Anita Koch aus Oberalm hat nach einer siebenjährigen Erwachsenenvertretung ins selbstbestimmte Leben zurückgefunden. Die 45-Jährige, die 2015 an bürokratischen Hürden und psychischer Überforderung scheiterte, lebt seit vier Jahren wieder ganz ohne Vertretung, plant Reisen nach Island und startet einen neuen Job im sozialen Bereich.
Ein selbstbestimmtes Leben ist in schwierigen Lebenslagen keineswegs selbstverständlich. In Österreich greift in solchen Fällen die Erwachsenenvertretung ein, um Betroffenen unterstützend zur Seite zu stehen. Doch wie der Alltag mit einer solchen Vertretung aussieht und wie der Weg zurück in die Eigenständigkeit gelingt, zeigt das Beispiel von Anita Koch aus Oberalm im Tennengau.
Bürokratische Überforderung und die Anordnung der Sachwalterschaft im Jahr 2015
Vor zehn Jahren durchlebte die gebürtige Deutsche nach Angaben von Salzburg24 ihre schwierigste Phase. Als alleinerziehende Mutter stieß sie im Jahr 2015 an ihre Grenzen. Ich war überfordert
, blickt Koch im Gespräch mit dem Medium zurück. Anträge und Behördengänge wurden für sie zu einer extremen Belastungsprobe, weshalb sie vieles in die Schublade warf.
Da sie unter Stress an ihre psychischen Grenzen stieß und eine anerkannte Behinderung von 50 Prozent hat, versuchte sie, einen geschützten Arbeitsplatz zu bekommen. In diesem Zusammenhang ordnete das Gericht schließlich eine Sachwalterschaft an. Diese Maßnahme war das Vorgängermodell der im Jahr 2018 eingeführten Erwachsenenvertretung, die Betroffenen mehr Mitspracherecht und Selbstbestimmung einräumt.
Regelmäßige Unterstützung und finanzielle Grenzen im Tennengau
Die gerichtliche Entscheidung war für Koch zunächst ein schwerer Schlag. Ich habe gedacht, mir wird mein Leben weggenommen. Das war ganz schlimm
, beschreibt sie die Anfangsphase. Im Laufe der Zeit wandelte sich dieses Gefühl jedoch in Entlastung. Bei wöchentlichen Treffen besprach sie mit ihrer Erwachsenenvertreterin sämtliche anstehenden Entscheidungen, darunter Behördengänge, finanzielle Angelegenheiten und ihr persönliches Wohlempfinden.
Die finanzielle Einschränkung erwies sich über die Jahre hinweg als die größte Hürde. Die Erwachsenenvertreterin teilt dir das Geld ein und bezahlt deine Sachen. Was überbleibt, gibt sie dir wöchentlich
, erklärt Koch. Sie musste demnach mit 70 Euro pro Woche auskommen. Den Verein Vertretungsnetz
zufolge gehören psychische Erkrankungen, Suchtproblematiken oder Demenz zu den typischen Gründen für eine solche Vertretung. Gerichtliche Erwachsenenvertretungen gelten dabei für maximal fünf Jahre, bevor sie neu bewertet werden müssen. Gesetzliche Vertretungen durch Angehörige dauern maximal drei Jahre. Aktuell haben in Salzburg rund 1.500 Personen eine Erwachsenenvertretung.
Wiedererlangte Unabhängigkeit und der Schritt in die Zukunft in Oberalm
Schritt für Schritt arbeitete sich Koch aus dieser Situation heraus. Sie schloss Freundschaften, machte den Führerschein und kaufte ein Auto. Dann hat meine Betreuerin gewusst, ich kann meinen Weg allein gehen
, schildert sie. Seit mittlerweile vier Jahren lebt die 45-Jährige wieder völlig ohne Vertretung und erledigt Behördengänge und Papierkram eigenständig.
Der Stolz über das selbst aufgebaute Leben ist groß. Demnächst tritt sie eine neue Arbeitsstelle im sozialen Bereich an. Auch privat blickt sie nach vorn und hat bereits mit dem Reisen begonnen. Als großer Fan von Wikingern hat sie ein ganz besonderes Traumziel vor Augen: Island. Ich bin ein großer Wikinger-Fan
, verrät sie. Ihr klares Lebensmotto lautet seitdem: Ich möchte frei und lebendig sein.
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