Zum Inhalt springen
Unternehmen

Volkswagen berät über Restrukturierungspläne für vier Werke

Fünf Tage vor einer entscheidenden Aufsichtsratssitzung von Volkswagen berät das Kontrollgremium über weitreichende Restrukturierungspläne für die vier deutschen Standorte Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm. Im Raum stehen massive Kapazitätskürzungen und scharfe Konflikte mit der IG Metall über die Zukunft der Werke.

Der Ton bei der Volkswagen AG verschärft sich drastisch vor der für Freitag angesetzten Sitzung des Aufsichtsrats, in der über mehrere konkurrierende Restrukturierungspläne abgestimmt werden soll. Im Extremfall könnte das Verfahren in einer außerordentlichen Hauptversammlung münden.

Finanzdruck und Kapazitätskürzungen im Konzern

Konzernchef Oliver Blume bewertet die bislang vereinbarten 50.000 Stellenstreichungen bis zum Jahr 2030 als nicht ausreichend, um die Wettbewerbsfähigkeit des Autoherstellers zu sichern. Finanzvorstand Arno Antlitz bezifferte den drohenden Kostennachteil auf etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich, falls die europäischen Kapazitäten nicht um rund 500.000 Fahrzeuge verringert werden.

Blume verweist auf eine Krise der gesamten Branche und betont, dass die Arbeitskosten bei Volkswagen mehr als doppelt so hoch liegen wie an vergleichbaren europäischen Standorten. Gleichzeitig setzt der Wandel hin zur Künstlichen Intelligenz und zu chinesischen Anbietern wie BYD den Konzern massiv unter Druck.

Widerstand von IG Metall und politische Reaktionen

Die Gewerkschaft IG Metall warnt eindringlich vor massiven Auseinandersetzungen, sollte der Vorstand das erst im Jahr 2024 vereinbarte Sparpaket erneut aufschnüren. IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger wirft dem Vorstand eine schädliche Kommunikation vor und erklärt, dass alle Zeichen auf Konflikt stehen. Eine geltende Friedenspflicht schützt den Standort bis zum Jahreswechsel, sodass ein Streik bei Volkswagen theoretisch ab 2027 möglich wäre.

Auch in der Politik schlagen die Pläne hohe Wellen. Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies sprach sich nach einem Besuch in Emden gegen Werksschließungen aus und sieht dort noch ungenutzte Kapazitäten für die Produktion von Elektroautos. Dagegen brachte Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ins Gespräch. Betriebsratschefin Daniela Cavallo lehnte diesen Vorschlag strikt ab, da er den ohnehin nötigen Personalabbau aus ihrer Sicht noch weiter vergrößern würde.

Aktienkurs und kommende Fristen

An den Märkten zeigte sich die Volkswagen-Aktie zuletzt wenig beeindruckt und notierte bei rund 78 Euro leicht im Plus. Dennoch stehen Aktionäre vor einer Phase dringenden Handlungsbedarfs, da der Aufsichtsrat am Freitag über die vorliegenden Konzepte entscheidet. Konzernchef Blume plant, sein umfassendes Sparpaket bis zum Jahresende endgültig festzurren. Unabhängig davon hat die IG Metall für den 21. September einen bundesweiten Aktionstag an den deutschen Auto-Standorten angekündigt.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.