Schweden steuert bei der Parlamentswahl am Sonntag auf einen Machtwechsel hin. Nach ersten Wählerbefragungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten SVT und TV4 liegt das Mitte-links-Bündnis unter Führung der ehemaligen Ministerpräsidentin Magdalena Andersson mit rund 51,3 Prozent der Stimmen klar vor dem bisherigen rechten Regierungslager.
Wahlausgang und erste Prognosen: Mitte-links übernimmt die Führung
Die schwedischen Wähler haben ihre Stimme abgegeben, und die ersten Trendmeldungen zeigen ein klares Bild. Laut der Wählerbefragung von SVT, die auf Befragungen von 13.709 Wählern außerhalb der Wahllokale basiert, kommen die vier Parteien des linken Lagers auf eine kombinierte Mehrheit von 51,3 Prozent der Stimmen. Das amtierende rechte Bündnis unter Ministerpräsident Ulf Kristersson erreicht demnach 46,8 Prozent, was einem Vorsprung der Opposition von 4,5 Prozentpunkten entspricht.
Ein ähnliches Ergebnis liefert der von TV4 veröffentlichte Exit Poll, der das linke Bündnis ebenfalls bei 51,3 Prozent und das rechte Lager bei 47 Prozent sieht. Die offiziellen Auszählungen der schwedischen Wahlbehörde wurden für den Abend erwartet. Zwar gelten schwedische Wählerbefragungen als zuverlässige Indikatoren, doch gab es in der Vergangenheit Ausnahmen: Bei der Wahl 2022 sah ein Exit Poll ebenfalls Anderssons Block vorn, am Ende gewann jedoch Kristerssons Lager.
Die Rolle der Schwedidemokraten und der drohende Tabubruch
Im Zentrum des Wahlkampfs stand die künftige Rolle der rechtspopulistischen Schwedidemokraten. Ministerpräsident Ulf Kristersson hatte angekündigt, die Partei bei einem Wahlsieg erstmals formell in eine Koalitionsregierung aufzunehmen und damit ein langjähriges Tabu zu brechen. In den vergangenen vier Jahren hatte seine Minderheitsregierung aus dem Parlament heraus von der Tolerierung durch die Schwedidemokraten profitiert.

Die Voraussetzung, um Dinge zu erledigen, ist tatsächlich die Fähigkeit Kompromisse zu schließen, eine klare Vision zu haben, aber pragmatisch zu sein. Ulf Kristersson, Ministerpräsident
Die Exit-Poll-Daten zeigen jedoch einen Dämpfer für die Partei von Jimmie Åkesson. Die Schwedidemokraten kommen laut SVT nur noch auf 17,2 Prozent, ein Verlust von rund drei Prozentpunkten im Vergleich zu 2022. Es ist das erste Mal seit dem Einzug der Partei ins Parlament im Jahr 2010, dass sie bei einer Wahl Stimmen verliert.
Magdalena Andersson vor der Rückkehr an die Macht
Für die sozialdemokratische Parteichefin Magdalena Andersson bedeutet das vorläufige Ergebnis einen späten Erfolg, nachdem sie das Amt der Ministerpräsidentin vor vier Jahren an Kristersson verloren hatte. Sie hatte im Wahlkampf vor den Plänen der Rechten gewarnt und die Einbindung der Schwedidemokraten scharf kritisiert.

Das ist eine sehr wichtige Wahl für Schweden, wenn wir zum ersten Mal eine rechtsextreme Partei, die von Neonazis gegründet wurde, in der Regierung haben oder eine Regierung, die von mir geführt wird. Magdalena Andersson, Oppositionsführerin und Parteichefin der Sozialdemokraten
Sollte sich das Ergebnis bestätigen, stehen Andersson allerdings schwierige Koalitionsverhandlungen bevor. Sie muss versuchen, die teils widersprüchlichen Forderungen der Linkspartei und der Zentrumspartei unter einen Hut zu bringen. Die Sozialdemokraten selbst erreichten in der Befragung 28,4 Prozent, während kleinere Parteien wie die Grünen mit 7,4 Prozent zulegten und die Liberalen mit 5,4 Prozent den Sprung über die Vier-Prozent-Hürde offenbar schafften.
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