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Welt

Anselm Grün in der Kritik wegen Umgang mit Missbrauchsfall

Der bekannte Benediktinerpater Anselm Grün gerät im September 2026 wegen eines über 30 Jahre alten Missbrauchsfalls in die Kritik. Einem aktuellen Kommissionsbericht zufolge soll er 1992 einen geständigen Vikar unterstützt haben. Nach erstem Dementi korrigierte die Abtei Münsterschwarzach die Darstellung.

Der 81-jährige Benediktinerpater und spirituelle Bestsellerautor Anselm Grün steht im Zentrum einer neuen Debatte über den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch in den 1990er Jahren. Im Mittelpunkt der Kritik steht der vierte Jahresbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn. Darin wird dem bekannten Ordensmann vorgeworfen, einen Priester gefördert zu haben, der sexuelle Handlungen an einem 16-Jährigen eingeräumt hatte und gegen den später ein Strafbefehl erging.

Gespräche im Recollectio-Haus und die Rolle von Gerhard Horstkemper

Auslöser der aktuellen Untersuchungen sind Akten aus der Erzdiözese Paderborn. Nachdem die Familie des betroffenen Jugendlichen den Vikar angezeigt hatte, schickte das Erzbistum den Geistlichen zu einem längeren Aufenthalt in das Recollectio-Haus der Benediktinerabtei Münsterschwarzach in Unterfranken. Die Einrichtung bietet psychotherapeutische und geistliche Begleitung für Kleriker an und wurde 1991 von Grün gemeinsam mit dem Psychologen Wunibald Müller gegründet, wobei Grün seither als geistlicher Leiter fungiert.

Laut dem Bericht der Aufarbeitungskommission kam es im Juni 1992 zu einem Treffen zwischen Grün, dem beschuldigten Priester und dem damaligen Paderborner Personalchef Gerhard Horstkemper. Bei dem Gespräch ging es um die berufliche Zukunft des Geistlichen. Der Priester bestritt damals eine homosexuelle Veranlagung, woraufhin Grün diese Einschätzung bestätigte und erklärte, nach zwei Monaten im Recollectio-Haus für den Priester einstehen zu können. Zudem stellte er die Aufnahme in das Kloster in Aussicht und brachte einen zwischenzeitlichen Einsatz in der Seelsorge im Bistum Würzburg ins Gespräch.

Erstes Dementi und die spätere Korrektur durch die Abtei Münsterschwarzach

Als die Vorwürfe öffentlich wurden, wies Grün die Darstellung zunächst entschieden zurück.

Anselm Grün in der Kritik wegen Umgang mit Missbrauchsfall
Photo: Kirche-und-Leben.de

Zudem betonte er, bei Gästen der Einrichtung nie Bestätigungen oder Empfehlungen ausgesprochen zu haben. Diese Haltung hielt jedoch der Aktenlage nicht stand. Sowohl das Erzbistum Paderborn als auch das Bistum Würzburg bestätigten entsprechende Aktenvermerke des Personalchefs Horstkemper, die in den Interventionsakten dokumentiert sind.

Nach einer internen Prüfung korrigierte die Abtei Münsterschwarzach die erste Reaktion. Ein Sprecher teilte mit, Grüns telefonischer Kommentar sei überstürzt gewesen. Tatsächlich habe sich der Pater für einen weiteren seelsorglichen Einsatz des Priesters offen gezeigt. Die Abtei betonte jedoch gleichzeitig, dass der grundsätzliche Vorschlag für den Wechsel nach Unterfranken sowie in die Diözese Würzburg von der Erzdiözese Paderborn ausgegangen sei. Eine direkte Vermittlung durch Grün an eine konkrete Gemeinde habe nicht stattgefunden.

Forderungen des Betroffenenbeirats und Aufarbeitung in Würzburg und Erfurt

Der betroffene Priester wechselte schließlich im September 1992 in das Bistum Würzburg, wo er den Aufzeichnungen zufolge bis 2009 in der Seelsorge tätig war, ehe er in das Bistum Erfurt wechselte. Eine dauerhafte Aufnahme in die Abtei Münsterschwarzach kam letztlich nicht zustande, da der Geistliche den Gedanken nach seinem therapeutischen Aufenthalt nicht weiterverfolgte.

Anselm Grün in der Kritik wegen Umgang mit Missbrauchsfall
Photo: Kathpress

Die Enthüllungen haben eine breitere Debatte ausgelöst. Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz zeigte sich bestürzt über die Vorgänge sowie über Grüns ursprüngliche Reaktion und fordert eine umfassende sowie unabhängige Untersuchung.

„Wie passt es zusammen, dass er den Vorwurf einerseits bestreitet, zugleich aber beteuert, sich an den Fall gar nicht erinnern zu können?“

Betroffenerbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz

Das Gremium verlangt Aufklärung darüber, ob über das Recollectio-Haus auch in anderen Fällen beschuldigten Klerikern der Weg zurück in den Kirchendienst geebnet wurde. Die Abtei Münsterschwarzach erklärte ihrerseits, den Wunsch nach Aufklärung zu verstehen, verwies jedoch auf die gesetzlich geregelte Schweigepflicht, wonach Akteneinsichten nur mit Zustimmung der jeweiligen Gäste möglich sind.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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