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Kanada reagiert: US-Zölle auf 900 kanadische Artikel

Ein geplatztes Handelsabkommen hat den Konflikt zwischen den USA und Kanada eskalieren lassen. Seit Samstag gelten US-Zölle auf kanadische Produkte. Kanada plant Vergeltungsmaßnahmen ab dem 8. September, während Washington bereits mit Abgaben von bis zu 50 Prozent auf Autos und Stahl ab Januar droht.

Der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada hat eine neue, drastische Eskalationsstufe erreicht. Nachdem am Freitagabend die Verhandlungen über ein gemeinsames Abkommen in letzter Minute gescheitert waren, traten am Samstag US-Zölle von 50 Prozent auf kanadische Produkte im Umfang von rund 20 Milliarden US-Dollar in Kraft. Die kanadische Regierung reagierte umgehend auf den Bruch der Gespräche.

Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte daraufhin an, dass das Land ab dem 8. September eigene Vergeltungszölle in Kraft setzen wird. Die Liste der ins Visier genommenen US-Produkte umfasst nach Angaben der kanadischen Industriministerin Mélanie Joly fast 900 Artikel im Gesamtwert von etwa 28 Milliarden US-Dollar. Dazu gehören Waren wie Netzwerkausrüstung und Backmischungen.

Politische Hebel und betroffene US-Bundesstaaten

Kanada geht bei der Auswahl der zu belegenden Produkte strategisch vor, um gezielt politischen Druck in den USA aufzubauen. Ministerin Joly erklärte auf einer Pressekonferenz, dass man bewusst Güter ausgewählt habe, die bestimmte US-Bundesstaaten treffen. Eine Analyse von Handelsdaten durch die Zeitung The Globe and Mail zeigt, dass vor allem die Bundesstaaten Ohio, Illinois und Pennsylvania hart getroffen werden; in jedem dieser Staaten sind Waren im Wert von zwei bis drei Milliarden US-Dollar von den kanadischen Gegenmaßnahmen betroffen.

Besonders die Ausrüstungs- und Maschinenbauindustrie gerät ins Visier. Schätzungsweise fünf Milliarden US-Dollar an US-Waren in diesem Sektor stehen vor Zöllen. Der Verband der Ausrüstungshersteller (Association of Equipment Manufacturers) warnt vor den langfristigen Folgen. Kip Eideberg, der leitende Vizepräsident für Regierungs- und Industriebeziehungen des Verbandes, prognostiziert bleibende Schäden für die Lieferketten.

„I think what you will see is Canadian manufacturers looking to source parts that were coming from the United States from Asia and Europe.“

Kip Eideberg, Association of Equipment Manufacturers

Eideberg fügte hinzu, dass einmal veränderte Lieferketten nur schwer wieder zurückverlagert werden. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen in kleineren Städten, die oft als Hauptarbeitgeber dienen, würden die Belastungen durch die Zölle spüren und im schlimmsten Fall nicht überleben.

Wirtschaftliche Risiken für Kanadas Gesamtwirtschaft

Während die US-Wirtschaft nach Einschätzung von Experten die ersten Zölle verhältnismäßig leicht verkraften kann – die betroffenen Güter machen laut CNBC nur etwa 0,6 Prozent der gesamten US-Güterimporte aus –, blickt Kanada besorgt in die Zukunft. Die niederländische Großbank ING und das Analysehaus Capital Economics warnen vor massiven konjunkturellen Einbrüchen. Der kanadische Dollar geriet gegenüber mehreren internationalen Währungen unter Druck.

Bradley Saunders von Capital Economics rechnete vor, dass eine Ausweitung der Zölle auf ein Fünftel der kanadischen Warenausfuhren das Bruttoinlandsprodukt Kanadas um rund zwei Prozent schrumpfen lassen und das Land in eine Rezession stürzen könnte. Der Ökonom Trevor Tombe schätzte zudem, dass dauerhafte Zölle von 50 Prozent etwa 90.000 Arbeitsplätze in Kanada gefährden würden.

Die Tonlage verschärfte sich am Montag weiter, als US-Präsident Donald Trump drohte, die Abgaben auf kanadische Fahrzeuge, Autoteile und Stahl ab dem 1. Januar auf 50 Prozent anzuheben. Premierminister Carney warf der US-Regierung daraufhin vor, die kanadische Autoindustrie gezielt vernichten zu wollen.

Parteiübergreifende Geschlossenheit und Drohungen mit Energieexporten

Angesichts des wirtschaftlichen Drucks zeigt sich in Kanada eine seltene geschlossene Front über Parteigrenzen hinweg. Der Premierminister der bevölkerungsreichsten Provinz Ontario, Doug Ford, der den Progressiven Konservativen angehört, erklärte gegenüber AP News, die Kanadier seien bereit, Härten hinzunehmen, anstatt nachzugeben.

Kanada reagiert: US-Zölle auf 900 kanadische Artikel
Photo: theglobeandmail.com

Ford drohte offen damit, den Export von Strom, Öl, Gas und kritischen Mineralien in die Vereinigten Staaten einzuschränken. Allein Ontario versorgt nach seinen Angaben 1,5 Millionen amerikanische Haushalte und Unternehmen mit Elektrizität. Der kanadische Regierungschef Carney erklärte das Vorgehen der USA in einer scharfen Rede am Samstag als einen Angriff, der Kanada in einen wirtschaftlichen Konflikt zwinge.

Auf US-Seite wachsen unterdessen die Sorgen von Verbänden und Unternehmen. Charles Johnson, Präsident und Vorstandschef der Aluminum Association, erklärte, dass die Maßnahmen US-Hersteller in einer Phase belasten, in der Amerika eigentlich gut positioniert sein sollte, um die wachsende Aluminiumnachfrage zu decken. Auch Heidi Brock, Chefin der American Forest & Paper Association, betonte, dass der Handelskrieg die eng verflochtenen grenzüberschreitenden Lieferketten zerreißt.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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