Arbeitgeber in den USA und Deutschland stehen vor drastischen Kostensteigerungen bei der Krankenversicherung und bei Minijobs für das Jahr 2027. Während US-Versicherungsexperten einen Anstieg der Gesundheitskosten auf über 19.000 US-Dollar pro Mitarbeiter prognostizieren, treiben politische Sozialreformen in Deutschland die Belastungen für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse massiv nach oben.
Ob in den Vereinigten Staaten oder in Europa: Steigende Beiträge, teure medizinische Behandlungen und neue gesetzliche Vorgaben zwingen Betriebe zu radikalen Anpassungen ihrer Personal- und Finanzplanung. Besonders im US-Gesundheitssektor und auf dem deutschen Arbeitsmarkt spitzt sich die Lage spürbar zu.
US-Arbeitgeber sehen die heftigste Kostenwelle seit über zwei Jahrzehnten
In den USA steuern Unternehmen auf den schärfsten Anstieg der Gesundheitskosten seit mehr als 20 Jahren zu. Der Versicherungsmakler Aon prognostiziert für das Jahr 2027 einen durchschnittlichen Anstieg der Gesundheitskosten um 9,5 Prozent, wodurch die Gesamtkosten pro Mitarbeiter die Marke von 19.000 US-Dollar übersteigen werden. Ähnliche Zahlen nennt der Berater Marsh, der nach Einberechnung von Leistungsanpassungen mit einer Steigerung von rund 8 Prozent rechnet, was dem stärksten Anstieg seit 2003 entspricht.
Mike Pasterick, Leiter für nordamerikanische Gesundheitslösungen bei Aon, erklärte laut Mike Pasterick, dass Arbeitgeber inzwischen mehrere aufeinanderfolgende Jahre mit Kostensteigerungen im Gesundheitswesen erlebt haben, die sich der Marke von zehn Prozent nähern.
Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Neben einer Zunahme von Patienten mit chronischen Erkrankungen und teuren Spezialmedikamenten treiben vor allem neue GLP-1-Therapien zur Behandlung von Adipositas, Diabetes und Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden die Ausgaben in die Höhe. Zudem nutzen Kliniken und Ärzte vermehrt künstliche Intelligenz für eine detailliertere klinische Dokumentation, was in vielen Fällen zu höheren Abrechnungsbeträgen führt.
HDE warnt vor explodierenden Kosten bei Minijobs in Deutschland
Während in den USA vor allem die Krankenversicherungskosten belasten, stehen deutsche Arbeitgeber im Bereich der geringfügigen Beschäftigung vor massiven Mehrausgaben. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat aus Regierungskreisen erfahren, dass eine grundsätzliche Abschaffung der Minijobs zwar vom Tisch ist, die Politik das Modell jedoch durch die Hintertür verteuert. Steven Haarke, Geschäftsführer des HDE, betonte, dass die laufenden Sozialreformen die Kosten für Arbeitgeber massiv in die Höhe treiben.

Ab dem 1. Januar 2027 steigt der Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung für gewerbliche Arbeitgeber von 13 auf voraussichtlich 17,5 Prozent. Das entsprechende GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wurde im Juli 2026 beschlossen. Gleichzeitig beschloss der Koalitionsausschuss eine Anhebung der Pauschalsteuer für Minijobs von 2 auf 5 Prozent. Zusammen mit einem im Entwurf vorgesehenen Pflegeversicherungsbeitrag summieren sich die Abgaben für Arbeitgeber nach HDE-Berechnungen auf rund 40 Prozent.
Steven Haarke, Geschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), erklärte, aktuell würden seitens der Politik durch die laufenden Sozialreformen bei GKV und Pflege die Kosten für Minijobs für Arbeitgeber massiv in die Höhe getrieben, sodass diese auf rund 40 Prozent anwachsen würden.
Wie Unternehmen und Beschäftigte auf die finanzielle Belastung reagieren
Die Lastenverteilung verschiebt sich spürbar zu Lasten der Arbeitnehmer. In den USA greifen Unternehmen vermehrt zu Kostendämpfungsmaßnahmen. Larry Levitt, Vizepräsident für Gesundheitspolitik bei KFF, erklärt, dass Firmen die Ausgaben vor allem auf die Belegschaft abwälzen, indem sie Selbstbehalte erhöhen oder Leistungen einschränken. Der durchschnittliche Selbstbehalt liegt mittlerweile bei rund 1.900 US-Dollar pro Person.

In Deutschland droht durch die steigenden Abgaben ein Attraktivitätsverlust für Minijobs. Fällt der Vorteil des „Netto-für-brutto“-Prinzips durch schleichende Kostensteigerungen weg, sinken die Nettolöhne der Beschäftigten spürbar. Der HDE rechnet vor, dass bei einem Stundenlohn von 13,90 Euro in Steuerklasse 1 oder 4 monatlich rund 130 Euro netto weniger verbleiben würden, während in Steuerklasse 6 sogar ein Minus von rund 200 Euro droht.”
Angesichts dieser Entwicklungen müssen Betriebe in beiden Ländern neue Wege gehen. US-Arbeitgeber setzen verstärkt auf Netzwerke mit ausgewählten Krankenhäusern oder streichen unwirksame Dienstleister. Im deutschen Einzelhandel und in der Gastronomie, wo rund sieben Millionen Menschen in Minijobs arbeiten, warnen Verbände davor, dass die Personalgewinnung in ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Zeiten durch zusätzliche Hürden weiter erschwert wird.
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