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Technik und Wissenschaft

Studie: Schwerer Sonnensturm könnte US-Stromnetz lahmlegen

Ein schwerer Sonnensturm könnte weite Teile des US-Stromnetzes lahmlegen und vor allem den Nordosten sowie die nördlichen Ebenen treffen. Laut einer im September 2026 veröffentlichten Studie drohen bei einem extremen geomagnetischen Ereignis tägliche wirtschaftliche Verluste von bis zu zwei Milliarden US-Dollar durch großflächige Stromausfälle.

Wissenschaftler haben neue Karten und Modellierungen vorgelegt, die veranschaulichen, wie stark ein historischer Sonnensturm das amerikanische Hochspannungssystem treffen würde. Die am Freitag in der Fachzeitschrift AGU Advances veröffentlichte Untersuchung zeichnet das bislang präziseste Bild davon, welche Branchen und Regionen unter einem Extremereignis leiden würden.

Das Schreckgespenst des Carrington-Ereignisses im modernen Netz

Als Vorlage für die Berechnungen diente das sogenannte Carrington-Ereignis vom September 1859, das als einer der intensivsten Sonnenstürme der Menschheitsgeschichte gilt und damals weltweit Telegrafensysteme störte. Die Forscher modellierten, was ein geomagnetischer Sturm dieser Größenordnung oder ein vergleichbares 150-Jahres-Ereignis in der heutigen hochtechnisierten Welt auslösen würde. Demnach müsste die US-Wirtschaft mit täglichen direkten und indirekten Kosten zwischen 1,5 Milliarden und 2 Milliarden US-Dollar rechnen, während Millionen Menschen im Dunkeln säßen.

Besonders gefährdet sind laut den Daten der Nordosten und die nördlichen Ebenen der Vereinigten Staaten, da die dortigen Regionen in höheren Breiten liegen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um auf etwas vorbereitet zu sein, das dreimal oder noch leistungsstärker sein könnte, erklärte Shawn Dahl, Dienstkoordinator beim Space Weather Prediction Center der National Oceanic and Atmospheric Administration im US-Bundesstaat Colorado, gegenüber dem Sender CNN.

Der Weckruf von Gannon und die Lehren aus Quebec

Das jüngste große Ereignis dieser Art ereignete sich am 10. Mai 2024 und wurde als Gannon-Sturm bekannt. Obwohl dieser Ausbruch dreimal schwächer war als ein historisches Extremereignis, markierte er den ersten schweren Test für das moderne Zeitalter von Satelliten, Stromnetzen und digitaler Infrastruktur. Zwar blieben flächendeckende Stromausfälle in Nordamerika aus, doch traf es die Landwirtschaft hart: In mindestens 12 US-Bundesstaaten mussten Landwirte die Aussaat unterbrechen, weil präzise GPS-Sensoren ausfielen.

Die einzige weitreichende Stromabschaltung durch einen Sonnensturm in der jüngeren nordamerikanischen Geschichte ereignete sich am 13. März 1989. Damals riss ein heftiger Sonnenpartikelstrom um 2:44 Uhr morgens das Magnetfeld der Erde mit sich und legte das Stromnetz in der kanadischen Provinz Quebec lahm. Innerhalb von 90 Sekunden saßen sechs Millionen Menschen für neun Stunden im Dunkeln. In den USA schaltete der Sturm damals Kondensatoren ab und beschädigte zwei Umspannwerke an der Ostküste, doch blieben die ganz großen Stromausfälle aus.

Wir haben in der modernen Ära, in der wir all diese Hochtechnologie und ein Stromnetz dieser Größe haben, eigentlich noch keine Ereignisse dieser Größenordnung erlebt. Ed Oughton, Forscher an der George Mason University und Hauptautor der Studie, via CNN

Unberechenbare Zyklen und die Grenzen dezentraler Netze

Wann genau der nächste heftige Sonnensturm die Erde treffen wird, lässt sich wissenschaftlich nicht exakt vorhersagen. Geomagnetische Stürme folgen keinem starren Kalender. Dieses Timing mittelt sich nur über sehr lange Zeiträume hinweg aus, erläuterte Anna Kelbert, Geophysikerin am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, die nicht an der aktuellen Studie beteiligt war. Das Ereignis kann jederzeit auftreten, schon in einer Woche oder erst Jahrhunderte später.

Studie: Schwerer Sonnensturm könnte US-Stromnetz lahmlegen
Photo: theconversation.com

Währenddessen wächst in anderen Teilen der Welt, wie etwa in Australien, die Diskussion darüber, wie weit dezentrale Energieträger wie Dachanlagen und Heimbatterien ein Stromnetz entlasten können. Dort decken Solaranlagen auf Dächern zeitweise rund 60 Prozent der Nachfrage im National Energy Market ab, wie der Netzbetreiber AEMO aufzeigt. Doch selbst dort zeigt sich, dass kleine Speicher zwar die Mittagsspitzen abfedern und den Netzbezug reduzieren, aber bei längeren Bewölkungsphasen, in Abendstunden oder während extremer Hitzewellen nicht als alleiniger Ersatz für das reguläre Stromnetz dienen können.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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