Wissenschaftler in Italien haben ein neuartiges Nasenspray auf Basis von Plazenta-Nanovesikeln entwickelt, das im Tiermodell Alzheimer-Symptome mindert. Die Studie zeigt, dass extrazelluläre Vesikel die Blut-Hirn-Schranke überwinden, Neuroinflammationen hemmen und kognitive Fähigkeiten bei Mässen schützen können. Eine klinische Anwendung am Menschen steht jedoch noch aus.
Ein italienisches Forschungskonsortium hat einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen vorgelegt. Im Zentrum der Untersuchung stehen extrazelluläre Vesikel, die aus der menschlichen Plazenta gewonnen und als Nasenspray verabreicht werden. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Translational Neurodegeneration veröffentlicht.
Wirkungsweise im Gehirn und der Transport über die Nase
An dem Projekt waren Forschende der Università Cattolica del Sacro Cuore, der Fondazione Policlinico Universitario A. Gemelli IRCCS sowie des Forschungszentrums E. Menni der Fondazione Poliambulanza beteiligt. Die Wissenschaftler nutzten Nanovesikel aus der Amnionmembran – der innersten Schicht der Fruchtblase – um gezielt auf Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem einzuwirken. Extrazelluläre Vesikel sind winzige, von Zellen freigesetzte Partikel, die Proteine, Lipide und genetische Informationen transportieren und als Botenstoffe zwischen Zellen dienen.
Im Rahmen des Experiments erhielten transgene Mäuse, die Alzheimer-ähnliche Symptome aufweisen, über einen Zeitraum von sechs Monaten zweimal wöchentlich das nasale Präparat, beginnend von drei Monaten Alter, in dem sie noch keine Alzheimer-ähnlichen Symptome zeigten, bis zu neun Monaten Alter. Mittels fluoreszierender Farbstoffe konnte nachgewiesen werden, dass die Vesikel bis in den Hippocampus vordrangen. Diese Hirnregion ist für Lernprozesse und das Gedächtnis von zentraler Bedeutung und gehört zu den ersten Bereichen, die von der Erkrankung geschädigt werden.
Eine besonders vielversprechende Avenue innerhalb der regenerativen Medizin beinhaltet die Nutzung des therapeutischen Potentials extrazellulärer Vesikel, insbesondere jener, die aus mesenchymalen Stromazellen isoliert wurden. Dr. Andrea Papait, Zellbiologe und Erstautor, via Sciencealert
Einfluss auf Neuroinflammation und synaptische Plastizität
Neben den klassischen Alzheimer-Markern wie Amyloid-Plaques spielt chronische Entzündung eine entscheidende Rolle beim kognitiven Abbau. Die im Nasenspray enthaltenen Vesikel – genauer gesagt human amniotic mesenchymal stromal cell-derived vesicles (hAMSC-EVs) – zielten direkt auf diese Prozesse ab.

Statt das Immunsystem komplett abzuschalten, veränderten die Vesikel das entzündliche Mikromilieu und förderten Bedingungen, die den Erhalt von Neuronen unterstützen. Die Autoren betonten, dass dadurch wichtige Proteine der neuronalen Plastizität wie ARC, GluA1 und BDNF anstiegen.
Zusammenfassend weisen unsere Befunde darauf hin, dass hAMSC-EVs Neuroinflammationen abschwächen, indem sie das entzündliche Mikromilieu umgestalten, anstatt direkt immunsuppressiv zu wirken. Forschungsteam der Università Cattolica, via Sciencealert
Ergebnisse an menschlichen Neuronen und Ausblick
Um die klinische Relevanz zu überprüfen, entnahmen Mediziner der Gemelli Memory Clinic Hautbiopsien von Alzheimer-Patienten sowie gesunden Kontrollpersonen. Die daraus im Labor generierten menschlichen Neuronen zeigten nach der Behandlung ebenfalls eine verringerte Degeneration und normalisierte Werte bei Proteinen der synaptischen Plastizität.

Dennoch mahnen die beteiligten Wissenschaftler zur Vorsicht. Es handele sich um präklinische Ergebnisse, die vor einem Einsatz beim Menschen noch umfassend validiert werden müssen.
Verwandte Artikel