, zumal gestiegene Spritpreise die Republikaner zusätzlich unter Druck bringen.
Eskalation zwischen Saudi-Arabien und der Huthi-Miliz
Auslöser der jüngsten Krisenspeicherung waren massive Angriffe der Huthi-Miliz auf saudi-arabisches Territorium. Die Huthi-Miliz hatte nach eigenen Angaben wichtige Ziele in Riad sowie Ölanlagen am Roten Meer attackiert, darunter Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco in der Hafenstadt Janbu. Augenzeugen und offizielle Stellen berichteten von Explosionen und Rauchsäulen nahe dem internationalen Flughafen von Riad, wo ein Treibstofftank in Brand geraten war. Die Attacken erfolgten als Reaktion auf mehr als 700 saudische Luftangriffe im Jemen, wie Vertreter der Miliz mitteilten.
Die saudische Luftabwehr fing nach Angaben des Sprechers der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition, Turki al-Malki, eine in Richtung Riad abgefeuerte Rakete ab, während weitere Angriffe auf Janbu und andere Städte ebenfalls abgewehrt wurden. Zuvor hatten die Huthis zudem im Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verkündet und im Zuge einer Blitzoffensive gegen jemenitische Regierungstruppen große Teile der Küste an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle gebracht.
Auswirkungen auf den Welthandel und regionale Bündnisse
Die Kämpfe und Seeblockaden in der Region haben gravierende Folgen für den internationalen Schiffsverkehr und die globale Energieversorgung. Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean und dient als wesentliche Exportroute für saudi-arabisches Öl. Ihre Bedeutung stieg zusätzlich, da die Straße von Hormus am Persischen Golf bereits seit fast sieben Monaten weitgehend blockiert ist. Infolgedessen zogen die Öl- und Benzinpreise auf den Weltmärkten an.
Saudi-Arabien, das die international anerkannte jemenitische Regierung unterstützt, gerät durch die militärische Bedrängnis zunehmend unter Druck. Neben den Angriffen der Huthi schlugen im Zuge des Konflikts auch Raketen und Drohnen in der Pilgerstadt Mekka und an weiteren saudi-arabischen Standorten ein. Angesichts der angespannten Sicherheitslage versuchen die Saudis, ihre Allianzen auszubauen, blieben bei externen Partnern wie den Teilnehmern des neu geschlossenen Mekka-Militärpakts jedoch vorerst ohne unmittelbare militärische Unterstützung direkt gegen die Huthis.
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