Das Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskop der Nasa soll am frühen Sonntagmorgen vom Kennedy Space Center in Florida aus starten. Die 4,3-Mrd.-Dollar-Mission überstand im US-Kongress zwei Runden von Kürzungsvorschlägen der Regierung und nimmt Kurs auf eine Million Meilen entfernte Umlaufbahn im tiefen All.
Das 4,3bn-Dollar-Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskop steht kurz vor seinem Start ins All. Das Teleskop ist nach der 2018 verstorbenen ersten Astronomie-Chefbeamtin der Nasa benannt.
Ein millionenweiter Parkplatz und bahnbrechende Technik
Das fast zehn Jahre in der Entwicklung befindliche Teleskop zielt vor allem auf die Suche nach Exoplaneten und Hinweisen zur Planetenentstehung ab. Es wird sich den bestehenden Teleskopen Hubble und James Webb im All anschließen, wobei es laut Nasa ein Vielfaches an Leistung und Abdeckung mitbringt. Laut Angaben der Weltraumbehörde verfügt Roman über eine 300-Megapixel-Infrarotkamera, die dieselbe Schärfe und Auflösung wie Hubble bietet, allerdings mit einem Sichtfeld, das mindestens hundertmal größer ist.
Jedes Bild soll demnach einen Himmelsausschnitt erfassen, der etwa 1,5-mal größer ist als die scheinbare Größe eines Vollmonds. Zusätzlich ist das Teleskop mit einem Koronagrafen ausgerüstet, der das grelle Licht von Sternen abblockt und so detaillierte Aufnahmen von umkreisenden Planeten ermöglichen soll. Nach Angaben der Nasa werden diese Bilder voraussichtlich ältere, kältere und enger kreisende Welten zeigen als die heißen, jungen Super-Jupiter, die bisher durch direkte Bildgebung meist entdeckt wurden.
Das Reiseziel des Teleskops ist der Lagrange-Punkt 2, ein Parkplatz im Weltraum in etwa einer Million Meilen Entfernung von der Erde. Dort wird es in derselben komplexen Sonne-Erde-Umlaufbahn wie das James-Webb-Teleskop operieren, während beide Instrumente in großem Abstand voneinander bleiben. Die Mission soll die Arbeit von Hubble und Webb unterstützen, anstatt sie lediglich zu ersetzen.
Nach Erklärungen der Nasa wird Roman große Panoramen aufnehmen, um Ziele zu entdecken, die Hubble mit Infrarot-, Sicht- und Ultraviolettlicht weiter untersuchen kann, während das Webb-Teleskop mit seinem größeren Spiegel noch schärfere Beobachtungen liefert. Roman soll dabei den Kontext um diese Objekte herum liefern. Die ersten Aufnahmen werden nach monatelangen Kalibrierungen und Tests in der endgültigen Umlaufbahn Anfang 2027 erwartet und sollen sofort öffentlich zugänglich gemacht werden.
Überlebenskampf im US-Haushalt
Fast wäre das Projekt niemals am Startplatz angekommen. Im Jahr 2025 legte das Weiße Haus im Rahmen eines Haushaltsvorschlags für die Nasa-Wissenschaftskürzungen – von Analysten als extrem eingestuft – die Streichung des Roman-Projekts vor. Der Kongress lehnte diesen Vorschlag im Januar jedoch ab und stellte das Nasa-Finanzierungsniveau für das Jahr 2026 auf 24,4bn US-Dollar wieder her.

Unbeeindruckt davon versucht die US-Regierung nach Angaben der Berichte für das Haushaltsjahr 2027 erneut, das Gesamtbudget der Nasa um 23 Prozent zu kürzen.
Einer der Beweggründe für Roman war die Entdeckung, dass sich unser Universum nicht nur ausdehnt, sondern dass sich diese Ausdehnung beschleunigt. Es ist so, als würde man einen Ball in die Luft werfen, und anstatt dass der Ball wieder herunterkommt, fliegt er einfach immer weiter weg. Es gibt etwas wirklich Fundamentales, das wir über die Natur unseres Universums selbst nicht verstehen, und Roman ist genau darauf ausgerichtet, diese Fragen zu adressieren und die Daten zu liefern, die wir dafür brauchen. Julie McEnery, leitende Projektwissenschaftlerin für die Roman-Mission bei der Nasa
Die Fünfjahresmission im tiefen All
Die Planungsphase für das Projekt begann im Jahr 2016, nachdem die Notwendigkeit hierfür laut McEnery bereits am Ende des vorherigen Jahrhunderts konzipiert worden war. Im Jahr 2020 billigte die Nasa schließlich das gesamte Projekt und der Bau begann. Das Teleskop startet nun in eine auf fünf Jahre angelegte Primärmission, die sich nach Angaben der Raumfahrtbehörde auf bis zu zehn Jahre verlängern kann.
Nasa hob in einer Online-Erläuterung hervor, dass mit der Mission von Objekten im äußeren Sonnensystem und explodierenden Sternen bis hin zu wachsenden Schwarzen Löchern und Milliarden von Galaxien ein Großteil des Kosmos in den Bereich des Teleskops rückt. Die Flaggschiffmission soll Astronominnen und Astronomen dabei helfen, dunkle Materie, dunkle Energie und Exoplaneten zu erforschen.
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