Zum Inhalt springen
Nachrichten

Microsoft-Manager Brent Hecht nannte KI-Daten-Scraping beispiellosen Raub

Ein Microsoft-Spitzenmanager stufte das automatisierte Scraping von Webdaten für KI-Modelle im Januar 2023 intern als beispiellosen Diebstahl ein. In am 17. September 2026 veröffentlichten Gerichtsdokumenten des Copyright-Verfahrens der „New York Timesgegen OpenAI und Microsoft offenbaren interne E-Mails, dass Führungskräfte das Geschäftsmodell als existenzbedrohend für den Journalismus erkannten.

Interne E-Mails, Chatprotokolle und Strategiepapiere aus dem Jahr 2023 werfen ein neues Licht auf den Umgang großer Technologiekonzerne mit urheberrechtlich geschützten journalistischen Inhalten. September 2026, öffentlich gewordenen Dokumente entstammen dem anhängigen Urheberrechtsstreit vor einem Bundesgericht in Manhattan, in dem unter anderem The New York Times, die New York Daily News und der Orange County Register gegen OpenAI und Microsoft klagen. Die Kläger sehen in den Enthüllungen den Beweis dafür, dass die Konzerne sich der Rechtswidrigkeit ihres Vorgehens von Beginn an bewusst waren.

Microsofts Direktor für Angewandte Wissenschaft warnte vor „astonishing theft of unprecedented proportions“

Brent Hecht, Direktor für Angewandte Wissenschaft bei Microsoft, übte in einem internen Dokument im Januar 2023 schwere Kritik an der branchenweiten Praxis des massenhaften Auslesens von Internetseiten für das Training großer Sprachmodelle. Er bezeichnete die Methode als einen beispiellosen Raub in gigantischem Ausmaß, wie aus den unversiegelten Gerichtsakten hervorgeht, die von der Tageszeitung Orange County Register und weiteren Medien aufgearbeitet wurden. Hecht warnte intern vor den langfristigen Folgen für Urheber weltweit.

Brent Hecht, Direktor für Angewandte Wissenschaft bei Microsoft, erklärte über den Orange County Register, dass Millionen von Menschen weltweit das Aufsaugen all ihrer Arbeit durch große Modelle schon bald als erstaunlichen Diebstahl von beispiellosem Ausmaß betrachten würden.

Microsoft-Manager Brent Hecht nannte KI-Daten-Scraping beispiellosen Raub
Photo: androguider.com

In einer ergänzenden Präsentation im Januar 2024 warnte Hecht zudem davor, dass Microsofts eigener Copilot-Assistent den Datenverkehr der eigentlichen Nachrichtenanbieter massiv beschädige. Interne Analysen von Microsoft zeigten demnach, dass die Klickraten zu Artikeln der New York Times um bis zu 93 Prozent gegenüber herkömmlichen Suchmaschinenaufrufen sanken. Hecht sprach in diesem Zusammenhang von einer zerstörerischen Abwärtsspirale, die er als doom loop bezeichnete und die sowohl die Leistung der eigenen Modelle als auch die wirtschaftlichen Grundlagen der Web-Infrastruktur gefährde.

Millionen abgerufene Kopien und die Umgehung von Bezahlschranken

Die klagenden Zeitungsverlage stützen sich auf die freigegebenen Akten, um die Argumentation der Tech-Giganten zum fairen Gebrauch („fair use“) zu entkräften. Bislang hatten OpenAI und Microsoft vor Gericht argumentiert, das Training an Texten sei transformativ und stelle keine Marktkonkurrenz dar. Die neu publizierten Dokumente zeigen jedoch, dass Führungskräfte intern ganz andere Einschätzungen vertraten. So sprach Nick Turley, der Leiter der ChatGPT-Sparte bei OpenAI, davon, dass Verlage durch die KI-Produkte einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt seien, da die Systeme zunehmend substitutiv wirken und klassische Webseitenbesuche überflüssig machen.”

OpenAI logo is seen in this illustration created on June 11, 2026. REUTERS/Dado Ruvic/Illustration/File Photo
Photo: Reuters

Die Trainingsdatensätze enthalten demnach Millionen von Kopien geschützter Artikel.

  • Mehr als 2 Millionen Dokumente aus nytimes.com, die über Common-Crawl-Archive in Datensätze gelangten.

Zudem dokumentieren die Akten einen internen Chat, in dem ein OpenAI-Mitarbeiter namens Nick Ryder den damaligen Präsidenten und Mitgründer Greg Brockman über einen gefundenen Trick informierte, um Bezahlschranken der New York Times zu umgehen. Brockman antwortete darauf knapp mit den Worten ah nice, wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht.

Reaktionen der Konzerne und juristische Einordnung vor Gericht

Die Rechtsvertreter der Verlage werten diese Belege als klaren Nachweis für vorsätzlichen Urheberrechtsverstoß. Steven Lieberman, der Anwalt der New York Daily News und weiterer Zeitungen in dem Verfahren, erklärte dazu, dass die Dokumente zeigen, dass die Unternehmen wussten, dass ihr Handeln unrechtmäßig war. Microsoft distanzierte sich umgehend von den Aussagen seines Wissenschaftsdirektors. Eine Unternehmenssprecherin betonte in einer Stellungnahme, dass Brent Hechts Äußerungen lediglich die persönliche Perspektive eines einzelnen Angestellten widerspiegeln und keine rechtliche Analyse oder offizielle Position des Konzerns darstellen.

Microsoft exec calls AI scraping the largest theft of labor in human history

Auch zu den Aussagen von Microsoft-Chef Satya Nadella äußerte sich der Konzern. Nadella hatte unter Eid eingeräumt, dass Gespräche mit Chatbots das Aufrufen der zugrundeliegenden Webseiten direkt ersetzen können. Microsoft erklärte hierzu, Nadella habe sich lediglich zu breiten Prinzipien und allgemeinen Veränderungen im Informationskonsum geäußert, was jedoch die eigentlichen urheberrechtlichen Fragen vor dem Gericht nicht berühre.

Das von US-Bezirkstrichter Sidney Stein geleitete Verfahren in Manhattan läuft bereits seit Dezember 2023. Während die Trump-Administration im September 2026 eine Stellungnahme zugunsten der KI-Unternehmen abgab und das Training als extrem transformativ bewertete, haben die aktuellen Enthüllungen die Verhandlungsposition der Kläger deutlich gestärkt.

Microsoft called AI scraping the largest theft of labor | News60
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.