Alkoholbedingte Krebssterbefälle in den USA haben sich über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten verdoppelt und steigen laut einer im August veröffentlichten Studie besonders bei älteren Männern und jüngeren Erwachsenen an, wobei die Risiken weit über Lebererkrankungen hinausgehen.
Die Zahl der jährlich in den USA registrierten Krebssterbefälle, die direkt auf Alkoholkonsum zurückgeführt werden, ist von 11.361 im Jahr 1990 auf 23.126 im Jahr 2023 gestiegen. Das geht aus einer umfassenden Untersuchung hervor, die von Forschern am Sylvester Comprehensive Cancer Center der University of Miami Miller School of Medicine durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden zunächst im Rahmen der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt und im August im Fachjournal The Lancet Regional Health – Americas publiziert.
Umfassende Datenanalyse zeigt Verdopplung der Todesfälle seit 1990
Für die Analyse werteten die Wissenschaftler mehr als drei Jahrzehnte an Daten aus der Datenbank zur globalen Krankheitslast (Global Burden of Disease) aus. Dabei zeigte sich, dass die Sterblichkeitsraten über fast alle Altersgruppen, Regionen und Krebsarten hinweg zunahmen. Während Männer und Personen ab 55 Jahren die schwerste Last trugen, betonen die Studienautoren, dass die gesundheitlichen Gefahren längst nicht mehr auf die klassischen Alkoholfolgen beschränkt sind.
Alkohol gilt bereits seit langem von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als krebserregend der Gruppe 1 eingestuft und steht damit auf einer Stufe mit Tabakrauch und Asbest. Dennoch ist das öffentliche Bewusstsein für diese Zusammenhänge im Vergleich zu anderen Risikofaktoren weiterhin gering. Die überraschendste Erkenntnis war die Bandbreite der potenziellen Auswirkungen von Alkohol über verschiedene Krebsarten hinweg, erklärte Dr. Chinmay Jani, der korrespondierende Autor der Studie und Chefstipendiat für Hämatologie und Onkologie am Sylvester Comprehensive Cancer Center, in einer Mitteilung.
Betroffene Krebsarten und Risiken in jüngeren Altersgruppen
Zwar ist der Zusammenhang zwischen Alkohol und Lebererkrankungen oder Leberkrebs medizinisch gut dokumentiert, doch die neue Untersuchung dokumentiert erhebliche Zuwächse bei weiteren Tumoren. Dazu gehören Darmkrebs, Brustkrebs, Speiseröhrenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts und des Kopf-Hals-Bereichs.
Besondere Aufmerksamkeit erregten die Daten für jüngere Erwachsene zwischen 20 und 54 Jahren. In dieser Altersgruppe war Darmkrebs bei Männern die häufigste alkoholassoziierte Todesursache durch Krebs, während bei Frauen Brustkrebs an erster Stelle stand, gefolgt von Darmkrebs. Bemerkenswerterweise war Kolorektalkarzinom bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 54 Jahren die Hauptursache für alkoholbedingte Krebsmortalität bei Männern und die zweithäufigste bei Frauen, womit sie in beiden Gruppen den Leberkrebs übertraf, betonte Dr. Chinmay Jani, wie unter anderem von der University of Miami berichtet wurde.
Regionale Unterschiede und gesellschaftliche Einordnung
Die Auswertung belegt zudem deutliche geografische Schwankungen innerhalb der Vereinigten Staaten. Im Jahr 2023 verzeichnete Washington, D.C., die höchsten alkoholbedingten Krebssterblichkeitsraten, während Utah die niedrigsten Werte aufwies.

Was diese Studie verdeutlichlich, ist, dass das alkoholbedingte Krebsrisiko nicht auf eine einzige Erkrankung oder eine bestimmte Gruppe von Menschen beschränkt ist. Dr. Gilberto Lopes, Leiter der Abteilung für medizinische Onkologie an der Miller School
Dr. Gilberto Lopes, leitender Mitautor der Studie, hob hervor, dass Ärzte und Forscher nun die Gelegenheit hätten, Patienten zu vermitteln, dass Alkohol ein veränderbarer Risikofaktor ist. Bereits kleine, informierte Verhaltensänderungen könnten Teil einer umfassenderen Strategie zur Krebsvorbeugung sein. Wissenschaftliche Erhebungen zeigen, dass auch ein relativ geringer Konsum von etwa 5 bis 15 Gramm reinem Alkohol pro Tag das Risiko steigern kann. Zur Einordnung: Das Centers for Disease Control and Prevention (CDC) definiert ein Standardgetränk in den USA als eine Menge von etwa 14 Gramm reinem Alkohol.
Forderungen nach besserer Aufklärung und Warnhinweisen
Die Veröffentlichung schließt an breitere gesundheitspolitische Diskussionen an. Er forderte im Rahmen eines früheren Berichts, alkoholische Getränke mit entsprechenden Warnhinweisen zu versehen, um die Öffentlichkeit besser über die Risiken aufzuklären.

Experten betonen daher, dass gezielte Präventionskampagnen und ärztliche Aufklärungsgespräche notwendig sind, um das Bewusstsein für die gesundheitlichen Langzeitfolgen des Alkoholkonsums in der Bevölkerung zu stärken.
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