Aktuelle Forschungen liefern bemerkenswerte Hinweise darauf, dass der rekombinante Gürtelrose-Impfstoff Shingrix neben dem Schutz vor der Viruserkrankung auch positive Nebeneffekte auf das Herz-Kreislauf-System und das Gehirn haben könnte. Windpocken und Gürtelrose werden beide von Varizella-Zoster-Viren ausgelöst, die nach einer überstandenen Infektion im Körper überdauern und im Alter reaktiviert werden können. Während in Deutschland seit 2004 gegen Windpocken geimpft wird, ist die Schutzimpfung gegen Gürtelrose hierzulande seit 2006 möglich.
Neue Studienergebnisse zur Gürtelrose-Impfung
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt den Totimpfstoff Shingrix als Standardimpfung für alle Menschen ab 60 Jahren. Seit Ende 2025 gilt er zudem als Indikationsimpfung ab 18 Jahren bei einem erhöhten Risiko durch Immundefizite oder schwere chronische Grunderkrankungen. Der früher verwendete Lebendimpfstoff Zostavax ist in Deutschland nicht mehr verfügbar, da sein Vertrieb 2024 eingestellt wurde und er seit Juni 2025 keine EU-Zulassung mehr besitzt.
Geringeres Risiko für Herzerkrankungen
Ein Forschungsteam der Universität Oxford unter der Leitung von Maxime Taquet hat Daten von mehr als 70.000 Menschen analysiert, um den Einfluss von Shingrix auf Herzerkrankungen zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden am 26. August 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht.

Um methodische Verzerrungen wie den sogenannten „Healthy-Vaccinee-Bias“ zu umgehen, nutzten die Forschenden ein natürliches Experiment, bei dem sie sich zunutze machten, dass in den USA ab Oktober 2017 der Impfstoff Zostavax rasch durch Shingrix ersetzt wurde. Verglichen wurden jeweils 36.460 Personen ab 60 Jahren. In der überwiegend mit dem rekombinanten Impfstoff immunisierten Gruppe war die kardiovaskuläre Krankheitslast während einer Nachbeobachtung von bis zu sieben Jahren um 9 Prozent geringer. Bei ischämischen Herzerkrankungen betrug der Unterschied 10 Prozent und bei Herzinsuffizienz 12 Prozent. Das Auftreten von Vorhofflimmern ging um 7 Prozent zurück, während ein statistisch signifikanter Zusammenhang bei ischämischen Schlaganfällen nur bei Männern beobachtet wurde. Der Schutzeffekt erwies sich in der ersten Hälfte des Beobachtungszeitraums als besonders ausgeprägt und ließ danach nach.”
Studien zu Demenz und offene Fragen
Auch das Risiko für eine Demenzdiagnose rückt im Zusammenhang mit der Impfung in den Fokus. So belegen laut FAZ große Studien aus Wales, Australien und Kanada einen entsprechenden Schutz, demzufolge geimpfte Menschen ein um etwa 20 Prozent niedrigeres Risiko haben, innerhalb von sieben Jahren eine Demenz zu entwickeln. Eine weitere, in den Annals of Internal Medicine besprochene Untersuchung an mehr als einer halben Million Menschen in Pflegeeinrichtungen in den USA ergab ebenfalls ein um rund 24 Prozent geringeres Risiko für eine Demenzdiagnose bei geimpften Personen.
Dennoch betonen Wissenschaftler, dass es sich bislang um Beobachtungsdaten handelt. Ein kausaler Zusammenhang oder ein direkter Schutz lässt sich damit noch nicht abschließend belegen, da geimpfte Personen in den Untersuchungen beispielsweise im Durchschnitt jünger und gesünder waren. Ob die Impfung tatsächlich ursächlich vor Demenz oder Herzerkrankungen schützt, müssen nun randomisierte klinische Studien klären, die laut Berichten bereits laufen.