Die Krankenversicherungssparte von Mass General Brigham nimmt ab dem 1. Oktober das Dana-Farber Cancer Institute aus ihrem Medicare-Advantage-Netzwerk. Betroffen sind rund 20.500 Versicherte, darunter Krebspatienten wie der 88-jährige Eldon Clingan, die nun vor der Wahl stehen, den Arzt zu wechseln oder ihre Versicherung anzupassen.
Die Entscheidung der Krankenversicherung von Mass General Brigham (MGB) greift tief in langjährige Behandlungsbeziehungen ein. Eldon Clingan, ein 88-jähriger pensionierter Buchhalter aus Massachusetts, wird seit mehr als zwei Jahrzehnten von derselben Spezialistin im Dana-Farber Cancer Institute wegen Prostatakrebs behandelt. Da er auf ein Medikament angewiesen ist, das monatlich 10.000 US-Dollar kostet und das er voraussichtlich für den Rest seines Lebens einnehmen muss, steht er vor einer existenziellen Entscheidung. Gegenüber The Boston Globe äußerte er sich drastisch: Clingan erklärte, er habe das Gefühl, Kollateralschaden zu sein. Seine Ehefrau Carol befürchtet laut demselben Bericht, dass der Verlust der Kostenübernahme für die Medikamente sie in den Bankrott treiben könnte.
Finanzdruck und der Zerfall einer jahrzehntelangen Partnerschaft
Offiziell begründet die MGB Health Plan den Schritt mit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Jennifer St. Thomas, Senior Vice President für kommerzielle Märkte und Medicare bei MGB Health Plan, verwies auf ein challenging environment
, in dem private Krankenversicherer unter dem Druck stiegen, dass staatliche Erstattungen nicht mit den wachsenden Kosten Schritt halten. Ein Unternehmenssprecher betonte zudem, dass die Versicherungssparte organisatorisch und rechtlich getrennt vom eigentlichen Klinikbetrieb agiere.
Beobachter ordnen den Schritt jedoch in einen weitaus größeren Konflikt ein. Zwischen Mass General Brigham und dem Dana-Farber Cancer Institute läuft derzeit die schrittweise Entflechtung einer jahrzehntelangen Partnerschaft. Dana-Farber kündigte an, stattdessen mit dem Konkurrenten Beth Israel Lahey Health ein neues Erwachsenen-Krebskrankenhaus zu errichten. Die zuständige Massachusetts Public Health Council genehmigte im März 2025 den entsprechenden Antrag für eine 1,7 Milliarden US-Dollar teure Spezialklinik mit 300 Betten an der Brookline Avenue, deren Eröffnung für das Jahr 2031 geplant ist. Als Reaktion darauf treibt Mass General Brigham den Ausbau eigener Krebskapazitäten voran und plant Investitionen von 400 Millionen US-Dollar in ein eigenes Krebsinstitut.
Zahlen, Betroffene und die Reichweite des Medicare-Netzwerks
Das von MGB betriebene Medicare-Advantage-Programm zählt insgesamt etwa 20.500 Mitglieder. Nach Angaben von Dana-Farber sind derzeit rund 250 Mitglieder aktiv in Krebsbehandlung — etwa durch Chemotherapie oder Bestrahlung —, während insgesamt rund 1.000 Versicherte des Plans im laufenden Jahr Termine in dem Institut hatten oder geplant hatten. The Boston Globe berichtete zuerst über die Auslistung. David E. Williams, Präsident der Beratungsgesellschaft Health Business Group in Boston, kritisierte den Schritt scharf: Er fragte, warum man Patientinnen und Patienten so etwas antue, und fügte hinzu, dass die Maßnahme nahtlos in das Muster passe, sämtliche Krebsbehandlungen im eigenen System bündeln zu wollen.

Dana-Farber nimmt im US-Gesundheitssystem eine Sonderstellung ein.
Übergangsfristen und Optionen für betroffene Krebspatienten
Für die Betroffenen bleibt ein enges Zeitfenster. MGB Health Plan und Dana-Farber wiesen darauf hin, dass die Versorgung für Patienten im Rahmen einer Übergangsfrist für 90 Tage oder bis zum Abschluss des jeweiligen Behandlungsplans — sofern dieser über den Stichtag hinausreicht — als in-network weitergeführt werden kann. Dana-Farber bietet betroffenen Patienten finanzielle Beratungen an und informiert über alternative Versicherungsoptionen, darunter Medicare-Advantage-Tarife, die das Krebsinstitut weiterhin im Netzwerk führen.

Gleichzeitig verdeutlicht der Fall einen breiteren nationalen Trend. Für Krebspatienten in Boston bedeutet die Auseinandersetzung zwischen den beiden großen Gesundheitsriesen jedoch vor allem eines: immense Verunsicherung inmitten einer laufenden Therapie.
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