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Welt

Norwegen setzt russisches Schiff Professor Moltschanow auf Spitzbergen fest

Norwegische Behörden haben auf der Inselgruppe Spitzbergen das russische Kreuzfahrtschiff »Professor Moltschanow« festgesetzt. Der Schritt auf Antrag des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz setzt einen Schiedsspruch über rund 4,2 Milliarden US-Dollar Entschädigung für enteignete Vermögenswerte auf der annektierten Krim durch.

Die Arktis ist um ein handfestes diplomatisches und rechtliches Ringen reicher. In der Bergarbeitersiedlung Barentsburg auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen liegt das russische Staatsschiff »Professor Moltschanow« fest – am Auslaufen gehindert durch eine gerichtliche Verfügung aus Norwegen.

Gerichtsbeschluss in Norwegen stoppt russisches Expeditionsschiff

Wie der staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz mitteilte, erfolgte die Festsetzung auf Grundlage von Entscheidungen norwegischer Bezirksgerichte. Nach Angaben der Berichterstattung ordneten die zuständigen Instanzen den Schritt an, um einen internationalen Schiedsspruch durchzusetzen. Die norwegische Tageszeitung »Aftenposten« bestätigte den Vorgang über einen Polizeivertreter aus Spitzbergen. Per Beschluss wurde dem Gouverneur der Inselgruppe, Lars Fause, die Handhabe gegeben, das Auslaufen des Schiffes zu verhindern.

Das im Jahr 1983 in Finnland für die Sowjetunion gebaute Schiff ist nach einem sowjetischen Meteorologen benannt und transportiert für gewöhnlich bis zu 48 Passagiere auf Expeditionskreuzfahrten im hohen Norden. Sein Heimathafen ist das russische Murmansk. Aktuell liegt der Rumpf vor der arktischen Siedlung Barentsburg vor Anker, wo Russland auf dem Archipel Bergbauaktivitäten betreibt.

Milliardenforderung für enteignete Vermögenswerte auf der Krim

Hintergrund der Beschlagnahme ist ein langwieriger Streit um Entschädigungen. Ein Schiedsgericht in Den Haag hatte Russland im Jahr 2023 zur Zahlung von rund 4,2 Milliarden US-Dollar zuzüglich Zinsen an Naftogaz verurteilt (entsprechend rund 3,6 Milliarden Euro, wie andere Berichte einordnen). Diese Summe soll als Ausgleich für Vermögenswerte dienen, die dem Konzern während der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014 entzogen worden waren.

Norwegen setzt russisches Schiff Professor Moltschanow auf Spitzbergen fest
Photo: BILD

Da die Regierung in Moskau dem Schiedsspruch bislang nicht nachgekommen ist, treibt die ukrainische Seite die Vollstreckung weltweit voran. Der amtierende Naftogaz-Chef Serhiy Fedorenko bewertete die Maßnahme als zentralen Baustein im Bemühen um Wiedergutmachung.

„einen weiteren wichtigen Schritt zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit

Serhiy Fedorenko, Naftogaz-Chef

Kiew werde weiterhin weltweit gegen russische Vermögenswerte vorgehen, bis die zugesprochene Entschädigung vollständig beglichen ist, bekräftigte Fedorenko. Nach Angaben des Gouverneursbüros auf Spitzbergen stimmt sich Gouverneur Fause nun mit dem russischen Staatsunternehmen Trust Arcticugol, das den Bergbau auf dem Archipel verwaltet, über die Versorgung der verbliebenen Passagiere und der Besatzung an Bord ab.

Europäische Seewege im Fokus internationaler Sanktionen

Die Festsetzung in der Arktis fügt sich in eine Reihe ähnlicher europäischer Maßnahmen gegen russische Schiffe ein. Erst im Juni entschied Schwedens höchstes Gericht, dass ein wegen illegalen Getreidetransports beschlagnahmtes Schiff an die Ukraine übergeben werden kann – flankiert von vergleichbaren Interventionen britischer Streitkräfte im Ärmelkanal und der französischen Marine im Mittelmeer.

Norwegen setzt russisches Schiff Professor Moltschanow auf Spitzbergen fest
Photo: Spiegel

Die verschärfte Praxis auf den Meeren bleibt nicht ohne Gegenwind aus Moskau. Bereits im August drohte der russische Präsident Wladimir Putin mit einer verhältnismäßigen Reaktion, sollten europäische Länder Moskaus Handelsschiffe aufbringen. Wie die juristischen Auseinandersetzungen um die »Professor Moltschanow« und die offenen Milliardenforderungen im Detail weitergehen, hängt nun von den kommenden Schritten der norwegischen Justiz ab.

Norway seizes 2nd Russian-crewed ship over damage to Baltic sea telecoms cable
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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