Eine im August 2026 veröffentlichte Studie der Brown University in der Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicinelegt nahe, dass der Impfstoff Shingrix das Risiko einer Demenzerkrankung bei älteren Pflegeheimbewohnern erheblich senken kann. Die Untersuchung von über 500.000 Patienten liefert neue Hinweise auf neuroprotektive Effekte.
Brown-University-Studie zu Shingrix und Demenzrisiko bei Senioren
Der moderne Totimpfstoff Shingrix rückt neben seinem regulären Schutz vor schmerzhaftem Hautausschlag zunehmend in den Fokus der Hirnforschung. Wie aus den im August 2026 veröffentlichten Daten hervorgeht, untersuchten Forschende der Brown University den Zusammenhang zwischen der Immunisierung und der kognitiven Gesundheit im Alter. Die Auswertung, die im Fachjournal Annals of Internal Medicine
erschien, stützt sich auf Medicare-Abrechnungsdaten und elektronische Gesundheitsakten aus den Jahren 2017 bis 2022.
In die Untersuchung flossen die Daten von insgesamt 509.926 erwachsenen US-Bürgern ab 66 Jahren ein, die zu Beginn der Beobachtung frei von einer Demenzdiagnose waren und in qualifizierte Pflegeeinrichtungen aufgenommen wurden. Verglichen wurden Personen, die mindestens eine Dosis des rekombinanten Shingles-Impfstoffs erhalten hatten, mit einer Kontrollgruppe ungeimpfter Bewohner. Nach einem Beobachtungszeitraum von vier Jahren zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen: In der geimpften Kohorte lag die Rate der Demenzdiagnosen bei 18,8 Prozent, während sie bei den Ungeimpften 24,6 Prozent betrug. Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion von rund 24 Prozent.
„This translates to about one in 17 dementia cases potentially being prevented“
Kaley Hayes, assistant professor at Brown University’s School of Public Health
Die Studienautorin betonte, dass der Einsatz des Präparats bei älteren und besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen an einem klinisch klaren Wendepunkt stattfindet – nämlich dem Eintritt in ein Pflegeheim.
Methodische Strenge und finanzielle Offenlegung durch GSK
Um verlässliche Schlüsse trotz des beobachtenden Studiendesigns zu ziehen, nutzte das Forschungsteam um die an der Brown University tätige Wissenschaftlerin Kaley Hayes statistische Verfahren, um Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Personen möglichst auszugleichen.
Die Autoren legten transparent offen, dass die Studie von GlaxoSmithKline, dem Hersteller des Impfstoffs Shingrix, finanziell unterstützt wurde. Nach Angaben des Forschungsteams hatte das Unternehmen jedoch keinerlei Einfluss auf das Studiendesign, die statistischen Auswertungen oder die Entscheidung zur Veröffentlichung.
Einordnung und Parallelen zur Herz-Kreislauf-Forschung
Fachleute bewerten die Befunde als bemerkenswert, betonen jedoch gleichzeitig die wissenschaftlichen Grenzen. Die Ergebnisse werden mit einer parallel erschienenen Untersuchung in Nature Medicine
verglichen, die dem Impfstoff auch vorteilhafte Effekte auf das Herz-Kreislauf-System und das Schlaganfallrisiko bescheinigt.
Als biologische Ursache für den positiven Effekt auf das Gehirn vermuten Forschende, dass das Varizella-Zoster-Virus – der Auslöser von Windpocken und Gürtelrose – eine Rolle bei der Entstehung oder dem Fortschreiten einer Demenz spielen könnte. Durch die Verhinderung der Reaktivierung der Viren könnten damit verbundene Entzündungsreaktionen im Nervengewebe reduziert werden.
Internationale Daten und gesundheitspolitische Empfehlungen
Die aktuellen Daten aus den Vereinigten Staaten reihen sich nahtlos in frühere Beobachtungen aus anderen Ländern ein. Ein natürliches Experiment in Wales, bei dem ab dem 1. September 2013 Altersgrenzen für die Impfberechtigung galten, hatte ebenfalls eine Senkung des Demenzrisikos um rund 20 Prozent gezeigt. Ähnliche Assoziationen wurden laut den Berichten auch in England, Schottland, Kanada und Australien dokumentiert.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Standardimpfung gegen Gürtelrose mit dem Totimpfstoff Shingrix regulär für alle Personen ab 60 Jahren sowie für Risikopatienten ab 18 Jahren. Während der Impfstoff zur Vorbeugung von Herpes Zoster und postherpetischer Neuralgie eingesetzt wird, wächst in der Fachwelt das Interesse an den potenziellen kognitiven Zusatznutzen. Weitere randomisierte klinische Studien sind nach Ansicht der Forscher jedoch unerlässlich, um einen direkten kausalen Schutznachweis zu erbringen.
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