Der sachsen-anhaltische AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider hat im Vorfeld der Landtagswahl Kritik für eine im Wahlkreisbüro ausgestellte Tasse der russischen Armee zurückgewiesen und im Anschluss versucht, entsprechende Videoaufnahmen juristisch zu unterbinden. Das teilten Medienberichte im Rahmen von Reportagen vor Ort mit.
Die Tasse der russischen Armee im Wahlkreisbüro von Querfurt
Im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt lautet die formulierte Position Frieden in Europa
. Doch im Alltag des Wahlkampfs setzte der programmatische und ideologische Kopf der Partei, der Landes-Vizechef und Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider (48), auf ganz andere visuelle Akzente. In seinem Wahlkreisbüro in Querfurt schmückte eine schwarze Tasse mit rotem Stern und kyrillischer Aufschrift das Mobiliar. Vor Beginn des Video-Interviews in den Büro-Räumlichkeiten bot Tillschneider an, dem Reporter und dessen Kamera-Team eine Führung zu geben und zeigte mehrere Souvenirs. Auf dem Fan-Artikel prangt der russische Schriftzug „Armee Russlands“ (Armija Rossii
), während Souvenirs anderer Armeen wie der Bundeswehr in den Räumlichkeiten gänzlich fehlten.
Als BILD-Vize Paul Ronzheimer das Utensil bei Dreharbeiten für die Ronzheimer-Reportage entdeckte und nach dem Hintergrund fragte, reagierte der Politiker zunächst ausweichend. Die Tasse steht da einfach rum. Ich verbinde damit nichts Großes. Die ist mir mal geschenkt worden
, erklärte Tillschneider im Interview, und ergänzte an anderer Stelle: Die hat mir jemand geschenkt. Ich wollt‘ sie jetzt nicht wegtun.
Gegenüber einer anderen Nachrichtenagentur präzisierte er, es handele sich um ein Mitbringsel von einer Russlandreise aus den Jahren 2023 oder 2024, über das schon mehrfach berichtet wurde.
Reaktionen vor der Kamera und anschließende Anwaltssperre
Mit fortdauernden Nachfragen und dem Hinweis des Journalisten auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine schlug die Stimmung im Querfurter Büro jedoch um. Tillschneider entgegnete darauf unter anderem: Es ist nicht unser Krieg.
Bei weiteren Nachfragen zeigte sich der AfD-Abgeordnete sichtlich verärgert über das Souvenir. Jetzt hören Sie mit dieser blöden Tasse auf, ja. Es sind sozusagen weder Feinde noch Freunde. Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen
, forderte Tillschneider.
Direkt nach Beendigung der Dreharbeiten versuchte der Abgeordnete, die Ausstrahlung der in seinem Büro entstandenen Aufnahmen zu verhindern. Er ließ nach Angaben der Berichterstattung per Anwalt gegen die Veröffentlichung vorgehen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur begründete Tillschneider diesen Schritt mit der Absicht, die Veröffentlichung aufgrund des impertinenten Verhaltens des Herrn Ronzheimer und seines Teams
zu unterbinden, und fügte hinzu, dass er insofern die Skandalisierung nicht verstehe.
Hintergrund des Onlineshops und innerparteiliche Einordnung
Recherchen ordnen das Ausstellungsstück genauer ein: Die Tasse ist in Russland über den militärischen Onlineshop der Marke „Armija Rossii“ (Armee Russlands) erhältlich und kostet etwa acht Euro. Der Shop listet das russische Verteidigungsministerium als offiziellen Partner, wobei die Zielgruppe offenbar Fans des russischen Militärs sind. Obwohl Hans-Thomas Tillschneider sein Büro mit dem Fan-Artikel schmückte, bestritt er im Gespräch mit Paul Ronzheimer, sich mit der russischen Armee zu solidarisieren. Innerhalb der AfD wird der Politiker zum ultra-pro-russischen Flügel der Partei gezählt. Wenige Monate nach dem Überfall Russlands auf die gesamte Ukraine reiste er nach Russland, brach die Reise jedoch nach Kritik der Parteiführung ab. Im Oktober 2025 feierte Tillschneider in der russischen Botschaft in Berlin den Geburtstag von Diktator Wladimir Putin.”
In seinem Landesverband Sachsen-Anhalt nimmt Tillschneider eine entscheidende Rolle ein. Für den Fall eines Wahlsieges wird er als Bildungsminister gehandelt und möchte unter anderem den Geschichtsunterricht an deutschen Schulen grundlegend ändern.
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