Die Renditen 30-jähriger Staatsanleihen stehen im Fokus der globalen Finanzmärkte, da hohe Zinsen und die Staatsverschuldung der USA die Märkte bewegen. Marktbeobachter verweisen jedoch auf historische Medianwerte und robuste Nettozinsmargen der Banken, während das Finanzministerium mit Rückkäufen steuert.
Hohe Renditen und Zinsniveau im historischen Vergleich
Die Renditen für langlaufende Staatsanleihen sorgen international für Gesprächsstoff. In den Vereinigten Staaten bewegen sich 30-jährige Staatstitel über der Marke von 5 Prozent, während in Großbritannien knapp 6 Prozent erreicht werden und in Deutschland ein Niveau von nahezu 4 Prozent ansteht. Für Haushalte, die feste Hypothekenzinsen aufnehmen – typischerweise bepreist zu einem Aufschlag auf diese Renditen –, ist dies eine spürbare Belastung, und Analysten diskutieren intensiv über mögliche fiskalische Krisen.
Trotz der hohen Zahlen zeigt ein genauer Blick auf die Marktmechanismen ein anderes Bild: Investoren fordern 5 Prozent, um Geld für drei Jahrzehnte anzulegen, weil sie fast 4 Prozent allein durch das Belassen in Bargeld erhalten können. Die Federal Reserve hält den Leitzins in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent, die Investoren problemlos in Geldmarktfonds erhalten können. Die Differenz zwischen diesem Niveau und den 30-jährigen US-Treasuries beläuft sich auf lediglich 1,6 Prozentpunkte. Dies entspricht fast exakt dem historischen Median seit der ersten Emission dieses Papiers durch die USA im Jahr 1977.
Andere Kräfte beeinflussen ebenfalls die langfristigen Renditen, wie etwa KI-Hyperscaler, die mehr Schulden zu diesen Laufzeiten begeben. Schätzungen der Federal Reserve für die sogenannte „Term Premium“ bei 10-jährigen Treasuries zeigen jedoch, dass diese seit den Tagen der Nullzinspolitik deutlich gestiegen, nach historischen Maßstäben aber nicht zu hoch ist. Ähnliche Muster zeigen sich an anderen Orten. Selbst in Großbritannien, das wegen seiner anfälligen Politik unter besonderer Beobachtung stand, betrug der Abstand zwischen 30-jährigen Anleihen und den Übernachtzinsen 2 Prozentpunkte; das ist zwar hoch, liegt aber unter den Werten zwischen 2010 und 2015.
Staatsverschuldung und Reaktionen an den Anleihemärkten
Einige Analysten führen den Renteneinbruch auf saftige Haushaltsdefizite zurück, die das Risiko einer potenziellen Fiskalkrise erhöhen. In einem X-Post am Dienstag gab der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard, eine Vorschau auf seine anstehende Arbeit. Diese versucht zu erklären, warum Investoren die Finanzierung von Regierungen trotz augenöffnend hoher öffentlicher Schulden nicht gestoppt haben. Er führte aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines staatlichen Zahlungsausfalls allmählich steigt, nach Überschreitung einer bestimmten Schuldenhöhe jedoch plötzlich 100 Prozent erreichen kann, wobei dieses Niveau bei pessimistischer Anlegerstimmung rasch nach unten kippen kann.
Dennoch ist ein solcher Moment keineswegs nah oder gar plausibel. Die Diskussion über die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen erhielt neue Nahrung, nachdem die offizielle US-Gesamtverschuldung in dieser Woche die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten hat. Von Seiten der Trump-Administration kam die Ankündigung, in dieser oder nächster Woche einen verstärkten Fokus auf die Haushaltskonsolidierung vorzustellen. Doch das bietet wenig Trost, wenn man betrachtet, dass der Anstieg von 30 auf 40 Billionen Dollar nur vier Jahre dauerte, während es zuvor fünf Jahre von 20 auf 30 Billionen, neun Jahre von 10 auf 20 Billionen und 27 Jahre von 1 auf 10 Billionen gedauert hatte. Ökonomen weisen darauf hin, dass die Schulden nun exponentiell wachsen. Dennoch sehen Marktbeobachter keinen unmittelbaren Zahlungsausfall heraufziehen; die USA sind nach wie vor die größte Volkswirtschaft der Welt und verfügen über beträchtliche Vermögenswerte, sodass notfalls Optionen wie der Verkauf von ein paar Flugzeugträgern, einem Nationalpark oder dem Exemplar der Magna Carta bestünden.
August einschritt, um einen Einbruch im Markt für langfristige Schulden einzudämmen. Nach der Ankündigung, Schuldtitel mit Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren zurückzukaufen und die Emission stattdessen stärker auf kurzfristige Bills zu konzentrieren, fielen die Renditen am Mittwoch. Am 20. August), in Deutschland bei 3,7565 Prozent (gegenüber 3,7707 Prozent) und in Großbritannien bei 5,7887 Prozent (gegenüber 5,8334 Prozent), nachdem erneute Konflikte im Nahen Osten die Investoren zu Wochenbeginn pessimistisch gestimmt hatten. Auch die 30-jährigen Hypothekenzinsen von 6,7 Prozent könnten schlicht die neue Normalität darstellen.
Die Perspektive der Banken und Nettozinsmargen
Während Anleger und Häuslebauer unter den Zinsen leiden, ist die Ironie dieses düsteren Szenarios, dass steigende Renditen für Banken durchaus vorteilhaften Charakter besitzen. US-Banken als Gruppe verzeichneten laut S&P Capital IQ ihre besten medianen Nettozinsmargen (NIM) der letzten zehn Jahre. Nachdem die NIM im ersten Quartal gefallen war, stieg die mediane NIM der Branche im zweiten Quartal auf 3,87 Prozent – ein Zuwachs von 21 Basispunkten gegenüber dem Vorjahr. Die Medianrendite für Kredite kletterte um 10 Basispunkte auf 6,55 Prozent, während die Einlagenkosten im Median unverändert bei 1,76 Prozent verharrten.
Nahezu 80 Prozent der Banken der Branche – genauer gesagt 3.280 Institute – verzeichneten eine sequenzielle Verbesserung der Kreditrenditen, verglichen mit nur 15 Prozent im ersten Quartal. Etwa die Hälfte der Banken meldete zudem einen quartalsweisen Rückgang der Einlagenkosten. Juni endete, und erfassen die jüngsten Entwicklungen der laufenden Woche oder des Monats nicht.

Analysten merken an, dass der Zustand der Wirtschaft für alle Bankkunden und deren wirtschaftliche Gesundheit von immenser Bedeutung für die Rentabilität ist. Sollte die US-Wirtschaft in eine Talfahrt geraten, würde dies den Banken schaden, doch das scheint derzeit nicht einzutreten. Der Kreditmarkt ist zwar volatiler als gewöhnlich, aber weder eingefroren noch zeigt er drastische Anzeichen. Der gesamte US-Kreditindex von Bloomberg ist im Jahresverlauf im Wesentlichen flach, und Analystenberichte mehrerer Banken lassen keine großen Ängste vor einem Kreditkollaps erkennen; Kredit fließt weiterhin als Öl des Marktemptors. Sollte jedoch eine wirtschaftliche Lawine ausgelöst werden, dürften strengere Kreditbedingungen und eine verhaltene Kreditnachfrage den Wettbewerb unter Banken verschärfen und diese goldene Periode beenden.