Währenddessen zeigt eine repräsentative Umfrage in der Schweiz eine massive gesellschaftliche Zustimmung von 87 Prozent zu einem generellen Social-Media-Verbot für Jugendliche unter bestimmten Altersgrenzen.
Die weltweite Debatte über den Jugendschutz im digitalen Raum erreicht neue Höhepunkte. Gesetzgeber und Gesellschaft ringen härter denn je um wirksame Grenzen gegen die Mechanismen grosser Technologiekonzerne. Während US-Bundesstaaten den rechtlichen Druck auf Plattformbetreiber erhöhen, spricht sich in der Schweiz eine breite Mehrheit der Bevölkerung für weitreichende Einschränkungen aus.
Kaliforniens Gesetzentwurf AB 1709 nimmt süchtig machende Algorithmen ins Visier
In den Vereinigten Staaten bereitet sich der bevölkerungsreichste Bundesstaat auf harte Eingriffe in die Produktgestaltung von Technologiekonzernen vor. Die Gesetzgebung in Kalifornien steht kurz davor, einige der strengsten Beschränkungen des Landes für jugendliche Nutzerinnen und Nutzer zu verabschieden.
Das entsprechende Vorhaben, bekannt als Gesetzentwurf AB 1709, zielt direkt auf Funktionen ab, die junge Menschen binden sollen. Empfehlungsalgorithmen, die automatische Wiedergabe von Videos sowie das endlose Durchscrollen von Inhalten stehen im Zentrum der Kritik. Plattformbetreiber müssten diese Elemente für Unter-16-Jährige entfernen oder ihre Dienste anpassen, wenn sie diese Altersgruppe weiterhin erreichen wollen.
Hinter der Initiative stehen auch persönliche Erfahrungen von Mandatsträgern. Der Demokrat Josh Lowenthal, der den Entwurf verantwortet, gab in einem Interview an, er sehe seine Kinder kämpfen, insbesondere im Hinblick auf die Aufmerksamkeit für ihre Körper, Probleme beim Anpassen und das ständige Bedürfnis, rund um die Uhr mit allen anderen Schritt zu halten.
Der Demokrat Josh Lowenthal, der den Entwurf verantwortet, reiste im Zuge seiner Recherchen nach Australien, wo ein striktes Verbot für Minderjährige unter 16 Jahren gilt. Von dort aus textete er an den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom, dass wir uns das in Kalifornien genau ansehen müssen. Newsom selbst befürwortet Einschränkungen für Minderjährige in dieser Altersklasse.
Repräsentative Umfrage in der Schweiz zeigt 87 Prozent Zustimmung zu Verboten
Während in den USA vor allem über konkrete Produktmerkmale gestritten wird, zeigt der Blick nach Europa eine noch radikalere Haltung der Bevölkerung. Eine repräsentative Umfrage des Instituts Demoscope belegt, dass 87 Prozent der Befragten dafür oder eher dafür sind, Minderjährigen den Zugang zu sozialen Medien zu verbieten. An der Erhebung nahmen mehr als 8.300 Menschen in der Deutschschweiz und der Romandie teil.

Bemerkenswert ist die Homogenität der Ergebnisse über demografische Grenzen hinweg. Weder der Wohnort noch das Alter oder das Geschlecht führen zu grossen Abweichungen. Die Sorge um die psychische Gesundheit der Jugendlichen steht für die Befürworter an erster Stelle, gefolgt von der Gefahr einer Abhängigkeit und schädlichen Inhalten. Auch Mobbing und Schlafprobleme werden als wesentliche Gründe genannt.
Bei der Frage nach konkreten Plattformen richtet sich der Unmut vor allem gegen Videodienste. Rund 97 Prozent der Befürworter eines Verbots fordern, dass TikTok für Minderjährige gesperrt wird, gefolgt von Instagram mit 91 Prozent und Snapchat mit 87 Prozent.
Rechtliche Hürden und der Druck auf Meta vor Gericht
Sowohl in den USA als auch in Europa stossen staatliche Eingriffe auf fundamentale verfassungsrechtliche Bedenken. Kritiker verweisen auf die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit sowie die Eigenverantwortung der Jugendlichen. So kippte der französische Verfassungsrat im August eine dort beschlossene Verbotsregelung mit dem Argument, sie greife unverhältnismässig in diese Grundrechte ein.
Unterdessen geraten die grossen Technologiekonzerne auch auf juristischer Ebene massiv unter Druck. In den USA läuft ein wegweisender Prozess in Oakland, in dem mehrere Bundesstaaten wie Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey eine Forderung über 1.4 Billionen Dollar gegen Meta erheben. Den Klägern zufolge wurden Facebook und Instagram gezielt so konzipiert, dass sie für Kinder süchtig machen.
Befürworter strengerer Gesetze werten diese Entwicklungen als historischen Wendepunkt. Junge Aktivisten betonen die Signalwirkung für das gesamte Land. Ob sich die geplanten Einschränkungen gegen den Widerstand der Plattformbetreiber und drohende Klagen wegen Verletzungen der Redefreiheit durchsetzen lassen, bleibt in den kommenden Verhandlungsrunden zu klären.
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